Brücken-Drama von Genua

Betreiber will neue Brücke in Genua in acht Monaten aus Stahl bauen

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Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua soll schnell eine neue Brücke gebaut werden.

Die Morandi-Brücke auf der A10 soll schnell ersetzt werden, wenn es nach dem Betreibern geht. Außerdem müssten keine Mautgebühren auf den Autobahnen in der Region Genua zahlen.

Genua - Mit der Morandi-Brücke hat Genua eine wichtige Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Außerdem gehörte sie zu einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Italiens. 

Nach dem folgenschweren Einsturz der Morandi-Brücke in Genua hat der Betreiber Autostrade per l'Italia 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Autobahnbrücke sowie für Hilfszahlungen an die Stadt Genua zugesagt. Beim Überschlagen der Folgekosten des Unglücks "kommt man schnell auf eine halbe Milliarde Euro", sagte Unternehmenschef Giovanni Castellucci am Samstag bei einer Pressekonferenz in der nordwestitalienischen Hafenstadt. Diese Gelder stünden ab Montag bereit.

Die genannte Summe beinhalte mehrere Millionen Euro für die Hinterbliebenen der Todesopfer, führte Castellucci aus. Außerdem sollten dutzende Millionen Euro in einen Fonds fließen, mit dem die Stadtverwaltung von Genua die Unterbringung der Menschen finanzieren soll, die wegen des Brückeneinsturzes ihre Häuser in der Umgebung räumen mussten.

Fabio Cerchiai (l), Präsident der privaten Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia, und Giovanni Castellucci, CEO von Autostrade per l'Italia.

Ein Großteil der halben Milliarde Euro soll offenbar in den zügigen Bau einer neuen Brücke fließen, welche die Morandi-Brücke auf der A10 ersetzen soll. Sein Unternehmen werde nach Erteilung einer entsprechenden Baugenehmigung durch die Behörden innerhalb von acht Monaten die alte Brücke abreißen und eine neue Brücke aus Stahl errichten, kündigte Castelluci an.

Außerdem werde Autostrade per l'Italia "in Rekordzeit" eine Alternativroute für den Schwerlastverkehr auf einer Privatstraße des Stahlwerks Ilva in der Nähe des Genueser Hafens einrichten. Außerdem müssten auf den Autobahnen in der Region Genua keine Mautgebühren mehr bezahlt werden.

Brückeneinsturz in Genua

Bei dem Brückeneinsturz waren am Dienstag Dutzende Menschen ums Leben gekommen, hunderte Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Bis Samstagabend wurden 40 Todesopfer bestätigt, nachdem am Nachmittag die Leiche eines Genueser Arbeiters gefunden worden und ein 36-jähriger Rumäne im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen war. Vermutlich starben drei weitere Menschen - eine Familie aus Turin, die in einem am Samstag von den Einsatzkräften freigelegten Auto unterwegs gewesen sein soll.

Zu den möglichen Ursachen des Brückeneinsturzes machte die Unternehmensführung von Autostrade per l'Italia keine Angaben. Castelluci sagte lediglich, es habe sich um "eine sehr spezielle Brücke" gehandelt. Sie sei aber "von allen, die sie untersucht haben, als sicher betrachtet" worden. Die Einsturzursache müssten nun die Behörden untersuchen. "Etwas ist passiert und die Justiz muss sagen, was", sagte Castelluci.

Die italienische Regierung hat Autostrade per l'Italia für den Brückeneinsturz verantwortlich gemacht. Innenminister Matteo Salvini hatte die Betreiber bereits am Donnerstag aufgefordert, etwa 500 Millionen Euro für betroffene Familien und örtliche Behörden bereitzustellen. Forderungen aus der Regierung nach einem Rücktritt der Unternehmensführung wies der Vorstandsvorsitzende von Autostrade per l'Italia, Fabio Charchiai, bei der Pressekonferenz zurück. Castelluci werde das Unternehmen weiter führen, sagte er.

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