Toilettengang auf der ISS

Wie geht Astronaut Alexander Gerst jetzt aufs Klo?

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Bitte nicht stören: So sieht eine Weltraumtoilette aus. Dieses Modell stammt von der russischen Firma Zvezda. Hinweis: Wenn Sie auf das dunkle Kästchen in der rechten oberen Ecke des Bildes klicken, sehen Sie das komplette Foto von der Toilettenanlage.

Alexander Gerst wird auf der ISS erwartet. Doch so faszinierend der Weltraum ist - irgendwann muss auch der beste Astronaut aufs Klo. Doch wie verrichtet man seine Notdurft in der Schwerelosigkeit?

Der Toilettenbesuch ist etwas, über das sich viele von uns auf der Erde eher selten Gedanken machen. Zumal er den Regeln der Schwerkraft folgt: Was rauskommt, plumpst oder fließt im Normalfall einfach herunter und wird dann dank Spülung problemlos der Entsorgung zugeführt. 

Kot und Urin schweben umher 

Doch in der Schwerelosigkeit auf der Raumstation ISS sieht das anders aus. Man stelle sich vor, Astronauten wie Alexander Gerst würden den Toilettengang so bestreiten, wie sie es auf der Erde gewohnt sind. Einfach hinsetzen und laufen lassen. Das würde vermutlich gehörig schief gehen. Denn Flüssigkeiten wie Wasser - und entsprechend auch Urin - fangen an, ziemlich unkontrolliert durch den Raum zu schweben. Auch Kot würde in Stücken durch die Luft wirbeln. Nicht auszudenken, welche unappetitlichen Ausmaße es annimmt, wenn sich dann noch eine Durchfallerkrankung einschleicht. 

Am Ende würden die Fäkalien dann auch irgendwo an den Wänden und den Gerätschaften kleben - der Gestank sei nur nebenbei erwähnt. Solch ein Szenario ist am Ende nicht nur ziemlich unappetitlich, sondern auch unhygienisch.

Wird in den nächsten Monaten auf eine Toiletten-Spülung verzichten: Astronaut Alexander Gerst wird auf der ISS leben und arbeiten. Dort hilft ihm Unterdruck beim Verrichten seiner Notdurft.

Doch es gibt Mittel und Wege, wie Geophysiker Alexander Gerst sein Geschäft verrichten kann, ohne dass die komplette Raumstation geputzt und desinfiziert werden muss. Auf der Raumstation selbst gibt es ein Klo, das optisch sogar den Exemplaren auf der Erde recht ähnlich sieht. Astronauten bekommen in einem Toiletten-Kurs vorab sogar eine Einweisung für die Benutzung. 

Unterdruck transportiert Exkremente ab

Das Loch, in das man beim Toilettengang als Astronaut treffen muss, ist etwa nur so groß wie eine Faust und befindet sich in einem Sitz. Deswegen muss man als Benutzer vorher genau wissen, wie man sich hinsetzt, um zu treffen. Wäre das Loch deutlich größer, ginge wohl jede Menge daneben. Das Geheimnis ist übrigens keine Wasserspülung wie bei uns auf der Erde: Unterdruck sorgt dafür, dass alle Exkremente abgesaugt werden.

Für Urin gibt es einen Schlauch mit einer Art Trichter. Der Urin wird nicht einfach ins Weltall abgelassen. An Bord der ISS gibt es eine Aufbereitungsanlage, die den menschlichen Urin dazu benutzt, daraus Trinkwasser herzustellen. Pipi wird im Weltall also recycelt. 

Wie der Klobesuch auf der ISS genau aussieht, zeigte die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti in diesem Youtube-Video erstmals im Jahr 2015.

Windeln für Astronauten

Doch wie funktioniert das, wenn die Astronauten beim Start in der Rakete sind? Da können sie ja nicht einfach aufstehen und austreten. Die Lösung sind - bisher noch - Windeln. Die Windeln werden auch bei Außeneinsätzen im Weltraum getragen. Doch bergen sie auch negative Aspekte. Die Windeln müssen schnell gewechselt werden - man kann sie maximal einen Tag lang tragen. Nur so lässt sich verhindern, dass der Träger Ausschläge bekommt. Zudem sind die Windeln eher unangenehm, wenn nicht nur Urin, sondern auch Kot abgesondert wird.

Eigens um dieses Problem zu lösen, rief die Nasa Ende 2016 einen Wettbewerb ins Leben: Die Space Poop Challange. Gesucht wurden Erfinder, die ein System konzipieren, mit dem Astronauten bis zu sechs Tage lang keine Weltraumtoilette aufsuchen müssen. 30.000 Dollar betrug die Belohnung. Einer der drei Gewinner heißt Thatcher Cardon und arbeitet als Arzt bei der US Air Force. Er erfand ein Ventil für den Schritt des Raumanzuges, über das Exkremente abgesaugt werden können. Noch handelt es sich um einen Prototypen. Wann er tatsächlich serienmäßig zum Einsatz kommt, ist nicht bekannt.

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