Viel Zuspruch auf Facebook

"Ekelhafte Neger": Modefirma antwortet öffentlich auf rassistische Mail

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Ein Werbefoto von Armedangels: Das Fair-Trade-Unternehmen aus Köln setzt Models verschiedener Ethnien ein. Rassismus wird scharf von der Firma verurteilt: "Dieses Thema geht uns alle an und es ist an uns, für unsere Werte einzustehen."

Köln. Ein Kölner Mode-Label erhält eine rassistische Mail, die für Kopfschütteln sorgt. Noch ungewöhnlicher ist die öffentlichkeitswirksame Reaktion des Unternehmens.

Aktualisiert am 12. September 2018 um 8.44 Uhr - Armedangels ist ein Modelabel mit Sitz in Köln (NRW), das jetzt mit einem Post auf Facebook ganz klar Stellung zum Thema Rassismus bezogen hat. Ursprung der Geschichte war der Erhalt einer E-Mail. Darin fragt jemand unter anderem: "Sie sind ganz offensichtlich ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Köln. Warum werben Sie auf Ihrer Website dann bitte mit ekelhaften Negern?" Die betreffende Mail stellte das Unternehmen am 7. September 2018 als Screenshot auf seine Facebookseite. 

Aus der Nachricht wird für den User nicht ersichtlich, von wem die Mail stammt. Deswegen ist auch unklar, ob es sich bei dem Verfasser um eine Frau oder einen Mann handelt. Der Autor schließt den kurzen Brief mit dem Hinweis ab, dass man "auf dieses Gesindel verzichten" könne. Adressiert sind die Zeilen, die ganz offensichtlich einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben, an Martin Höfeler. Er ist der Gründer der Fair-Trade-Marke, die Models verschiedenster Ethnien für Kampagnen einsetzt. 

Antwort von Armedangels via Facebook

Die Antwort bekam der Mail-Schreiber vor Publikum - und zwar direkt auf Facebook. Die Modefirma lässt keinen Zweifel aufkommen: Solche Nachrichten sind mehr als unerwünscht. "Die Antwort auf die rassistische Mail haben wir im Team verfasst - gemeinsam mit dem Gründer, mit unseren Praktikantinnen und den Kollegen. Durch unsere Überzeugung ist so eine Antwort schnell und kompromisslos formuliert", heißt es gegenüber unserer Zeitung.

Kunden, die eine solch fremdenfeindliche Gesinnung haben, sind nicht tragbar für das Unternehmen: "Wir können sehr gut auf Kunden wie Sie verzichten. Dementsprechend werden wir, falls Sie ein Kundenkonto bei uns haben, dieses umgehend löschen." Der Einstieg der Antwort fällt ziemlich harsch aus. "Hallo Frau/Herr ..., Sie sind ganz offensichtlich...: ein Arschloch." Zuvor werden die Facebook-Fans noch gewarnt: "Achtung! Das Bild enthält textliche Inhalte, die beunruhigend und diskriminierend sind." Am Ende wurden der Antwort noch die Hashtags #lautgegenrechts #gegenrassismus angefügt.

Bei Armedangels gibt es eine Frau, die sich ausschließlich um die Kommunikation in den sozialen Netzwerken kümmert.

Reaktionen der User auf Facebook

Die Reaktionen der meisten User auf Facebook sind positiv. Sie unterstützen das Label sogar wegen der Aktion. "Gratulation - ihr habt mich als neuen Kunden", schreibt beispielsweise Arcanis D. unter dem Post. Andrea A. schreibt: "Danke für Eure Antwort". Auch Konstanze S. ist überzeugt von der Richtigkeit der Antwort: "Ekelhafter Mensch! Tolle Reaktion von euch." Auch Josef M. findet klare Worte: "Es sollten viel mehr Firmen, Geschäfte und Unternehmen an solchen Individuen ihr Hausrecht nutzen." 

Es gibt auch vereinzelt User, die hinter dem Facebook-Post eine PR-Aktion vermuten. Petra W. beklagt zum Beispiel: "schön und gut... noch besser,wenn man es hier nicht gepostet hätte."

In den Kommentaren findet sich dann auch eine Erklärung für die Vorgehensweise der Firma. Armedangels schreibt: "Wir haben auf unseren Social-Media-Kanälen eine hohe Reichweite und diese wollen wir auch nutzen, um mehr Awareness für dieses Thema zu schaffen. Wir wollen nicht Stillschweigen - und solchen Hass umkommentiert lassen. Es ist wichtig, dass wir offen darüber reden können."

Konsequenzen für Schreiber der Mail

Userin Angelika H. fragte in ihrem Kommentar, ob die Person bereits angezeigt worden sei. Armedangels antwortete: "Wir prüfen gerade, was wir hier neben der Schließung der Konten (…da es nicht die einzige rassistische E-Mail war), noch für weitere Schritte einleiten können/werden." Am Dienstagabend hat unsere Zeitung die offizielle Antwort von Armedangels auf das juristische Nachspiel bekommen: "Wir haben keine Anzeige erstattet." 

Das Unternehmen findet es  grundsätzlich wichtiger, Position zum Thema Rassismus zu beziehen. "Wir haben gemerkt, dass wir kein Einzelfall sind, sondern die Ereignisse sich häufen. Wir haben uns schlussendlich entschieden mit einer dieser E-Mails an die Öffentlichkeit zu gehen. Es geht uns darum zu zeigen, dass Diskriminierung und Rassismus auch heute jeden Tag präsent und noch lange nicht überwunden sind. Wir wollten den Verfassern solcher Mails und Gleichgesinnten aufzeigen, dass Armedangels mit all seinen Mitarbeitern diese Einstellung aufs Schärfste kritisiert", lässt das Unternehmen mitteilen.

Es gibt laut der Modefirma auch Kritik im Zusammenhang mit dem Fall: Immer wieder seien Menschen dabei, die die Art der Kommunikation nicht befürworten. Konstruktives Feedback sei grundsätzlich gern gesehen. Armedangels: "Für uns ist es allerdings nicht mehr in Ordnung, wenn es unsere Werte angreift."

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