„Auf dem Mumien-Schlepper“: Christoph Maria Herbst über den TV-Klassiker

Das „Traumschiff“ ist der VW Käfer unter den Fernsehserien: Es läuft und läuft und läuft, am 22. November schon seit 30 Jahren. Das Jubiläum feiert das ZDF bereits an diesem Sonntag, 20.15 Uhr, mit der 65. Folge. Wir sprachen über den Klassiker mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst (45, „Stromberg“), der im Januar 2010 auf dem „Traumschiff“ engagiert war und darüber ein Buch geschrieben hat.

Herr Herbst, drei Wochen waren Sie mit dem Traumschiff unterwegs. War es auf dem „Mumien-Schlepper“, wie Sie die „MS Deutschland“ nennen, wirklich so schlimm?

Christoph Maria Herbst: Ja, aber nicht nur. Ich habe meine Erfahrungen etwas übertrieben. Das Buch ist keine Reportage, sondern eine Art Roman. Deshalb tauchen Schauspieler auf, die es gar nicht gibt - sie entstammen meinem kranken Autorenhirn.

Wenn das „Traumschiff“ so schlecht ist: Wieso ist es dann so erfolgreich?

Herbst: Weil es seit 30 Jahren vor uns her tuckert. Am Jahresende gehört es zur Familie wie die „Tagesschau“. Die Reihe liefert wunderschöne Bilder, von denen viele aus Kostengründen aus alten Folgen hineingeschnitten werden. Zudem wird mit unerfüllbaren Träumen gespielt. Die allermeisten der zehn Millionen Zuschauer werden sich solch eine Reise niemals leisten können. Das „Traumschiff“ bietet so die Möglichkeit, sich der eigenen Wirklichkeit zu entziehen.

Als Ihr Buch auf den Markt kam, gab es eine einstweilige Verfügung. Nun gehen Sie auf Lesetour. Tragen Sie dann auch die geschwärzten Stellen vor?

Herbst: Selbstverständlich. Während das Buch bis heute ausschließlich zensiert auf dem Markt ist, gibt es das Hörbuch nur ungepiepst. Dort kann man sich die geschwärzten Stellen vorlesen lassen. Die „Traumschiff“-Folge mit mir habe ich übrigens nicht gesehen. Ich war im Urlaub.

Sie könnten sich die Episode nachträglich anschauen.

Herbst: Stimmt. Ich gehöre nicht zu jenen, die sagen: „Uaaah, ich kann mich selbst nicht sehen.“ Aber in diesem Fall muss ich sagen: „Uaaaaah, ich kann mich selbst nicht sehen.“

Das klingt so böse wie Ihre Erfolgsfigur „Stromberg“. Wie oft werden Sie auf der Straße angepöbelt, weil man Sie für den fiesen Chef hält?

Herbst: Gar nicht mehr. Nach der ersten Staffel wurden mir noch ganz oft Prügel angedroht, was für einen Schauspieler ein tolles Lob ist. Mir ging es wie Klausjürgen Wussow, der für alle der Arzt aus der „Schwarzwaldklinik“ war und den die Leute in der Fußgängerzone fragten: „Ich habe so ein Stechen in der Leistengegend. Können Sie mal danach schauen?“ Mittlerweile hat auch der Letzte begriffen, dass die Serie keine Doku ist und ich Schauspieler bin. Trotzdem bekommt jeder, der sagt, Stromberg sei ein Arschloch, es mit mir zu tun.

Aber er ist doch eins.

Herbst: Ja, aber ein nettes. Er will vieles gut machen und stellt sich dann selbst ein Bein.

Nächsten Dienstag startet die fünfte Staffel. Wie lang wird es „Stromberg“ noch geben?

Herbst: Bis an mein Lebensende. Das ist wie beim „Traumschiff“: Dort müssen auch erst alle wegsterben, bevor das Schiff nicht mehr ausläuft. So eine Serie wirft man nicht einfach über Bord.

Christoph Maria Herbst liest „Ein Traum von einem Schiff“: 14.11., 19.30 Uhr, Stadthalle Göttingen. Karten: 0561/203-204.

Die neue „Stromberg“-Staffel startet am Dienstag, 22.10 Uhr, auf Pro 7.

Von Matthias Lohr

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