Augengrippe: Betroffene sollen zu Hause bleiben

Bonn/Göttingen. Seit einigen Tagen geht insbesondere in Bonn die Augengrippe um. Ein Göttinger Mediziner gibt Entwarnung für die Region. Er rät aber auch dazu, dass Erkrankte zu Hause bleiben sollen.

Die Augen jucken, sind gerötet und viele klagen über Schmerzen und Lichtempfindlichkeit: Die Augengrippe kann im Prinzip jeden erwischen. Es handelt sich dabei um eine Entzündung, die von Viren ausgelöst wird und Binde- und Hornhaut des Auges betrifft. Die Erkrankung gilt als hochgradig ansteckend, ist aber nicht gefährlich. Besonders schlimm ist die Lage derzeit in diversen Stadtteilen der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn.

Welche Anzahl von Menschen bisher betroffen sind, ist nicht klar. Laut einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers waren dem Gesundheitsamt der Stadt Bonn rund 100 Fälle bekannt. Zwar müssen Ärzte und Krankenhäuser die Krankheit melden - allerdings nur, wenn die durch einen Labortest nachgewiesen wurde. Meist wird in der Praxis aber darauf verzichtet, weil die Symptome für Spezialisten relativ eindeutig sind. Dementsprechend gibt es auch bei den Gesundheitsämtern in Nordrhein-Westfalen momentan keine gesicherten Zahlen zu Patienten. Subjektiv fällt aber - laut lokaler Medien - den meisten Augenärzten in Bonn ein Anstieg von Patienten mit den entsprechenden Symptomen auf. Einige Mediziner sprechen sogar von einer epidemischen Ausbreitung.

Entwarnung für die Region

Insbesondere in Südniedersachsen gibt es aktuell Entwarnung. Prof. Dr. Hans Hoerauf ist Direktor an der Klinik für Augenheilkunde, die zur Universitätsmedizin Göttingen gehört. Er meldete sich bei uns und bestätigte, dass es "bislang keine außergewöhnlichen Fälle" an der Uniklinik gab. Er erklärt: "Kleinere 'Epidemien' sind nicht selten und treten immer mal auf. Nichts wirklich Aufregendes. Das gibt es seit Jahrzehnten jedes Jahr. Es kann teilweise (aber selten) mal zur Schließung von Augenstationen führen." Es gibt aus seiner Sicht also keinen Grund zur Panik.

Hoerauf betont allerdings, dass auch potentiell Betroffene zu Hause bleiben und "auf keinen Fall Nichtaugenärzte (können die Diagnose kaum stellen) und Augenkliniken - es besteht die Gefahr der Ansteckung schwer Augenkranker - aufsuchen sollen." Einen Augenarzt sollte man möglichst nur zur Stellung der Diagnose aufsuchen, da die Ansteckungsgefahr schlichtweg sehr hoch ist. Natürlich sollte der Augenheilkundler erneut aufgesucht werden, falls sich der Zustand des Patienten verschlechtert.

Auch in Nordhessen waren Anfang der Woche noch keine Häufungen bekannt. Marieluise Labrie, Krankenhausdirektorin des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel sagte: „Bei uns ist bisher kein Fall bekannt.“

HINTERGRUND: HEILUNG UND HYGIENE

Im Regelfall ist die Augengrippe, die von Adenoviren ausgelöst wird, in zwei bis drei Wochen komplett ausgestanden. Nur in seltenen Fällen kann es durch die Infektion zu Einschränkungen der Sehfähigkeit kommen. Um sich gar nicht erst anzustecken, ist Hygiene wichtig: Regelmäßiges Händewaschen, Tropfflaschen und Augensalben dürfen nur von einem Patienten benutzt werden, Erkrankte sollten Handtücher nur separat verwenden und nicht mit anderen Teilen. Auch sollte man darauf verzichten, anderen die Hand zu schütteln. Antibiotika helfen nicht gegen das Virus. Viele Mediziner verschreiben aber Tropfen und Salben zur Linderung. Die Inkubationszeit liegt bei fünf bis zwölf Tagen.

Rubriklistenbild: © dpa

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