NDR-"Tatort" - "Krieg im Kopf"

Maria Furtwängler im Interview über den zweiten Göttingen-"Tatort" 

ARD-Tatort: Maria Furtwängler im Interview über den zweiten Göttingen-"Tatort" 
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Eckiges Team: Anaïs Schmitz (Florence Kasumba, links) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ermitteln im Göttingen-„Tatort“.

Für Göttingen hat Maria Furtwängler neben der Arbeit am "Tatort"-Dreh bislang wenig Zeit gehabt, so spricht sie denn auch im Interview viel über die Arbeit.

  • Der zweite NDR-Tatort aus Göttingen "Krieg im Kopf" läuft am Sonntag (29.03.2020) um 20.15 Uhr im Ersten
  • Schauspielerin Maria Furtwängler spricht im Interview über den neuen Fall von Anaïs Schmitz und Charlotte Lindholm
  • Im Göttingen-Tatort geht es diesmal um die Gehirnbeeinflussung bei Soldaten
  • Göttingen - „Krieg im Kopf“ ist der zweite NDR-„Tatort“ aus Göttingen (Regie: Jobst Christian Oetzmann, Buch: Christian Jeltsch) – und der zweite mit dem Duo Anaïs Schmitz und Charlotte Lindholm alias Florence Kasumba und Maria Furtwängler, mit der wir gesprochen haben.

    Frau Furtwängler, mit der Wohnungssuche in Göttingen hat es wieder nicht geklappt, Charlotte ist darüber gar nicht traurig.

    Ach, das ist wie manchmal im richtigen Leben, wie in einer Situation, mit der man sich nicht anfreunden und die man nicht Wirklichkeit werden lassen will, die aber längst Wirklichkeit ist. Es ist dieses Nichtannehmen-Wollen. Charlotte verleugnet die Tatsachen – auf nicht uncharmante Weise, wie ich meine.

    Aber die Locals in Göttingen finden das gar nicht so charmant.

    Ja, wir hören von den Göttingern auch Kritik, sie sagen: „Aber Göttingen ist doch schön“ – dann antworte ich: Ist ja auch schön! Diese Kritik kenne ich seit meinem ersten „Tatort“. Wir drehten in Vechta und die Leute sagten: „Aber wir sind doch gar nicht so böse, wir sind doch ganz nett.“ Ich sage dann: Wir drehen doch einen Krimi, und da sind notgedrungen einige Menschen böse. Wenn man im Film mit menschlichen Abgründen zu tun hat, dann wird der Lokalpatriotismus immer auch verletzt.

    ARD-Krimi: Tatort aus Göttingen im TV: Maria Furtwängler im Interview

    Göttingen hat Ihnen eine starke Partnerin – als Ermittlerin, wie als Persönlichkeit – beschert. Wie finden Sie das?

    Ich finde es reizvoll, wie ich es auch immer reizvoll fand, eine Figur seriell darzustellen, weil man diese weiterentwickeln kann und nicht alles auf einmal erzählen muss. Es ist anregend, genau das in einer Beziehung zu einer anderen Frau zu machen. Ich mochte es auch, dass Anaïs Schmitz als Person ruppig und schwierig eingeführt wurde und dass es nicht die klassische Beste-Freundin-Nummer ist. Das werden wir wohl nie als Ermittler-Duo. Aber die Wertschätzung füreinander wächst.

    Im aktuellen Film kommt viel davon rüber.

    Wir haben das gemeinsame Trauma – wir sind zwei gestörte Polizistinnen, die sehr unterschiedlich damit umgehen. Charlotte mehr nach vorne auf den Fall und Anaïs mehr stärker nach innen, um der Gefahr Herr zu werden. Dazu kommt, dass diese Beziehung, die anfängt mit Respekt und Vorsicht miteinander umzugehen, nun diese Belastung erfährt, dass Charlotte deren Mann alles andere als unattraktiv findet.

    „Krieg im Kopf“ beschreibt ein für Laien surreales Szenario, die mentale Kriegführung: Was hat Sie am Drehbuch gereizt?

    Christian Jeltsch schreibt Drehbücher, die ich sehr gern lese. Das ist schon mal nicht selbstverständlich. Er hat darin eine erzählerische Dichte – einfach Qualität. Ich dachte: Moment mal, Wow! Mind Control, Gehirnbeeinflussung? Was ist das? Ich kannte vieles nicht, war skeptisch. Im Gespräch mit ihm habe ich mich, auch über die Recherche und Fakten, überzeugen lassen. Also habe ich mich tiefer eingelesen, über die Forschung und über Dinge, die längst angewendet werden, von denen wir keine Ahnung haben. Aber: Es ist Fiction, wir sind ja beim „Tatort“, nicht im „Brennpunkt“. Die Story ist plausibel, auch wenn nicht immer wahrhaftig. Ich fand das spannend.

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    Reizt es Sie, auf Neues gestoßen zu werden?

