Bayerns Polizeipräsidien verbannen umstrittenen Kalender

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Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft: Einige Karikaturen darin sollen geschmacklos oder sogar latent rassistisch sein. Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hat seine Dienststellen angewiesen, den Kalender nicht mehr aufzuhängen, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit Berichte der "Nürnberger Nachrichten" und des Bayerischen Rundfunks.

München. In Bayern sorgt ein Wandkalender in den Polizeipräsidien mit Witzen über Ausländer, Alte oder das Thema Selbstmord für politischen Wirbel. Kritiker sehen darin Rassismus und Diskriminierung.

Inzwischen haben die meisten Polizeipräsidien nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa vom Mittwoch verfügt, den vom bayerischen Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft in einer Stückzahl von 3000 Exemplaren herausgebrachten Kalender nicht mehr aufzuhängen.

Besonders umstritten ist die März-Karikatur des Kalenders, die einen festgenommenen Farbigen mit überzeichneten dicken roten Lippen zeigt, der sich gegen den Griff eines Polizeibeamten wehrt. Er schreit in gebrochenem Deutsch: „Was heiß'' hie'' Ve''dunklungsgefah'' ....?!“

Alexander Bosch von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete dieses Bild als „ganz eindeutig rassistisch“. Bosch sagte, den Online-Ausgaben von „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“, der Polizeigewerkschaft in Bayern fehle es an Sensibilität, „wenn es um Rassismus und Alltagsdiskriminierung geht“.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy forderte die Gewerkschaft in der Zeitung auf, den Kalender zurückzuziehen und sich zu entschuldigen. Einen „gewissen Alltagsrassismus“ sahen auch die Landtags-Grünen. Die SPD-Landtagsfraktion forderte ein „Machtwort“ der Landesregierung und verlangte, den „menschenverachtenden Polizeikalender“ umgehend aus den Amtsstuben zu entfernen.

Der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft wies die Kritik zurück. Sein Vorsitzender Hermann Benker griff am Mittwoch seinerseits den Münchner Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer scharf an: „Wer einerseits sich mit Gaddafis Sohn zum Frühstück trifft, aber gleichzeitig über Polizeikarikaturen echauffiert, ist für mich nicht glaubwürdig“, sagte er dem Sender „Antenne Bayern“. Der Kalender sei nicht rassistisch und nicht diskriminierend. Es handele sich lediglich um „Polizistenjargon“. (dpa)

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