Bußgeld bis zu 400 Euro

Ballermann: Balearen wollen Exzesse stoppen

Madrid. Der Tourismus-Minister der Balearen, Jaime Martínez, will die Auswüchse im Fremdenverkehr auf den Inseln bekämpfen. Anlass sind die Sauf- und Sex-Orgien im überwiegend von Briten besuchten Magaluf auf Mallorca.

Brav und gesittet geht es zu am berüchtigten „Ballermann“ auf Mallorca. Jedenfalls wenn man das öffentliche Wirkungstrinkens und andere laute und störende Verhaltensweisen rund um den seit Jahrzehnten fest in deutscher Hand befindlichen Strandabschnitt von Palma de Mallorca mit Magaluf vergleicht. Der Ort im Westen der Inselhauptstadt ist Magnet für britische Touristen.

Sex-Video macht Inselregierung mobil 

Was sich dort allerdings in manchen Bars abspielt, treibt Jaime Martínez nicht nur die Schamröte ins Gesicht. Der Tourismusminister der Balearen hat mit einer auf den Sonneninseln im Mittelmeer völlig ungewöhnlichen Hektik reagiert, als Videos von Sex-Orgien in Magaluf im Internet bekannt wurden.

„Was zu unserem Tourismusmodell nicht passt“ lautet das neue Kriterium, mit dem die neugegründete Arbeitsgruppe der Inselregierung gegen die Exzesse im „britischen“ Magaluf aber auch anderswo auf Mallorca, Ibiza und Menorca vorgehen soll. Ganz sicher passt nicht nur nach Meinung von Martínez die Art der „Wettbewerbe“, die in manchen Magaluf-Kneipen allabendlich ausgetragen werden. Das Video von einer jungen Touristin aus Irland macht nicht nur im Internet die runde, sondern rief auch Martínez auf den Plan. Die junge Frau hatte 24-mal hintereinander Oralsex mit männlichen Barbesuchern und wurde dafür mit dem Hauptpreis belohnt: Gratistrinken bis zum Umfallen.

Kneipenkriechen in Magaluf 

Übermäßiger Alkoholgenuss auf Mallorca ist eben keine deutsche Domäne. Während die Deutschen von Palma bis Arenal den Bierhahn aufdrehen, zieht es die Briten nach Magaluf. Dort greift dort das „Pub crawling“ um sich. „Dabei ziehen größere Gruppen von Touristen unter der Führung eines Guides durch die Bars und Kneipen der Ausgehmeile Punta Ballena – "crawling" (kriechen) bezieht sich dabei auf den Zustand, in dem sich die meisten Teilnehmer am Ende der Kneipentour befinden”, beschreibt die “Mallorca-Zeitung” das Phänomen. Das Schlimme und am Erbrochenen sichtbar: Nach der Tour werden die Bezechten sich selber überlassen.

Gegen all das will der Inselminister jetzt vorgehen. In den vergangenen beiden Jahren hätten die Aufsichtsbehörden Magaluf so gut wie gar nicht kontrolliert, schreibt die Zeitung „Diario de Mallorca“. Das soll jetzt anders werden. Seit Bekanntwerden der Sex-Exzesse in dem Touristenort – tagsüber ein eher beschauliches hübsches Plätzchen – habe es schon 22 Kontrollen und Sanktionen gegeben, versichert Martínez. Er will auch gegen andere „Fiestas“ im Übermaß vorgehen, etwa die „Partyboats“ in den Häfen, wo sich ähnliches abspielt wie in manchen Kneipen von Magaluf.

Palma greift durch 

Magaluf gehört zur Gemeinde Calvía. In Palma hat die Stadtverwaltung schon gegen Übertreibungen ausgelassener Urlauber durchgegriffen. Denn an der Playa de Palma soll es gesittet zugehen, oder zumindest anständig. Die Stadtverordneten billigten die neue „Ordenanza civica“ für zivilisiertes Verhalten in der Inselhauptstadt und an deren Stränden. Sie gilt seit Juni.

Als unzivilisiert und damit verboten gelten künftig das bei einer bestimmten Kategorie von „Malle-Urlaubern“ beliebte Eimersaufen am Meer, auf der Strandpromenade und überhaupt in der Öffentlichkeit. Mädchen im Bikini bleiben gern gesehen - aber nur am Strand. Allenfalls noch auf den direkt zum Strand führenden Straßen und auf der Uferpromenade. In der Stadt ist Badekleidung verboten. Wer dagegen verstößt, zahlt zwischen 50 und 200 Euro Bußgeld. Beim „Eimersaufen“ wird es noch teurer: 200 bis 400 Euro kostet der Spaß. Auf die Straße spucken, Zigarettenkippen wegwerfen oder die Notdurft öffentlich zu verrichten kostet mindestens 50, in schweren Fällen auch 200 Euro. Der Ballermann soll entschärft werden. Magaluf wartet noch darauf. (yeu)

Rubriklistenbild: © dpa

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