Bibber-Kälte: Endlich ein Ende in Sicht!

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Auch Annett aus Dresden friert

Berlin - Na endlich! Kältehoch "Dieter" geht langsam die Luft aus. Die Luftströmung dreht am Wochenende von Nordost auf Nordwest - das bedeutet Schneefall und leichte Milderung.

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Kältehoch “Dieter“ geht langsam die Luft aus. Die Luftströmung dreht am Wochenende von Nordost auf Nordwest - das bedeutet Schneefall und etwas wärmere Temperaturen. “Aber der Winter ist noch nicht vorbei“, sagte Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Freitag. Zum Frost, der sich ein wenig abschwächt, komme nun Schnee. Es kann gefährlich auf den Straßen werden.

Die Verlierer der Kälte

Schifffahrt: Zahlreiche Flüsse liegen unter Packeis und zwingen Binnenschiffer in die Häfen. Einige Schiffer bangen bereits um ihre Existenz. Immerhin: In Magdeburg konnte Eisbrecher „Seebär“ einen festgefahrenen Frachter befreien. © dpa/dapd
Eisdielen: Der große Verlierer der Kältewelle sind die Eisdielen. Besonders begehrt sind dieser Tage Kreationen wie „Heiße Liebe“ - Vanilleeis mit heißen Himbeeren. © dpa/dapd
Heimische Vögel: Vögel sind derzeit laut dem NABU verstärkt auf Futter aus Menschenhand angewiesen. Am knallhart gefrorenen Boden ist für die Wintervögel nicht allzu viel zu finden. © dpa/dapd
Autofahrer: Die Kälte zwingt immer mehr Autos in die Knie. Entweder macht die Batterie schlapp oder der Diesel ist eingefroren. Der Umstieg auf Bus und Bahn ist nicht immer eine gute Idee. Vielerorts gibt es auch bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben Probleme. © dpa/dapd
Viehwirtschaft: In offenen Ställen wird die Wasserversorgung schwieriger, weil Leitungen einfrieren und Tränken vereisen. Die Kühe selbst sind aber entspannt. „Die geben sich ja gegenseitig Wärme ab“, sagte ein Sprecher des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg. © dpa/dapd
Urlauber auf Mallorca: Die spanische Ferieninsel Mallorca hat die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. In Palma de Mallorca sind bereits minus 5,7 Grad gemessen worden. © dpa/dapd
Zootiere: Die Giraffen in der Wilhelma in Stuttgart müssen sich wegen Glatteises mit einer Ausgangssperre abfinden. „Die Gefahr, dass sich die Tiere die Beine brechen, ist einfach zu groß“, sagte Wilhelma-Zoologe Günther Schleussner. © dpa/dapd

Am Sonntag wird Tief “Maike“ in Deutschland erwartet. In der nächsten Woche müssen sich die Autofahrer auf glatte Straßen einstellen, denn auf dem gefrorenen Boden werde jeder Niederschlag sofort zu Eis, sagte Hoffmann. In den Nächten bleibe es beim Dauerfrost, tagsüber ist es nicht mehr ganz so kalt.

Schnee- und Eisglätte machten den Autofahrern schon jetzt zu Schaffen: In ganz Nordrhein-Westfalen gab es am Donnerstag zahlreiche Unfälle und Behinderungen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Vor allem Autofahrern auf der A 1 und der A 4 in den Regierungsbezirken Arnsberg und Köln machte Blitzeis das Leben schwer. Auch im Sauerland gab es zahlreiche Unfälle.

Mindestens vier Menschen wurden bei einem Glatteisunfall mit einem Linienbus in Hagen verletzt. Ein 48 Jahre alter Mann kam am Donnerstag mit seinem Wagen auf der glatten Straße ins Rutschen, geriet auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit dem Bus zusammen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Der Wagen schleuderte gegen eine Planke, der Besitzer verletzte sich schwer. Ein 11-jähriges Mädchen im Bus verletzte sich ebenfalls schwer, als ein Feuerlöscher auf sie fiel. Im Linienbus wurden zudem der 47 Jahre alte Busfahrer und ein 18 Jahre alter Fahrgast leicht verletzt.

