Er wurde psychisch krank

Anwältin getötet: 80-Jähriger muss fast acht Jahre ins Gefängnis

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Die Polizei steht vor dem Haus, in dem sich eine Anwaltskanzlei befindet, in der eine Anwältin erschossen wurde.

Weil er die rund 94.000 Euro nicht mehr bekam, die er einem Ehepaar geliehen hatte, rastete ein Rentner aus und erschoss die Frau. Nun muss er für den Mord an der Anwältin ins Gefängnis. 

Neubrandenburg - Ein 80-Jähriger hat eine Rechtsanwältin erschossen und ist zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Neubrandenburg sprach den Rentner am Dienstag des Totschlags und illegalen Waffenbesitzes schuldig. Ursprünglich war der Mann aus Waren an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern wegen Mordes angeklagt gewesen. Der 80-Jährige hatte vor Gericht gestanden, die Juristin am 1. Februar wegen eines jahrelangen Geldstreits um fast 100 000 Euro in ihrer Kanzlei erschossen zu haben.

Der 80-Jährige hatte in einem Geständnis erklärt, dass er den Ehemann der Anwältin seit den 1980er Jahren gekannt habe und mit ihm locker befreundet gewesen sei. Nach der Wende habe sich der ehemalige Leiter einer DDR-Großhandelsfirma bei ihm Geld für Geschäfte einer Ost-West-Import GmbH geliehen. Das waren bis 2003 insgesamt rund 94 000 Euro, wie ein ziviles Gerichtsurteil später belegte.

Doch auch nach dem Urteil im Jahr 2014 bekam der Senior keinen Cent des geborgten Geldes wieder und wurde psychisch krank. „Er war der Geprellte, Betrogene, Hintergangene“, sagte der Richter.

Nach vergeblichen Versuchen, mit der Anwältin zu reden, ging der Rentner mit einer Pistole, die er sich illegal beschafft hatte, zu der Kanzlei. Der Richter nannte die Schüsse auf die Juristin eine „hinrichtungsähnliche Vorgehensweise“. Man müsse dem 80-Jährigen aber zu Gute halten, dass er von einem Gutachter in dieser Situation als „erheblich vermindert steuerungsfähig“ eingeschätzt wurde.

Nach den Schüssen flüchtete der Rentner mit dem Stadtbus, versteckte die Pistole, ging einkaufen und nach Hause. Über Hinweise der Verwandten des Opfers kam die Polizei schnell auf seine Spur und nahm ihn am Tatabend in seiner Einraumwohnung in einem Hochhaus fest.

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dpa

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