Babyleiche in Potsdam gefunden

Potsdam - In Potsdam ist am Freitag eine Babyleiche gefunden geworden. Das tote Neugeborene war in ein Handtuch gewickelt. Es soll noch nicht lange an der Fundstelle gelegen haben.

“Grausam, unbarmherzig, einfach furchtbar“ - ein grauhaariger älterer Mann wollte eigentlich seinen Wagen aus seiner Garage in einem Plattenbauviertel in Potsdam-West holen und letzte Besorgungen machen. Doch irgendetwas kommt ihm an dem grauen Freitagmorgen, einen Tag vor Heiligabend, merkwürdig vor.

An der Stirnseite seiner Garage, direkt an der Bahnstrecke Potsdam-Beelitz-Schönefeld, entdeckt er ein Handtuch. “Es war blutverschmiert“, sagt er. “Mir ist das Blut in den Adern gefroren, als ich mir das genauer angesehen habe: In dem großen Handtuch war ein kleiner Mensch, ein Baby, tot.“ Mit zitternden Händen habe er per Handy die Polizei alarmiert.

Die Anwohner der Kantstraße in Potsdam-West bekommen von dem Fund der Babyleiche zunächst wenig mit. Irritiert, warum die Polizei den Garagenkomplex absperrt, erfährt eine Frau, dass am Fuße des Bahndamms ein totes Neugeborenes gefunden wurde. “Oh mein Gott!“, ruft sie und lässt ihre Einkaufstüte fallen. “Das kann keiner von hier gewesen sein.“

Anwohnerin Cindy Wolfram glaubt, dass jemand sich ganz bewusst die Kantstraße für die Ablage der Leiche ausgesucht haben muss. “Unsere Straße ist eine Sackgasse. Der Bahndamm ist abgelegen. Da kommt eigentlich keiner so schnell hin“, erklärt Wolfram. Vielleicht habe auch jemand die Babyleiche aus einem Zug geworfen.

“Auch das können wir zur Zeit nicht ausschließen“, sagt Polizeisprecherin Katrin Laurisch, die die Potsdamer Mordkommission an den Fundort begleitet hat. Chef der Kriminalisten vor Ort ist Carsten Teichert. Er schaut sich den Fundort und das Umfeld an, spricht mit Zeugen. Zusätzlich ordert er Hunde, die eine Spur zur Mutter, dem oder den möglichen Tätern aufnehmen sollen.

Wenig später legen die Vierbeiner jaulend los. Sie schnüffeln hier, schnuppern da. Eine wirkliche Spur scheinen sie aber nicht zu finden. “Ob das Kind noch gelebt hat, als es abgelegt wurde oder bereits tot zur Welt kam, wissen wir derzeit nicht“, sagt Polizeisprecherin Laurisch. Ob ein Tötungsverbrechen vorliege, könne auch erst nach der Obduktion gesagt werden. Anschließend fährt ein Bestatter vor, holt die Babyleiche ab.

“Das macht mich wütend“, sagt ein Anwohner. Niemand habe das Recht so mit Leben umzugehen. “Wenn so ein Würmchen nicht gewollt ist, kann man es in eine Babyklappe legen“, sagt er und zeigt in Richtung Park Sanssouci. Da sei das Sankt-Josefs-Krankenhaus. “Da ist Brandenburgs erste Babyklappe.“

dpa

Rubriklistenbild: © ap

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