Pflanzen aus aller Welt

Immer mehr Blumen vom Discounter

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Essen. Gut drei Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für Schnittblumen aus. Durchschnittlich 37 Euro pro Jahr - Geld, das längst nicht mehr nur beim Floristen in der Kasse landet.

Denn Discounter, Super- und Baumärkte beteiligen sich immer mehr an dem blühenden Geschäft. Ihr Anteil am Schnittblumen-Umsatz sei inzwischen auf 40 Prozent gewachsen, sagt Franz Jäger vom Zentralverband Gartenbau. Der Discounter Aldi zähle bereits zu den größten deutschen Händlern von Schnittblumen.

Dabei ist die Billigblume nicht in jedem Fall schlechter als die Pflanze vom Floristen, stellte das Fernsehmagazin Wiso fest, das Tulpen von Aldi, Lidl, Penny, Norma und Netto unter die Lupe nahm. Die Bilanz fiel unterschiedlich aus: Zwei von sechs Sträußen hielten eine Woche durch, zwei brachten es auf sechs Tage, die anderen waren schon noch drei und vier Tagen ein Fall für den Kompost.

Inzwischen haben die Discounter das Angebot aufgerüstet. Statt der Monokultur in Zellophan - zehn Tulpen oder Nelken für knapp zwei Euro - gibt es auch fertig gebundene bunte Sträuße.

Die Handelsriesen,die große Mengen Blumen umschlagen, kalkulieren anders als der Florist im Fachgeschäft. Mancher Supermarkt hat nur einmal pro Woche frische Ware, die schnell vergriffen ist. Das aufwändige Pflegen unverkaufter Sträuße entfällt ebenso wie das individuelle Binden. Die Discounter selbst geben sich wortkarg: Man wolle sich zum Thema Schnittblumen nicht weiter äußern, heißt es etwa bei Lidl.

Etwa 80 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen werden importiert. Im Jahr 2011 waren es knapp 170.000 Tonnen, Wert: 841 Millionen Euro. Allein 153.000 Tonnen Blumen kamen aus den Niederlanden. Größte Lieferländer außerhalb der Europäischen Union sind Kenia, Ecuador und Kolumbien.

Diese Importblumen werden um die halbe Welt geflogen - umweltfreundlich ist das nicht. Doch das Kohlendioxid (CO2) aus dem Langstreckentransport setzt dem Klima unter Umständen weniger zu als ihre Aufzucht in energie-intensiven Gewächshäusern, hat eine Studie der Schweizer Umweltstiftung myclimate festgestellt. Ein gutes CO2-Gewissen können Verbraucher haben, die zu regionalen Freilandblumen greifen.

Doch die Blumen aus Entwicklungsländern sprießen oft unter Bedingungen, die Verbraucherschützer auf den Plan rufen. Sie kritisieren den hohen Einsatz von teils hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln. Die Menschenrechtsorganisation FIAN berichtet von Hungerlöhnen und Kinderarbeit. Inzwischen haben sich einige Verbrauchersiegel etabliert, die gewährleisten sollen, dass Blumen umweltverträglich erzeugt und fair gehandelt werden.

Von Barbara Will

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