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Hörspiel-Geheimnis gelüftet: Das ist aus Bibi Blocksbergs Bruder Boris geworden

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Ärger für Bibi: Das Cover der Fan-Fiction "Boris rächt sich".

Seit Jahren rätseln Fans der Hörspielreihe Bibi Blocksberg, was aus Boris geworden ist. Der Bruder der kleinen Hexe verschwand in Folge 8. Ein Journalist erzählt nun seine Geschichte

Vielleicht wäre das Land ein anderes, wenn es Bibi Blocksberg nicht gäbe. Millionen junge Hörspiel-Fans sind mit der kleinen Hexe aufgewachsen, die sich in mehr als 120 Folgen immer wieder mit dem Bürgermeister von Neustadt herumschlagen musste. Der Rathaus-Chef erfüllt sämtliche negativen Politiker-Klischees. Er ist dumm, selbstsüchtig, feige, korrupt und komplett unfähig. Es würde einen nicht wundern, wenn die Politikverdrossenheit in Deutschland eine Folge dieser Figur ist.

Vielen Bibi-Fans ist es egal, was im Bundestag passiert. Dafür beschäftigt sie vor allem eine Frage: Was ist aus Boris Blocksberg geworden, Bibis Bruder, der seit der achten Folge spurlos verschwunden ist? Antworten liefert nun der Journalist Jens Wiesner, der sich für seinen Blog www.borisrächtsich.de ausgedacht hat, wie es mit Familie Blocksberg weitergeht. Sie wird vom Pech verfolgt, was nur gerecht ist nach allem, was sie mit Boris hat geschehen lassen. Am Ende seiner Fan-Fiction, die regelmäßig fortgeschrieben wird, soll das Geheimnis von Boris gelüftet werden. Einem Journalisten hat Wiesner erklärt: "Das Verschwinden von Boris Blocksberg gehört zu den größten Kriminalfällen Deutschlands! Das kommt gleich nach Uwe Barschels Badewanne und dem Bernsteinzimmer."

Für alte und junge Fans ist das ein Riesenspaß. Und auch Bibi Blocksbergs Erfinderin Elfie Donelly ist sehr angetan, wie sie dem "Spiegel Online"-Ableger "Bento" erzählt hat. Die deutsch-österreichische Autorin hatte sich die kleine Hexe 1980 ausgedacht (wie drei Jahre zuvor schon den sehr menschlichen Elefanten Benjamin Blümchen). Seitdem sind Generationen von Mädchen und Jungen mit ihr aufgewachsen. Es gibt Bücher, eine Trickserie, Kinofilme, ein Musical und natürlich den ganzen überflüssigen Gimmick-Kram.

Vielleicht wollte Donelly mit Bibi die Welt ein bisschen besser machen. Die gebürtige Londonerin, die zeitweise mit dem "Löwenzahn"-Moderator Peter Lustig (1937 bis 2016) in einer offenen Beziehung lebte (was man heute polyamor nennen würde), schrieb gegen Autoritäten an, wie Kasseler Wissenschaftler untersucht haben.

Heute lebt die 68-Jährige auf Ibiza, Auftragsautoren schreiben die vom Label Kiddinx vertriebenen Bibi-Abenteuer fort. Die von Fan Wiesner verfassten Boris-rächt-sich-Geschichten versteht sie als Kompliment. Auf die Frage, wieso Boris so plötzlich verschwand, antwortet sie: "Boris und Bibi klangen einfach zu ähnlich. Außerdem sollte es in der Serie um ein starkes Mädchen gehen. Deshalb entschieden wir uns dazu, die Geschichte noch einmal etwas zu ändern."

Damals erfuhren Bibi-Fans nur, dass Boris "ganz schlimmen Husten" habe und sich bei den Großeltern an der Nordsee auskurieren solle. Seitdem ist er untergetaucht, vielleicht in der Nordsee ertrunken oder wurde von einem korrupten Politiker entführt. Komiker Olli Schulz stellte in seinem Podcast "Fest & flauschig" mit Jan Böhmermann die These auf, Boris sei seit zwei Jahrzehnten auf der Droge Ketamin und im Berliner Kult-Club Berghain abgestürzt.  

Immerhin hat der verschwundene Bruder einen Twitter-Account. Im Kurznachrichtendienst beschreibt sich @BorisBlocksberg so: "Wurde von den Eltern zu Oma und Opa an die Küste abgeschoben, da sich meine Schwester besser vermarkten ließ, aufgrund ihrer Behinderung." In seinen Tweets kommt Bibi nicht sehr gut weg. Wer dahinter steckt, ist unklar.

Vermutlich hat das Geheimnis der Hörspielfigur gar nichts mit Hexerei zu tun, sondern einen ganz profanen Grund: Vor fünf Jahren erklärte ein Sprecher des Kiddinx-Labels einem Bibi-Fan, Boris-Sprecher Frank Schaff sei in den Stimmbruch gekommen. Darum habe man die Rolle aus der Serie geschrieben. Seitdem gehe es ihm gut an der Nordsee, und Bibi ist für immer 13. Schaff hatte nur noch drei Gastauftritte in anderen Rollen.

Was der echte Boris Blocksberg zu all dem sagt, ist nicht überliefert. Nach der Amokfahrt von Münster twitterte er nur: "Man glaubt ja, der Bürgermeister aus Neustadt wäre erfunden. So doofe Politiker kann es ja nicht geben. Dann kommt die AFD mit ihren Tweets zu Münster."

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