Häme im Internet zu Tod von Polizisten: Verfasser erhält Bewährung

Dillenburg. Weil er einen getöteten Polizisten verhöhnt hat, ist ein 33-jähriger Mann am Mittwoch vom Amtsgericht in Dillenburg (Lahn-Dill-Kreis) zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden.

"Er hat das alles nicht überblickt und hatte ganz andere Ziele, als die Angehörigen zu treffen", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Zudem sei der in Mainz lebende Mann durch seine psychische Erkrankung in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt. Als Bewährungsauflage muss er 200 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Der Polizist war an Heiligabend 2015 bei einer Messerattacke in Herborn getötet worden. Einen Tag später schrieb der 33-Jährige auf einer Internetplattform unter der Überschrift "Solidarität mit dem Polizistenmörder" einen langen Kommentar, in dem es unter anderem hieß: "Und dann noch rumheulen, wenn man abgestochen wird" sowie "Wie dumm muss man eigentlich sein?"

Im Gerichtssaal sagte der Angeklagte, er habe damit niemanden beleidigen wollen. Er habe vielmehr mit seinen Zeilen den Staat und die Presse kritisieren wollen. "Ich wollte klarstellen, dass derjenige, der das getan hat, auch ein Mensch ist." Nach Einschätzung des Psychiaters hatte sich der Angeklagte als notorischer Schwarzfahrer mit dem Täter identifiziert. Dieser hatte sich an Heiligabend einer Fahrscheinkontrolle widersetzt, daraufhin war die Polizei gerufen worden. Der Täter, gegen den laut Auskunft des Staatsanwalts im Juni verhandelt werden soll, erstach den 46 Jahre alten Polizisten und verletzte dessen Kollegen schwer. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Mit seinem Urteil wegen Beleidigung sowie Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener blieb der Richter weit unter dem Antrag des Staatsanwalts, der eine 15-monatige Strafe ohne Bewährung gefordert hatte. Der Rechtsanwalt hatte auf eine milde Bewährungsstrafe plädiert. Den Prozess verfolgten rund 30 Polizisten und mehrere Angehörige des Toten als Zuschauer. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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