Bedrohlich schlechte Luft

Arzt zu Buschbränden: Rauch und Hitze "immense Gefährdung"

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Im Küstenort Eden im australischen Bundesstaat New South Wales steigt Rauch auf. Foto: Rick Rycroft/AP/dpa

Seit Beginn der großen Buschfeuer verbrannten in ganz Australien Millionen Hektar Land. Der Rauch zieht auch in die Städte. Ein Arzt erklärt die Gefahren für die Gesundheit.

Berlin/Canberra (dpa) - Die Gesundheit der von den Buschbränden in Australien betroffenen Bevölkerung dürfte aus Sicht eines deutschen Arztes nicht nur wegen des Rauchs leiden. Auch die extreme Hitze könnte den Menschen zu schaffen machen.

Rauch plus Hitze sei "eine immense gesundheitliche Gefährdung", sagte der Lungenspezialist Leif Sander von der Charité in Berlin. "Extremtemperaturen sind eine zusätzliche Belastung, vor allem für chronisch kranke Patienten."

Auch in Berlin mache man im Hochsommer die Erfahrung, dass sich die Beschwerden etwa von Asthmapatienten verschlimmerten. Ob die Rauchbelastung durch derartige Brände zu mehr Todesfällen führen kann - wie es etwa von Hitzewellen dokumentiert ist -, sei bisher aber nicht sicher, sagte Sander. Wahrscheinlich habe man in den Jahren nach den aktuellen Buschbränden neue Erkenntnisse.

Die Feuer in Australien führten dazu, dass in der Küstenmetropole Sydney die berühmte Oper von Rauch umhüllt war. Die Luft war nach Angaben der Gesundheitsbehörden zum Teil bedrohlich schlecht. In der rund 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Canberra trugen die Menschen Schutzmasken. Die Rauchfahne erreichte Anfang der Woche sogar das 11.000 Kilometer entfernte Chile und Argentinien.

"Was man weiß, ist, dass sich während solcher Ereignisse mehr Menschen im Krankenhaus vorstellen, dass sich Beschwerden verschlimmern und dass solche Ereignisse gesundheitliche Langzeiteffekte haben können", sagte Sander. Letzteres gelte vor allem für ungeborene Kinder und Kleinkinder.

Bei gesunden Erwachsenen gehe man davon aus, dass sich die Lunge nach einer akuten Rauchbelastung über die Zeit wieder regenerieren könne, sagte der Experte. Zu akuten Folgen zählten typischerweise Symptome der oberen und unteren Atemwege. "Die Schleimhäute können akut gereizt werden, weil im Rauch hohe Feinstaubkonzentrationen und giftige Gase enthalten sind", schildert Sander. Die Patienten litten an Husten und eventuell Atemnot, hätten eine laufende Nase und tränende Augen. Je nachdem wie intensiv der Brand und wie nah die Menschen dran sind, könne es auch zu Rauchgasvergiftungen kommen.

"Das Verbrennen von Holz und von Bäumen setzt Schadstoffe, wie Feinstaubpartikel, frei, die zu Gesundheitsschäden führen können", erläutert Sander. Aus Regionen der Welt, wo noch viel auf offenem Feuer gekocht wird, sei bekannt, dass die Menschen dort ähnliche Erkrankungen bekommen wie zum Beispiel Menschen, die sehr hohen Verkehrsbelastungen ausgesetzt sind oder die Zigaretten rauchen.

Als besonders gefährlich beurteilt der Mediziner Feinstaubpartikel mit einer Größe unter 2,5 Mikrometer: Diese könnten bis in die Lungenbläschen gelangen und womöglich auch ins Blut übertreten und langfristige Schäden hervorrufen. "Schwangeren und Menschen mit Kleinkindern würde ich empfehlen, falls möglich, sich ganz aus dem Gebiet zu entfernen", sagte Sander. Erwachsene, besonders jene mit chronischen Lungenerkrankungen, sollten am besten spezielle Atemschutzmasken tragen, die vor Feinstaub schützen.

Schon allein durch die Rauchbelastung verschlechtere sich auch häufig der Zustand von Menschen mit vorbestehenden Lungenerkrankungen, sagte der Mediziner. Asthmatiker könnten etwa Asthma-Attacken mit Atemnot bekommen. Ebenfalls gefährdet in solchen Situationen seien Patienten COPD oder Lungenfibrose, aber auch Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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