Berliner Bandidos laufen zu Hells Angels über

Berlin - Seitenwechsel und Auflösungen im Rocker-Milieu: Bandidos laufen zu den eigentlich verfeindeten Hells Angels über, die lösen sich auf. Offenbar wollen die Rocker so einem möglichen Verbot entgehen.

Die Berliner Rockerszene ist in Aufruhr: Mehrere Untergruppen des Rockerclubs Bandidos haben sich aufgelöst und sind zu den verfeindeten Hells Angels übergetreten. Nach übereinstimmenden Medienberichten erklärte dann aber zeitnah die mächtige Hells-Angels-Ortsgruppe Berlin City ihr Ende. Laut „Spiegel Online“ soll dafür eine bevorstehende Verbotsverfügung der Berliner Senatsinnenverwaltung der Grund sein. Demnach stehe am Mittwochmorgen ein Großeinsatz der Polizei gegen die Rockerclubs bevor. Weder Verwaltung noch Polizei wollten sich aus „ermittlungstaktischen Gründen“ dazu äußern.

Die Polizei will nun nach entsprechenden Medienbericht prüfen, ob und wie solche Informationen möglicherweise nach außen gedrungen sein könnten. Sollten sich dazu Hinweise verdichten, werde intern wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen und der Strafvereitelung im Amt ermittelt. Es wäre kein Einzelfall: Erst im März begann der Prozess gegen einen Berliner Polizisten, der die Hells Angels vor geplanten Razzien gewarnt haben soll.

Zuletzt gab es in Norddeutschland großangelegte Polizeiaktionen gegen die Rocker. Rund 1200 Beamte durchsuchten in Kiel, Hannover und Hamburg Bordelle, Kneipen und Wohnungen.

Am Dienstag war zunächst bekanntgeworden, dass die Berliner Bandidos-Untergruppe Southside zu den Hells Angels nach Potsdam wechselte. Ermittlern zufolge wichen Rocker schon in der Vergangenheit nach Brandenburg aus. Auch die Bandidos-Abteilung South Central hat offenbar die Seiten getauscht; am Vereinsheim in Weißensee wurden die Club-Symbole gegen die der Hells Angels ersetzt.

Auch die Polizei hat entsprechende Hinweise von Überläufen. „Bei Kontrollmaßnahmen wurden Anhaltspunkte festgestellt, die auf Übertritte von einzelnen Rockerclubs schließen lassen“, sagte Sprecher Thomas Neuendorf. Es könne sich dabei um einen Schritt im Kampf um Einflussgebiete handeln.

Ermittler rechneten zunächst damit, dass sich die verbleibenden Bandidos an den Überläufern rächen könnten. Die Polizei wollte darum verstärkt Kontrollen im Rockermilieu vornehmen und Präsenz zeigen. Nach den übereinstimmenden Medieninformationen könnte sich nun aber ein anderes Bild zeigen: Möglicherweise wollten die Clubs damit einem drohenden Verbot entgehen.

Bandidos und Hells Angels gelten traditionell als verfeindet. Zuletzt hatten sich beide Clubs in der Hauptstadt immer wieder teils heftige Auseinandersetzungen geliefert.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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