Gesetzentwurf

Belgien: Senat billigt Sterbehilfe für Kinder

Brüssel - Mit breiter Mehrheit hat der belgische Senat einen Gesetzentwurf gebilligt, der Sterbehilfe für Kinder ermöglicht. Nach einer Umfrage begrüßen die Belgier die Entscheidung.

50 Senatoren stimmten am späten Donnerstag im Oberhaus in Brüssel für die Vorlage, 17 votierten dagegen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Entscheidung.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass todkranke Minderjährige, die unter starken Schmerzen leiden und für die es keine Medikamente zur Linderung der Qualen gibt, nach Sterbehilfe verlangen können. Die Euthanasie muss von dem behandelnden Ärzteteam und den Eltern des minderjährigen Patienten gebilligt werden.

Der Entwurf muss nun dem Unterhaus zur Abstimmung vorgelegt werden. Seine Unterstützer hoffen auf eine Verabschiedung des Gesetzes vor der Parlamentswahl im Mai. "Wir wollen, dass das Gesetz vor der Auflösung des Parlaments verabschiedet wird", sagte etwa die sozialistische Abgeordnete Karine Lalieux.

Keine Altersbeschränkung - aber Patient muss die Tragweite erkennen

Sterbehilfe für Erwachsene ist in Belgien seit dem Jahr 2002 zulässig. In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit ab dem zwölften Lebensjahr. Das geplante belgische Gesetz sieht keine Altersbegrenzung vor. Es soll jedoch festgeschrieben sein, dass der junge Patient sich seiner Lage bewusst sein und verstehen muss, was Sterbehilfe bedeutet.

Es wird vermutet, dass in Belgien jährlich etwa zehn bis 15 Minderjährige von der Neuregelung Gebrauch machen könnten. Die Schätzung beruht auf Angaben von medizinischem Personal. Dieses berichtete über entsprechende Fälle von Sterbehilfe, die bislang bereits gesetzeswidrig geleistet wird.

Laut einer Umfrage befürworten drei Viertel der Belgier die geplante Neuregelung. Widerstand gibt es vor allem von Seiten religiöser Vertreter aus dem christlichen, jüdischen und muslimischen Umfeld. Im vergangenen Jahr wurde in Belgien in 1432 Fällen Sterbehilfe geleistet - ein Anstieg um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr.

Deutsche Stiftung Patientenschutz ist entsetzt

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz, die sich für schwerstkranke und sterbende Menschen einsetzt, kritisierte, die Senatsentscheidung sei "weder eine rühmenswerte Pionierleistung noch ein Akt der Humanität, sondern eine traurige Bankrotterklärung". Von den bei Einführung der Sterbehilfe erklärten "engen Grenzen" sei "nichts mehr übrig".

"Einen objektivierbaren Leidenskatalog, den Ärzte bei ihrer Entscheidung für oder gegen das Leben nur abzuhaken brauchen, kann es nicht geben", erklärte die Stiftung weiter. "Töten" sei "die Offenbarung einer fehlgesteuerten Politik, die den Menschen allein lässt und ihm erklärt, das sei Selbstbestimmung".

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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