Baby in Kühltruhe: Mutter im Visier

Flensburg - Die Todesursache des vor wenigen Tagen in Schleswig-Holstein gefundenen Säuglings bleibt weiter unklar. Im Visier der Ermittler ist die 49 Jahre alte Mutter. Sie hat eine traurige Begründung.

Die rechtsmedizinische Untersuchung in Kiel habe ergeben, dass es sich um ein „voll ausgetragenes“ Baby gehandelt habe, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag in Flensburg mit. Der Säugling habe bei der Geburt gelebt. Äußere Gewalteinwirkung sei nicht festgestellt worden, hieß es. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen die Mutter des Kindes ein Verfahren wegen des Verdachts des Totschlags ein.

Der Leichnam des Babys wurde den Angaben zufolge am vergangenen Freitagabend in der Tiefkühltruhe eines Wohnhauses in Schleswig-Holstein gefunden. Der Eigentümer des Wohnhauses hatte „nach mehreren Jahren“ die Tiefkühltruhe abtauen und ausräumen wollen. Dabei sei er auf das tote Kind gestoßen, sagten die Ermittler.

Während die genaue Todesursache bei der rechtsmedizinischen Untersuchung zunächst nicht geklärt wurde, richten sich die Ermittlungen gegen die 49-jährige Mutter des Säuglings. Die frühere Ehefrau des Hausbesitzers habe zugegeben, dass es sich um ihr Kind gehandelt habe. Es solle bereits vor vielen Jahren geboren worden sein. Wie das Kind genau in die Tiefkühltruhe kam, blieb ebenso zunächst ungeklärt.

Zustand der völligen Erschöpfung und Aussichtslosigkeit

Die Beschuldigte gab ferner an, sich zum Zeitpunkt der Geburt in einem Zustand der völligen Erschöpfung und Aussichtslosigkeit befunden zu haben. Sie habe das Kind nicht haben wollen und nicht gewusst, an wen sie sich hätte wenden können, teilten die Ermittler mit. Das Ehepaar hat noch drei weitere, inzwischen erwachsene Kinder. 2009 trennte sich das Paar, die Kinder blieben beim Vater.

In den vergangenen Jahren wurden mehrfach tote Kinder in Norddeutschland gefunden. So waren etwa Ende Juni in einem Haus im niedersächsischen Ostertimke die Leichen zweier Babys entdeckt worden. Die 43-jährige tatverdächtige Mutter gab an, die Kinder geboren und dann nicht versorgt zu haben. In Schleswig-Holstein waren 2006 und 2007 in Ahrenshöft und Silberstedt tote Neugeborene gefunden worden. Derzeit gebe es keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang der Funde im nördlichsten Bundesland, sagten die Ermittler am Dienstag in Flensburg.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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