Neue Erkenntnisse zu Thrombose-Fällen

Hirnvenen-Thrombose nach AstraZeneca-Impfung: Inzwischen 59 Fälle bekannt

Nach einer Impfung mit AstraZeneca wurden bereits 59 Fälle von Hirnvenen-Thrombosen in Deutschland gemeldet. Die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts bringen neue Erkenntnisse.

Bereits 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenen-Thrombosen (SVT) wurden bislang in Deutschland nach einer Corona-Impfung mit dem Wirkstoff des britischen Herstellers AstraZeneca gemeldet, wie das Paul-Ehrlich-Institut berichtet. Das Paul-Ehrlich-Institut hat nun weitere Daten zu den Fällen veröffentlicht, die neue Erkenntnisse bringen. Vor allem Frauen sind von den Sinus- und Hirnvenen-Thrombosen betroffen: Von den insgesamt 59 Meldungen betrafen 45 Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 79 Jahren, 14 Meldungen betrafen Männer im Alter von 20 bis 70 Jahren.

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen ist das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Das Institut ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Zur Zuständigkeit des PEIs gehört die Zulassung und staatliche Chargenfreigabe von Geräten der Medizintechnik, Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimitteln. Seit August 2004 gehört auch die Genehmigung klinischer Studien der von ihm betreuten Arzneimittel zu den Aufgaben des Paul-Ehrlich-Instituts.

59 Fälle von Hirnvenen-Thrombose traten nach Erstimpfung mit AstraZeneca auf

Die Patienten, bei denen eine Sinus- und Hirnvenen-Thrombosen als Nebenwirkungen des britischen Vakzins auftrat, wurden im Zeitraum vom 13.02.2021 bis 31.03.2021 geimpft. In 57 Fällen begannen die Symptome innerhalb von 29 Tagen nach einer Impfung mit Vaxzevria, wie der Impfstoff von AstraZeneca neuerdings heißt*, auf. In zwei Fällen gibt es keine Angaben zum Zeitintervall zwischen dem Zeitpunkt der Impfung und dem Auftreten der Thrombose.

Das längste berichtete Zeitintervall zwischen Impfung und Symptombeginn war in den bisher 59 gemeldeten Fällen in Deutschland 17 Tage. Die sehr seltenen Fälle von Hirnvenenthrombosen wurden ausschließlich nach der ersten Impfung an das Paul-Ehrlich-Institut berichtet – sie traten also noch vor der zweiten Impfdosis auf.

Hirnvenen-Thrombose nach AstraZeneca-Impfung: Inzwischen 59 Fälle bekannt

In zwölf der Fälle einer Sinus- und Hirnvenen-Thrombosen verstarben die Patienten – laut des Instituts waren es sechs Frauen und sechs Männern. In 31 der SVT-Fälle mit bekanntem Zeitintervall wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. Eine Thrombozytopenie bedeutet, dass die Zahl der Thrombozyten zu niedrig ist. Thrombozyten sind Bluttplättchen, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Bei der Unterschreitung einer gewissen Zahl an Thrombozyten treten vermehrt Blutungen auf. Das kann von minimalen Hauteinblutungen über Nasenbluten bis hin zu gefährlichen Organblutungen reichen.

In Deutschland haben inzwischen bereits 17.932.380 Personen eine erste Impfdosis erhalten (Stand: 22. April). Davon wurden bis einschließlich 15. April nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) insgesamt mehr als 4,2 Millionen Erstdosen AstraZeneca verabreicht. Das Risiko, nach einer AstraZeneca-Impfung eine Hirnvenen-Thrombose zu bekommen, liegt demnach unter 0,0014 Prozent.

Hirnvenen-Thrombose nach AstraZeneca-Impfung: Ursache bekannt

Inzwischen ist die mögliche Ursache für das Auftreten von Hirnvenen-Thrombosen bekannt: Wie der NDR berichtet, löst das Vakzin von AstraZeneca bei einigen Menschen einen Abwehrmechanismus aus. Bei der Untersuchung von Proben betroffener Patienten stellten die Experten der Universitätsmedizin Greifswald fest, dass der Corona-Impfstoff die Blutplättchen, also Thrombozyten, aktiviert.

Bei einigen Menschen kommt es durch die Aktivierung der Blutplättchen in Folge einer Impfung mit AstraZeneca zur Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn. Die Forscher haben diesen Mechanismus sogar so klar identifizieren können, dass sie auch eine gezielte Behandlungsmöglichkeit entwickeln konnten. Für betroffene Menschen gibt es nun einen gezielten Wirkstoff, der bei einer auftretenden Thrombose verabreicht werden kann.

Jeder, bei dem Symptome einer Sinus- und Hirnvenen-Thrombose auftreten, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Symptome dafür sind: heftige anhaltende Kopfschmerzen, zunehmendes Unwohlsein mit Übelkeit und Erbrechen, punktförmige Hauteinblutungen, epileptische Anfälle oder Krampfanfälle, neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen und allgemein Sinnesstörungen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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