Auch Touristen sind betroffen

Betrunkene Autofahrer müssen in Dänemark ihren Wagen abgeben

Kopenhagen. Ab erstem Juli nimmt Dänemarks Polizei stark alkoholisierten Autofahrern die Autos ohne Entschädigung weg. Das betrifft auch Touristen. Das Gesetz stößt grundsätzlich auf Akzeptanz. Kritisiert werden die Folgen für sozial Benachteiligte und Familienangehörige.

Trunkenbolde verlieren in Dänemark ab Juli ihr Auto. Zusätzlich zum Führerscheinentzug für drei Jahre wird das Gefährt bei einem Ergebnis von 2,0 Promille entschädigungslos und unwiderruflich konfisziert. Eine Verwarnung gibt es nicht. Der Staat versteigert die Autos dann an Meistbietende. Die Einnahmen kommen in die Staatskasse.

Auch Touristen sind betroffen

Auch Autofahrer, die mit mehr als 1,2 Promille erwischt werden, wird das Auto weg genommen, wenn sie innerhalb der drei Jahre davor schon einmal mit mehr als den erlaubten 0,5 Promille am Steuer von der Polizei gestellt worden sind. Auch bei Touristen wird keine Ausnahme gemacht. Ähnliche Regeln gelten ab dem 1. Juli auch für Drogenkonsum am Steuer.

„Wer so betrunken in Dänemark Auto fährt, und dies trotz dieser neuen Strafform, gehört einfach nicht in den Straßenverkehr. Wir wollen diese Fahrer da ganz raus haben. Deshalb nehmen wir ihnen die Autos unwiderruflich weg. Ohne Entschädigung“, sagt Polizeisprecher Thomas Kristensen dieser Zeitung.

Gesetz ist akzeptiert

Das neue Gesetz ist in Dänemark kaum umstritten. Das hat auch damit zu tun, dass es in der Vergangenheit immer wieder Wiederholungstäter gegeben hat, die sogar nach Entzug des Führerscheins weiterfuhren, und dies in wiederholt betrunkenem Zustand. „Dass können sie freilich nicht mehr, wenn wir ihnen neben Führerschein auch gleich das Auto wegnehmen“, sagte Trine Bramsen von den regierenden Sozialdemokratern der Zeitung „Jyllands-Posten“.

So sieht es auch Karen Haekkerup. „Wir waren in der letzten Zeit Zeugen tieftragische Episoden, in denen Unschuldige sterben mussten, weil rücksichtslose Autofahrer sich mit Alkohol oder Drogen hinter das Steuer gesetzt haben. Die Regierung setzt nun alle Mittel ein, um solche Verkehrsteilnehmer zu stoppen“, so die sozialdemokratische Justizministerin.

Familien werden bestraft

Allerdings warnte Henning Hyllestad von der grün-linken Einheitsliste, dass das Gesetz zu einer „sozialen Schlagseite“ führen könne. Wenn etwa die Ehefrau eines Alkoholikers auch auf das Auto angewiesen sei, um etwa zur Arbeit zu kommen oder die Kinder in den Kindergarten zu bringen. Während wohlhabende Dänen sich relativ schnell ein neues Auto kaufen könnten, sei die staatliche Enteignung des Autos für ärmere Familien eine Katastrophe, so Hyllestad.

Der dänische Verbund der Autoeigentümer FDM steht grundsätzlich hinter der Verschärfung, hätte aber lieber erhöhte Bußgelder und mehr Zwangstherapiemaßnahmen für Alkoholfahrer den Vorzug gegeben. „Selbst wenn man sein Auto einem Freund ausgeliehen hat und der dann betrunken erwischt wird, verliert man sein Auto“, kritisiert Per Alkestrup vom Verband. Da müsse es mehr Rechtssicherheit geben, die den Eigentümer des Autos vor Enteignung schütze. Es sei zudem ungerecht, dass jemand, der ein sehr teueres Auto habe, viel härter bestraft werde als jemand, der ein billiges Auto habe.

Die Polizei erhofft sich eine deutlich erhöhte Verkehrssicherheit bis 2020. Angepeilt ist eine jährliche Rate von nur noch 120 Verkehrstoten im Jahr bei insgesamt 5,58 Millionen Einwohnern. Das Land ist auf gutem Weg. Kamen 2008 noch 406 bei Verkehrsunfällen ums Leben, so waren es 2012 nur noch 167. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl aber wieder auf 192. (yeu)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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