Mann wohnte unweit vom Tatort in Flüchtlingsunterkunft

Angriff mit Steinen und Schlagstock: Polizei erschießt 19-Jährigen in Fulda

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Die Scheibe der Bäckerei, vor der der Mann randaliert hatte, ist im Eingangsbereich großflächig beschädigt.

Fulda. Polizeibeamte schießen in Fulda einen mutmaßlichen Randalierer mit ihren Dienstwaffen nieder. Zuvor soll der junge Mann sie mit Steinen und einem Schlagstock angegriffen haben und an einer Bäckerei ausgerastet sein. Viele Fragen sind noch offen.

Dieser Artikel wurde um 14.58 Uhr aktualisiert - Die Spuren der Randale sind deutlich. Zwei große Einschlagstellen von Steinwürfen sind zu sehen, die Scheibe der Bäckerei, die sich in der Flemingstraße befinden soll, ist großflächig gerissen und gesplittert. Auf der Straße sind Blutspuren mit Kunststofffolien abgedeckt. Am frühen Freitagmorgen spielt sich im Fuldaer Gewerbegebiet Münsterfeld eine Gewalttat ab, an deren Ende die Polizei einen jungen Mann erschießt. Er soll die alarmierten Beamten zuvor mit Steinwürfen und einem Schlagstock attackiert haben. Aber viele Fragen bleiben noch unbeantwortet.

Am Mittag teilt die Staatsanwaltschaft die Identität des Mannes mit: Es handele sich um einen 19-jährigen Afghanen. Er wohnte unweit der Bäckerei in einer Flüchtlingsunterkunft, wie Staatsanwalt Harry Wilke sagte. Wie es zu dem Eklat vor der Bäckerei kam, ist noch Gegenstand von Ermittlungen. Ebenso muss geklärt werden, warum die von der Bäckerei zur Hilfe gerufenen Beamten ihre Waffen nutzten. Das Hessische Landeskriminalamt (LKA) wurde eingeschaltet. Das ist bei tödlichem Schusswaffengebrauch von Polizisten immer der Fall.

Der Mann soll laut den Ermittlern vor der Bäckerei randaliert haben. Er warf demnach Steine gegen die Scheibe. Einen Lieferfahrer der Bäckerei soll er angegriffen und verletzt haben. Der Angestellte musste ins Krankenhaus gebracht werden. Zudem sei ein Polizist verletzt worden, als die Beamten von dem jungen Mann angegriffen worden seien.

Thomas Bertz, Sprecher der Bäckerei-Kette aus der Rhön, sagte am Vormittag am Tatort: "Unseren beiden Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend gut, aber unser Fahrer musste ins Krankenhaus."

Hessische Polizei schoss 2017 in fünf Fällen

Dass Polizeibeamte im Ernstfall zur Waffe greifen, kommt immer mal wieder vor. Laut eine Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster wurde im Jahr 2016 in 52 Fällen auf Menschen geschossen. Elf Menschen starben, weitere 28 wurden verletzt. In Hessen schoss die Polizei im Jahr 2017 in fünf Fällen auf Menschen, dabei wurden zwei Menschen getötet, wie das LKA Wiesbaden berichtete.

Im Oktober 2017 erschossen hessische Beamte im Einsatz in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) einen mit einem Messer bewaffneten, 19 Jahre jungen Angreifer. Einige Tage zuvor hatte die Polizei in Alsfeld (Vogelsbergkreis) einen schwer bewaffneten und betrunkenen Mann (54) in Notwehr erschossen. Doch in etwa 99 Prozent der Fälle richte sich der polizeiliche Schusswaffengebrauch in Hessen wie auch bundesweit aber gegen kranke, verletzte oder gefährliche Tiere, sagte der LKA-Sprecher. Im Jahre 2017 habe es in Hessen 1243 derartige Fälle gegeben. Bundesweit waren es im Jahr 2016 rund 12.600 Fälle.

Die Informationen der Ermittler zum Tatablauf kommen am Freitag nur spärlich. Viele Fragen bleiben zunächst offen. Etwa, ob der Mann Alkohol getrunken oder Drogen genommen hatte. Laut Augenzeugen fiel der Verkäuferin, die am frühen Morgen vor Ladenöffnung mit Arbeitsvorbeitungen beschäftigt war, der junge Mann auf. Er habe sich merkwürdig verhalten. Deshalb habe sie vorsorglich die Eingangstür verriegelt.

Als der Warenzulieferer mit seinem Lastwagen vor der Filiale eintraf, soll er von dem Mann angegriffen worden sein. Der Fahrer konnte sich durch einen Seiteneingang in die Bäckerei flüchten. Die Mitarbeiter verständigten die Polizei. Das Polizeipräsidium befindet sich in der Nähe der Bäckerei.

Wahrscheinlich flüchtete der Angreifer, als die Beamten eintrafen. Dafür sprechen Spuren am Tatort. Denn erst rund 150 Meter entfernt fielen mehrere Schüsse. Die Spurensicherung markierte am Tatort die Patronenhülsen mit weißen Papier-Pyramiden und Farbspray auf dem Asphalt. Wie oft die Beamten auf den Mann feuerten und wo die Kugeln trafen - das muss noch ermittelt werden. Wann der Leichnam obduziert werden kann, war zunächst unklar.

Der Tatort wurde am Freitag weiträumig von der Polizei abgesperrt. Die Stelle, wo der getroffene Mann zu Boden ging, wurde mit einem Zaun und Sichtschutzplanen vor neugierigen Blicken abgeschirmt. Dahinter baute die Spurensicherung ein weißes Zelt auf. Die Polizei hatte alle Händen voll zu tun, Passanten vom Tatort abzuweisen.

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