Scherze und unwahre Geschichten

April, April: Veralbern hat Hochkonjunktur

Kassel. Am  heutigen Ostermontag ist der 1. April, der Tag, an dem in Familien und in Freundeskreisen wieder Aprilscherze kursieren. Das sind (hoffentlich) lustige, aber unwahre Geschichten, die mit einem freundlichen „April, April“ aufgelöst werden.

Wer kennt das nicht? Eine mehr oder weniger spektakuläre Geschichte wird erzählt, in bunten Farben und großen Worten geschildert. Der Erzähler muss aufpassen: Sie darf nicht so unwahrscheinlich sein, dass der Zuhörer auf Anhieb merkt, dass geflunkert wird. Die Geschichte soll ihn zum Grübeln oder Lachen bringen, wenn alles gut geht, merkt er erst spät, dass er veralbert wurde.

Die Tradition, jemanden „in den April zu schicken“, ist Jahrhunderte alt und lebt jedes Jahr wieder auf. Doch über den Ursprung der Aprilscherze gibt es bis heute keine exakten Angaben, sondern nur Theorien.

Die Redensart „in den April schicken“ ist in Deutschland das erste Mal aus dem Jahr 1618 überliefert. Die zunächst in Bayern beliebte Tradition lebte durch Auswanderer auch in Nordamerika auf. Der Begriff Aprilscherz bürgerte sich nach Recherchen von Forschern erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ein. Ein Überblick über die Theorien der Entstehung des Brauches:

• Kalenderreform:

Im Jahr 1564 gab es in Frankreich durch das Edikt von Roussillon eine Kalenderreform. König Karl IX. verlegte den offiziellen Jahresanfang vom 1. April auf den 1. Januar. In einigen Teilen des Landes war das nicht bekannt, die Menschen feierten den Jahreswechsel weiter vom 31. März auf den 1. April. Spötter nannten sie seitdem „Aprilnarren“.

• Verrat von Jesus Christus:

Nach christlicher Überlieferung gilt der 1. April als Geburts- oder Todestag von Judas Ischariot. Er hat Jesus Christus verraten. Außerdem soll an einem 1. April Luzifer in die Hölle eingezogen sein. Daher soll an diesem Tag auch besondere Vorsicht geboten sein.

• Wetter:

„April, April, der weiß nicht, was er will“ sagt der Volksmund noch heute im Hinblick auf die Wetterkapriolen in diesem Monat. Die Launen der Witterung werden laut Überlieferung am 1. April eingeläutet.

• Münztag:

Im Jahr 1530 sollte auf dem Augsburger Reichstag das Münzwesen neu geregelt werden. Für das Datum 1. April wurde ein besonderer Münztag ausgeschrieben. Als das Datum näher rückte, wurde dieser Münztag wieder abgeblasen. Spekulanten verloren Geld und wurden verlacht.

Der 1. April hat als Tag, an dem Leser und Hörer scherzhaft in die Irre geführt werden sollen, längst auch in den Medien Einzug gehalten. Glaubhaft klingende, aber erfundene Beiträge haben Konjunktur in Zeitungen und auf Webseiten sowie in Radiobeiträgen. Wer den Scherz nicht erkennt und sich an der Nase herumführen lässt, wird Aprilnarr genannt. Synonyme dazu sind Aprilgeck und Apriljeck.

Der Aprilscherz ist auch in Österreich, der Schweiz, in Frankreich, Italien und vielen Ländern außerhalb Europas bekannt. In Spanien und Lateinamerika gibt es einen ähnlichen Brauch am 28. Dezember. Dies ist der „Dia de los Santos“ – der Tag der unschuldigen Heiligen und der unschuldigen Kinder.

Hintergrund

1774: Erster Aprilscherz in einer Zeitung

Der vermutlich älteste Aprilscherz in einer deutschen Zeitung wurde am 1. April des Jahres 1774 veröffentlicht. In ihm wurde behauptet, man könne nicht nur die Ostereier färben, sondern einfach gleich Hühner in verschiedenen Farben züchten. Dies könne gelingen, indem man die Umgebung der Hühner in der gewünschten Farbe anstreiche, woraufhin sich die Hühner entsprechend färben würden. Welche Zeitung diesen Scherz abdruckte und wie viele Leser darauf hereingefallen sind, ist nicht überliefert. 

Von Peter Klebe

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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