Die Gewinner der Kälte

Heiz- und Sanitärunternehmen: Die Telefone stehen bei den eisigen Minusgraden nicht still. Heiz- und Sanitärunternehmen reparieren geplatzte Wasserrohre und ausgefallene Heizungen im Akkord. © dpa/dapd
Pannendienste: ADAC-Pannenhelfer sind im Dauereinsatz. Bei Eisschrank-Temperaturen kapituliert die ein oder andere Autobatterie - der häufigste Grund, warum die Helfer derzeit gerufen werden. © dpa/dapd
Allergiker: Die Kältewelle ist für Allergiker ein großes Glück. Die Belastung durch Erlen- und Haselpollen sei im Moment sehr gering, heißt es beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. © dpa/dapd
Wintersportler: Wintersportler mussten lange auf Kälte und Schnee warten - nicht nur auf den Skipisten der Zugspitze und im Harz herrscht deshalb seit Tagen reger Betrieb. © dpa/dapd
Kürschner: Die Berliner Kürschner freuen sich derzeit über steigende Umsätze. Der bei Umweltschützern verpönte Pelz „ist einfach wärmer als jede Steppjacke“, sagte Innungs-Obermeister Peter Hoppe. © dpa/dapd
Brennstoffunternehmen: Die Kälte treibt viele Hausbesitzer zu Last-Minute-Käufen beim Heizöl. Zuvor hatten sie sich wegen der hohen Preise zurückgehalten. © dpa/dapd
Textilbranche: Der Handel wird nun doch mehr Winterkleidung los. Der Verkauf von Jacken, Handschuhen und Schals brummt. Auch die Jecken wollen nicht frieren - Plüschkostüme sind gefragt. © dpa/dapd

Die Schokoladenseite des Winters konnten dagegen die Hamburger genießen. Am Freitag startete das sogenannte Alstereisvergnügen. Rund eine Million Menschen werden nach Angaben der Hamburg Tourismus GmbH bis Sonntag unter anderem zum Schlittschuhlaufen und Glühweintrinken an dem Binnengewässer erwartet. Das letzte Alstereisvergnügen war 1997. Anders als damals dürfen in diesem Jahr keine Stände auf dem Eis stehen. Dafür locken am Ufer Buden mit Getränken und Speisen.

Auch andernorts rutschten die Menschen mit Schlittschuhen über zugefrorene Gewässer. Das ist jedoch auch gefährlich: In Baden-Württemberg mussten zwei Menschen aus eiskalten Gewässern gerettet werden. Ein Zwölfjähriger war beim Schlittschuhlaufen am Donnerstagabend auf dem Burgerwaldsee in Offenburg durch das Eis gebrochen. Polizisten tasteten sich mit einer Leiter und einem Seil zu dem Jungen vor und bargen ihn. Auf dem Flückiger See in Freiburg erwischte es laut Polizei einen Mann mittleren Alters. Die Besatzung eines Rettungshubschraubers zog ihn aus dem eiskalten Wasser.

Im Osten und Südosten Europas forderte die Kälte weitere Tote - und es soll eisig bleiben: In Polen erfroren in der Nacht zu Freitag fünf Menschen. Die Zahl der Toten seit Beginn der Kältewelle stieg damit auf 82, teilte das Innenministerium in Warschau mit. In Serbien stieg die Zahl der Kälteopfer auf 16, in Rumänien auf 57 und in der Slowakei auf mindestens drei.

Über die kroatische Küste peitschte ein Schneesturm, der auch die Touristenhochburg Dubrovnik traf. In Bosnien waren viele Regionen noch von der Außenwelt abgeschnitten. Bulgarien stellte wegen der Kälte den gesamten Stromexport ein. Der Exportstopp für andere Balkanländer begann in der Nacht zum Freitag.

dpa

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