    Ja. Ich mag es sehr, wenn ich neben und durch die „Tatort“-Story etwas Neues lerne, wenn für mich eine Tür aufgestoßen wird. Das schafft dieser Film. Er zeigt auf, dass wir generell nicht tief genug darüber informiert werden, was im Bereich künstliche Intelligenz geht oder was nicht, und dass es Entwicklungen sind, die kommen werden, ob sie uns gefallen oder nicht. Aber sie beinhalten auch Möglichkeiten, wie in der Medizin. Die Frage ist nur, wollen wir dabei mitmischen mit unseren ethischen Werten oder verschließen wir weiter beide Augen und lassen das weiter aus China und Amerika entlang deren Prioritäten geschehen.

    Das klingt skeptisch.

    Ich stehe nicht allem Neuen, auch auf diesem Gebiet, grundsätzlich überkritisch gegenüber, aber wir müssen dazu unsere eigenen Positionen finden – in einer viel breiter informierten Öffentlichkeit. Wir müssen all das aktiv mitgestalten.

    Wir stecken in einer Riesen-Krise. Wie wichtig ist die Kultur, sind Film und Fernsehen in dieser Zeit?

    So wichtig wie die anderen vitalen Bedürfnisse. Wir sehen, dass Künstler ihr Schaffen jetzt digital zeigen und wie begeistert Menschen das aufnehmen. Wir sehen auch, dass nicht nur Politik und Wissenschaft, sondern auch Geisteswissenschaften und eben die Künste diese schwierige Zeit prozessieren und begleiten.

    Inwieweit beeinflusst die Virusausbreitung Ihr berufliches wie privates Leben?

    Nun, nahezu alle Verpflichtungen sind abgesagt und ich bleibe, wie alle, daheim. Dabei ist mir bewusst, dass meine Lebensumstände mir Privilegien ermöglichen, die weite Teile der Gesellschaft nicht haben.

    Welche guten Seiten hat die Krise für Menschen?

    Ich könnte jetzt von Solidarität und Menschlichkeit sprechen, aber ganz ehrlich: Das ist alles eine so riesige Scheiße vor allem für unmittelbar Betroffene, dass ich hier kein Pfeifen im Wald anstimmen möchte.

    ARD-Tatort "Krieg im Kopf": Maria Furtwängler über Drehtage in Göttingen

    Wie ist es am Drehort, bekommen Sie dort viel vom Umfeld, von der Stadt mit?

    Wenig. Ich bin immer sehr fokussiert und beschäftigt, mit dem was passiert, oder was wir gerade gedreht haben. Dann sind wir ja auch noch durch unsere Handys permanent abgelenkt, schauen dauernd drauf. Das aber versuche ich dann zu minimieren und den Fokus ganz auf die Arbeit zu richten.

    Das heißt, die Ermittlerin Charlotte ist nur auf Stippvisiten in Göttingen, ebenso wie die Schauspielerin Maria Furtwängler..

    In der Tat. Die Drehtage in Göttingen und Umgebung, für Teil 2 haben wir ja auch auf dem Gräflichen Landsitz in Nörten-Hardenberg gedreht, sind voll gepackt, von morgens bis in den späten Abend. Von Göttingen habe ich noch nicht viel gesehen – außer die Drehorte. Aber es ist sehr schön hier. Charlotte Lindholm könnte sich dort wohlfühlen, wenn sie dazu bereit wäre.

    Blieb also noch gar keine Zeit für einen Cafè´-Besuch in der Stadt oder in einem Weinlokal?

    Nein, das ist leider jedes Mal so - und das macht mich fassungslos, weil es so schade ist! Das gilt für Göttingen und den Drehort Hamburg ebenfalls, dort habe ich sogar Familie und Freunde. Denen kündige ich vorher immer großspurig an: Wir treffen uns, trinken Kaffee, gehen Essen - und am Ende habe ich niemanden getroffen, weil ich mich nach dem Drehen auf den nächsten Tag vorbereite, oder nur müde bin und zusehe, dass ich einigermaßen frisch am Morgen wieder am Set auftauche. Es ist mir dennoch jedes Mal ein Rätsel, warum es so ist. Aber alles ist immer thematisch sehr auf diesen Beruf begrenzt. Es ist leider kein Sightseeing.

    Zur Person

    Maria Furtwängler (53), geboren in München, studierte nach dem Abitur Humanmedizin in Montpellier, wurde 1996 an der TU München promoviert und arbeitete als Ärztin bis zum Wechsel zur Schauspielerei. Bereits als Siebenjährige hatte sie ihre erste Filmrolle. Furtwängler spielt seit 2002 die „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm. Sie ist mit Verleger Hubert Burda (80) verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

    Von Thomas Kopietz

    Dieser Tatort in Göttingen wird für Aufsehen sorgen. Im zweiten Göttingen-Fall geht es um geheime Hirnforschung. So lautet der Sendetermin bei ARD.*

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