Bizarres Kaiserhaus: Herz und Leichnam von Otto von Habsburg getrennt bestattet

Otto von Habsburg.

Kassel. Der Leichnam und das Herz Otto von Habsburgs, Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, werden getrennt voneinander bestattet. Das klingt seltsam, ist aber Tradition. Ob sich diese Art der Beerdigung jeder wünschen kann, bleibt allerdings fraglich.

Der Leichnam wird in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt, das Herz im ungarischen Kloster Pannonhalma beerdigt.  Otto von Habsburg war am 4. Juli im Alter von 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See verstorben. Er hatte schon lange vor seinem Tod verfügt, dass sein Herz in Ungarn beigesetzt werden soll. Sein Wunsch basiert auf einer bizarr anmutenden Tradition im Hause Habsburg, die in der Öffentlich weitgehend unbekannt ist: Der so genannten Herzbestattung.

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Die meisten Mitglieder des ehemaligen österreichischen Kaiserhauses wurden nach ihrem Tod balsamiert oder konserviert. Um die Verwesung zu vermeiden, wurden vorher die inneren Organe entnommen. Das Herz wurde dann gesondert in einem Silberbecher im „Herzgrüftl“ der Wiener Ausgustinerkirche beigesetzt. Die übrigen Eingeweide kamen in Metallbehältern in die alte Herzogsgruft der Katakomben im Stephansdom.

Die Herzbestattung basiert auf dem Glauben, dass das Herz der Sitz der Seele und der Liebe ist. Man bestattete das Herz also an einem Lieblingsort des Verstorbenen. Bei Herrschern mag auch eine Rolle gespielt haben, dass sie so an verschiedenen Plätzen verehrt werden konnten.

Obwohl das Konzil von Vienne im Jahr 1311 entschied, dass die Seele im ganzen Körper wohne, fanden weiter Herzbestattungen statt. Im 17. Jahrhundert fand dieser Brauch seinen Höhepunkt. Oft hatte eine Bestattung an verschiedenen Orten aber damals auch ganz praktische Gründe: Auf den Kreuzzügen war zum Beispiel ein weiter Tansport des Leichnams nicht möglich. Man brachte so nur das Herz in die Heimat.

Einer, der alles über Herzbestattungen weiß, ist der Wiener Professor Armin Dietz. Er sei sich sicher, dass mit Otto von Habsburg die Tradition der Herzbestattung nun zu Ende sei, sagte er uns am Telefon. Niemand sonst werde sich im 21. Jahrhundert wohl noch an verschiedenen Stellen beerdigen lassen.

Ob das rein rechlich hierzulande überhaupt möglich ist, ist nicht leicht zu klären, scheint aber unwahrscheinlich zu sein. Dominik Kracheletz, Kasseler Bestatter und Vorstand des Bestatterverbandes Hessen, hat von dieser Praxis jedenfalls noch nie gehört und hat bisher auch keinerlei Anfragen nach getrennten Bestattungen: „Ich kann Ihnen dazu wirklich nichts sagen.“

Das Bestattungsrecht ist in der Bundesrepublik Deutschland Sache der Länder. Im Hessischen Bestattungsrecht finden sich zum Thema getrennte Bestattungen keinerlei konkrete Hinweise. Dass sie möglicherweise verboten sind, könnte Paragraf 10 hergeben. Dort heißt es. „Leichen sind so zu behandeln ... dass die Totenruhe nicht mehr als unumgänglich gestört wird.“

Berühmte Persönlichkeiten, die eine Herzbestattung erhielten, sind unter anderem: Richard Löwenherz (1199), Ludwig XIV (1715), Napoleon Bonaparte (1821), Frédéric Chopin (1849), Friedrich Wilhelm IV (1861), Ludwig II. von Bayern (1886).

Von Frank Thonicke

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