Foto zeigte Beinstumpf nach dem Sport

Zu "anstößig": Facebook löschte Foto von Kriegsveteran

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Stolzer Vater mit Familie: Andy Reid heiratete 2011 seine langjährige Freundin Claire. Gemeinsam haben sie einen zweijährigen Sohn.

St. Helens. Ein Kriegsveteran aus Großbritannien postete nach dem Sport ein Bild von seinem Beinstumpf auf Facebook. Wie so oft wollte er damit anderen Amputierten Mut machen. Die Betreiber des sozialen Netzwerkes fanden das anstößig und löschten das Bild. Der Fall sorgt für Empörung im Netz.

Der britische Kriegsveteran Andy Reid hat keine Beine mehr, seit er 2009 in Afghanistan auf eine Landmine trat. Auch sein rechter Unterarm wurde damals weggerissen. Doch der 37-jährige Ehemann und Vater eines zweijährigen Sohns ließ sich nicht unterkriegen. Für viele Amputierte wurde Reid ein Vorbild. Doch die Betreiber der Internetplattform Facebook löschten ein Bild, dass seinen Beinstumpf zeigte. Ein Nutzer hatte es als „anstößig“ gemeldet. Daraufhin entbrannte eine Diskussion im Netz.

Hier geht es zur Facebookseite von Andy Reid.

Nachdem seine Wunden verheilt waren, begann Reid Sport zu treiben. Dank seiner Prothesen kann er viel Rad fahren, schwimmen, rudern und auch bei Wettbewerben mitlaufen. Immer wieder veröffentlicht er im Internet Bilder, die ihn beim Training zeigen. Dazu stellt er Bildunterschriften, die anderen Amputierten Mut machen sollen, wie etwa: „Du kannst alles erreichen, durch harte Arbeit und Entschlossenheit. Gib niemals auf!“ Er treibe sich immer wieder zu neuen Herausforderungen an, um anderen zu zeigen, dass eine Amputation nicht das Ende der Welt und ein normales Leben weiter möglich ist, sagte Reid erst vor Kurzem der britischen Wohltätigkeitsorganisation für Soldaten „The Soldiers' Charity“.

Weil er seinen Sport nur mit Hilfe der Prothesen ausüben kann, bilden sich oft Blasen an seinen Stümpfen. Reid veröffentlichte ein Bild davon mit der Bemerkung: „Heute habe ich meine Beine ganz schön beansprucht!“ Das Bild wurde von Facebook als „anstößig“ eingestuft und in einem Standardverfahren entfernt.

Reid konnte nicht begreifen, warum: „Was ist der Unterschied zwischen einem Foto von mir ohne Bein und dem, was gerade in Gaza geschieht?“, fragte der ehemalige Unteroffizier in der britischen „Sun“. Sein Bild sei nicht im geringsten so unangebracht wie die Fotos, die derzeit von islamistischen Kämpfern über das Internet und eben auch über soziale Netzwerke wie Facebook verbreitet würden, sagte er.

Wenige Tage, nachdem britische Medien über den Vorfall berichteten, wurde das Bild von Facebook wieder online gestellt. Auch eine Entschuldigung folgte, wie die Tageszeitung „Daily Mail“ berichtete. Doch was nicht mehr aufgehalten werden konnte ist die Diskussion, die Reids Fall im Internet ausgelöst hat.

Von Moritz Schäfer

Hintergrund:

Wann löscht Facebook Bilder?

Nutzer von Facebook können in dem sozialen Netzwerk Bilder, Wortbeiträge und Videos melden, wenn diese Anstößiges zeigen. Meist werden die Inhalte dann entfernt. Zwar wurde im Internet ein Handbuch veröffentlicht, das die entsprechenden Richtlinien des Netzwerks beinhaltet, doch diese ändern sich häufig. So sind nach einer weltweiten Protestwelle erst seit Kurzem Bilder von stillenden Müttern erlaubt. (mhs)

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