Nach brutaler Attacke

Berliner Treppentreter muss sich für Gewalttat vor Gericht verantworten

Ab Donnerstag muss sich der Berliner Treppentreter wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Berliner Landgericht verantworten. Er hatte im Oktober 2016 eine Frau brutal die U-Bahn-Treppen hinunter gestürzt.

Berlin - Brutal tritt Svetoslav S. eine junge Frau die Treppe hinunter, beobachtet ihren schweren Sturz und wendet sich rauchend ab: Die Bilder einer Überwachungskamera aus dem Berliner U-Bahnhof Hermannstraße sorgen nicht nur bundesweit für Empörung - sie führen einige Wochen später auch zur Festnahmen des 28-Jährigen, der sich ab Donnerstag wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung vor dem Berliner Landgericht verantworten muss. Es ist kurz nach Mitternacht, die ersten Minuten des 27. Oktobers 2016, als die Bilder entstehen. Eine Frau im schwarzen Mantel geht die Treppen zum Gleis des Bahnhofs im Bezirk Neukölln hinab. Sie hat eine Kapuze über den Kopf gezogen und kann nicht sehen, dass ihr ein Mann folgt - S., der seinen Gang beschleunigt, um die Frau einzuholen. Der Mann mit schwarzer Schirmmütze und Lederjacke, die seine breiten Schultern betonen, raucht. Hastig nimmt er einen Zug, während er die Stufen hinab eilt. In seiner linken Hand balanciert er eine Bierflasche. Als er die Frau einholt, tritt er ihr knapp unterhalb der Schultern kräftig in den Rücken. Die damals 26-Jährige stürzt vorn über, reißt die Hände aus den Manteltaschen und schlägt am Boden des U-Bahnhofs auf. Beim Abfangversuch bricht sie sich einen Arm, am Kopf zieht sie sich eine Platzwunde zu. Der Inhalt ihrer Handtasche verteilt sich weit über die hellen Steinfliesen. Passanten eilen der Verletzten zur Hilfe - nicht aber ihr Angreifer, und auch nicht dessen Begleiter. S. ist an diesem Abend mit drei Männern unterwegs, darunter ein jüngerer Bruder. Auch die Männer, die S. folgen, sehen die Frau stürzen. Einer bleibt länger an der obersten Stufe stehen, beobachtet die Frau in ihrem Elend. Dann fällt sein Blick auf eine leere Pfandflasche in seiner Nähe, er schnappt sie sich und folgt der Gruppe zurück nach oben. Es sind die von der Polizei veröffentlichten Fahndungsbilder, die schnell zur Identifizierung des Angreifers führen. Menschen, die S. oder seinen Bruder erkennen, melden sich bei der Polizei. Der aus Bulgarien stammende Hauptverdächtige wird knapp acht Wochen nach der Tat an einem Busbahnhof festgenommen, als er aus Südfrankreich zurück nach Berlin kommt. Er war dort für einige Zeit untergetaucht. Die Bilder helfen nicht nur bei den Ermittlungen, sie verschaffen dem Fall überhaupt erst Aufmerksamkeit. In einer Zeit, in der Deutschland verstärkt über die allgemeine Sicherheitslage debattiert, schockieren die Aufnahmen des kaltblütigen Angriffs. Tatsächlich sind Polizei und Justiz in der Hauptstadt regelmäßig mit ähnlichen und noch schlimmeren Gewalttaten konfrontiert. S. steuert nun auf eine Freiheitsstrafe zu. Für gefährliche Körperverletzung drohen bis zu fünf Jahre Haft. S. werden zudem exhibitionistische Handlungen vorgeworfen: Er soll sich in zwei Fällen vor insgesamt drei Frauen auf offener Straße entblößt und masturbiert haben. Für das Verfahren sind bis Anfang Juli vier weitere Verhandlungstermine angesetzt.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / Paul Zinken/d

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