Bundestagswahl 2021

Angela Merkel ungewohnt privat: Kanzlerin verrät härteste Momente ihrer Kanzlerschaft

So hat man Angela Merkel selten erlebt: Zum Ende ihrer Kanzlerschaft spricht sie nicht über Politik, sondern über Grundsätzliches – und sogar Persönliches.

Kassel – Angela Merkel (67) kennt man als knallharte Politikerin: Kurz vor der Bundestagswahl 2021 gibt sie sich nun aber außergewöhnlich nahbar und plaudert aus dem Nähkästchen.

Wer ist also Angela Merkel privat, was hat sie geprägt? „Dass ich als Kind mit geistig Behinderten zusammen aufgewachsen bin und da keine Furcht und Berührungsängste hatte. Dass ich Physik studiert habe“, erzählt die scheidende Kanzlerin bei einer Veranstaltung auf einer Theaterbühne in Düsseldorf.

NameAngela Merkel
Geburtsdatum, -ort17. Juli 1954, Hamburg (Deutschland)
Schulische LaufbahnAbitur, Physik-Studium, Doktor in Physik
EhemannJoachim Sauer (Heirat im Jahr 1998)
Politischer PostenBundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland (seit 2005)
Quelle: Angela-merkel.de

Etwa 80 Prozent der Studierenden seien damals Männer gewesen, gar nicht so einfach, sich da durchzusetzen. Ihre Kommilitonen hätten immer gleich losgelegt, so dass sie oft keinen Experimentiertisch mehr abbekommen habe. Da habe sie dann gelernt, sich in einem männlich dominierten Umfeld ihren Platz zu erkämpfen. 

Merkel über die härtesten Momente ihrer Kanzlerschaft: Eurokrise war besonders schwer

Besonders nachdenklich und traurig wirkt die Pfarrerstochter, als sie über den Tod ihrer Mutter vor zwei Jahren spricht. Natürlich sei es hart, wenn etwas so Privates geschehe und man gleichzeitig den Blicken der Öffentlichkeit ausgeliefert sei. „Wenn man dann immer angeguckt wird: Sieht man was? Das find ich schon schwer. Da muss man sich seinen Raum bauen.“ In diesen Raum habe sie dann niemanden hineingelassen, der da nicht hingehöre, erzählt Angela Merkel. 

Angela Merkel gibt ungewohnt private Einblicke in ihre Kanzlerschaft.

Der schwerste Moment ihrer Kanzlerschaft sei definitiv die Eurokrise gewesen, als sie den Bürgern in Griechenland so viel zugemutet habe. Es gab aber auch sehr schöne Momente: „Sehr oft, wenn man einen Kompromiss gefunden hat.“ Zum Beispiel die Verabschiedung des Lissabon-Vertrags, der die Europäische Union auf ein neues Fundament stellte.

Oder im vergangenen Jahr, als sich die Staats- und Regierungschefs der EU nach langem Streit doch noch auf die Corona-Hilfen einigten. „Dann ist man glücklich“, so die Kanzlerin schmunzelnd.

Merkel über Momente aus ihrer Kanzlerschaft: „Ich finde, dass ich meinen Beitrag geleistet habe“

Auf die Frage, ob Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik die Gesellschaft gespalten habe, sagt die Kanzlerin klar, dass sie das nicht so sehe. Dass ihr berühmtester Satz „Wir schaffen das“ eine Einladung an alle Flüchtlinge gewesen sei, nach Deutschland zu kommen, glaube sie nicht. 2015 hätten doch die Flüchtlinge schon vor der Tür gestanden und zu sagen: Passt mal auf, zurück übers Mittelmeer, das sei für sie kein Weg gewesen.

Auf die Frage, ob sie ruhigen Gewissens aus dem Amt scheide, antwortet die Bundeskanzlerin mit einem sehr klaren „Ja“ und fügt hinzu: „Ich finde, dass ich meinen Beitrag geleistet habe.“ Jetzt brauche das Land Angela Merkels Ansicht nach aber etwas Neues.

Und ihre eigene Zukunft? Seitdem sie Ende 1989/Anfang 1990 in die Politik gegangen sei, habe sie eigentlich keinen normalen Arbeitstag mehr gehabt und aufgehört, sich zu fragen, was sie abseits der Politik interessiere. Das wolle sie jetzt nachholen. „Möchte ich schreiben? Möchte ich reden? Möchte ich wandern? Möchte ich zuhause sein? Möchte ich in die Welt fahren? Und dazu, hab ich mir vorgenommen, mache ich eben erstmal nichts und warte mal, was so kommt. Und das, finde ich, ist sehr faszinierend.“ (Luisa Weckesser/dpa)

In einer aktuellen Umfrage zur Bundestagswahl 2021 überflügelt die SPD Merkels CDU und ist stärkste politische Kraft. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz lockt bei seinem Besuch in Melsungen viele Menschen an: Themen vor der Bundestagswahl 2021 waren Mindestlohn und Klimawandel.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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