Mann verirrte sich im Outback

Vier Tage unter sengender Sonne: Regen rettete Australier das Leben

Sydney. Ein zu dieser Jahreszeit ungewöhnlicher Regenschauer hat einen Australier im „Outback“ vor dem Verdursten gerettet. Der Mann hatte eine Autopanne und war vier Tage verschollen. Ein vorweihnachtlicher Regen ließ ihn überleben.

Es grenzt an ein Weihnachtswunder: Vier Tage war ein über 50-jähriger Australier im brütend heißen Outback des fünften Kontinents herumgeirrt, als Rettungskräfte den Mann am späten Sonntagnachmittag doch noch fanden. Er war stark dehydriert und verwirrt, aber am Leben. Ein unerwarteter Regenschauer hat ihm allem Anschein nach das Leben gerettet.

„Er hatte extremes Glück, da es in der Richtung vor etwa einer Woche ein wenig geregnet hat und das hat ihn über die letzten paar Tage am Leben gehalten“, sagte der lokale Polizeiinspektor Steve Kersley dem australischen Sender ABC. „Wenn er kein Wasser zu trinken gehabt hätte, wäre er allein wegen der hohen Temperaturen gestorben.“ Das Quecksilber war in der vergangenen Woche auf knapp unter 40 Grad geklettert.

Eigentlich hatte der Mann Bohrlöcher auf seiner Farm in der Nähe von Quilpie, einer kleinen Outback-Gemeinde 950 Kilometer westlich von Brisbane, überprüfen wollen, als er mit seinem Auto stecken blieb. Entgegen der allgemeinen Empfehlungen hatte er das Fahrzeug verlassen und war selbst los marschiert, um Hilfe zu holen. Das Outback ist das weite, fast menschenleere Landesinnere Australiens fern der Zivilisation, in denen nur wenig Wasser an wenigen Stellen zu finden ist. Im Südsommer regnet es dort so gut wie nie.

Austrocknen in wenigen Stunden

Eigentlich ein Todesurteil: Denn bei Temperaturen über die 30 oder sogar 40 Grad im australischen Sommer dehydriert der menschliche Körper in rasanter Geschwindigkeit. Dadurch wird nicht nur der Körper selbst geschwächt, auch das Gehirn ist nicht mehr unbedingt zu rationalen Entscheidungen fähig – was das Überleben im menschenfeindlichen Outback noch unwahrscheinlicher macht.

Outback-Überlebensexperten empfehlen deswegen, bei einem Notfall nie das Auto zu verlassen und lieber abzuwarten, bis Hilfe kommt. Auch in diesem Fall war das Auto des verschollenen Mannes bereits am Samstag gefunden worden, während die Rettungskräfte ihn selbst erst am späten Sonntagnachmittag in einer recht einsamen Region entdeckten. Flugzeuge und Helikopter hatten den Mann tagelang aus der Luft gesucht, während Polizeibeamte und freiwillige Helfer den Busch zu Fuß durchkämmt hatten.

Augenspülung und Urin

Bereits im Februar dieses Jahres hatte ein britischer Tourist ähnliches Glück im Unglück gehabt, als er beim Joggen im australischen Outback verloren gegangen war. Als eine Rettungscrew ihn nach drei Tagen schließlich fand, war der 18-jährige Sam Woodhead 15 Kilo leichter, sonnenverbrannt und dehydriert. Er hatte nur überlebt, da er Kontaktlinsenflüssigkeit und seinen eigenen Urin getrunken hatte.

Weniger Glück hatte im November 2012 jedoch ein 25-jähriger Südafrikaner. Mauritz Pieterse starb weniger als zwölf Stunden, nachdem er im Outback mit seinem Auto in der Simpson Wüste stecken geblieben und ebenfalls losmarschiert war, um Hilfe zu holen. Auch im Oktober 2008 konnte ein 53-jähriger Ornithologe und Fotograf nur noch tot in einer einsamen Region der Kimberleys in Westaustralien gefunden werden. Mindestens eine Woche war der Mann wohl orientierungslos durch die Wildnis gelaufen und schließlich qualvoll verdurstet. Neben seinem leblosen, dehydrierten Körper fand man das Wort „HELP“ in den Boden geritzt.  (yeu)

Rubriklistenbild: © dpa

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