Zwischen 2009 und 2013 sank der Raucheranteil in Deutschland auf 29 Prozent

Blick auf den Tabakatlas: Berlin hat die meisten Raucher

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Etwa jeder siebte Todesfall in Deutschland ist auf die Folgen des Tabakkonsums zurückzuführen. Dabei kommen im Norden mehr Menschen durch Zigaretten ums Leben als im Süden.

Das geht aus dem aktuellen Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums hervor. die wichtigsten Fragen & Antworten:

Ist der Tabakkonsum nicht rückläufig? 

Seit 2009 ist der Anteil der Raucher unter jungen Erwachsenen und Minderjährigen tatsächlich stetig gesunken. Weitgehend konstant ist dagegen das Rauchverhalten der 25- bis 69-Jährigen. So raucht heute noch jeder vierte Erwachsene. Bei den Männern ist es knapp jeder Dritte, bei den Frauen jede Fünfte. Immerhin 121 000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Das sind 13,5 Prozent aller Todesfälle. Schon deshalb geben Experten keine Entwarnung.

Wo wird am meisten gequalmt?

In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen gibt es den höchsten Raucheranteil. Dort qualmen mehr als 35 Prozent der Männer und gut 24 Prozent der Frauen.

Die niedrigsten Anteile verzeichnen Bayern (27/18) und Baden-Württemberg (27/19). Mit Abstand am wenigsten rauchen die Frauen in Sachsen. Hier liegt die Quote nur bei knapp 17 Prozent.

Gibt es besonders anfällige Berufe? 

Ja, besonders suchtgefährdet sind männliche Möbelpacker und Wachschutzkräfte. Hier liegen die Raucheranteils bei 85 beziehungsweise 55 Prozent. Am Ende der Skala rangieren Gymnasial- und Hochschullehrer mit jeweils nur 13 Prozent.

Bei den weiblichen Wachschutzkräften raucht etwa jede Zweite. Ebenso bei den Berufskraftfahrerinnen. Für weibliche Ingenieure und Apotheker dagegen ist Tabak nahezu tabu. Der Anteil der Nichtraucher liegt hier bei 92 beziehungsweise 94 Prozent.

Welche ökonomischen Folgen hat das Rauchen? 

Der „Tabakatlas“ macht folgende Rechnung auf: Demnach belaufen sich die jährlichen Belastungen für die Gesellschaft auf rund 80 Milliarden Euro. Ein Drittel davon sind direkte Krankheitskosten, also etwa Ausgaben für Behandlung, Pflege und Rehabilitation. Zwei Drittel gelten als indirekte Kosten wie zum Beispiel für Arbeitsausfälle und Frühverrentung.

Aber auch ganz persönlich kommt Raucher das Laster teuer zu stehen: „Raucher verlieren über zehn Jahre ihrer zu erwartenden Lebenszeit“, warnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU). Und sie verlieren viel Geld. Geht man vom Konsum einer Schachtel Zigaretten für fünf Euro pro Tag aus, so sind das im Jahr 1800 Euro. Dafür wäre ein Strandurlaub drin.

Was tut Deutschland gegen das Laster? 

Viel zu wenig, sagt die Untersuchung. Schon seit zehn Jahren gibt es ein völkerrechtlich bindendes Rahmenüberabkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, dem Deutschland aber nur unzureichend nachkommt. So blieb die Besteuerung von Zigaretten weit hinter anderen europäischen Ländern zurück.

• Mehr Infos unter www.dkfz.de

Die Geschichte des Rauchens

Lange bevor Christoph Kolumbus nach Amerika kam, verwendeten Indianer Tabak und andere Pflanzen als Heilmittel und für rituelle Handlungen. Von dort gelangte der Tabak nach Spanien und Portugal, Mitte des 16. Jahrhunderts auch nach Paris. Ein historischer Abriss:

1573 wird Tabakanbau in Deutschland erstmals urkundlich erwähnt – im Pfarrgarten einer Gemeinde bei Speyer.

• Bis ins 18. Jahrhundert wird Tabak überwiegend geschnupft.

1761 veröffentlicht ein britischer Mediziner die erste Studie über den Zusammenhang von Schnupftabak und Nasenkrebs.

• Ab 1855 kurbeln die ersten Zigarettenmaschinen und die Erfindung des Streichholzes den Konsum an.

1904 organisieren sich die ersten Tabak-Gegner.

• In den 1950er Jahren kommen Filterzigaretten auf den Markt.

1964 belegt eine US-Studie, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht.

• In den 1970er Jahren gibt es die ersten „Light“-Zigaretten.

1974 wird Tabakwerbung in Rundfunk und Fernsehen verboten.

• Seit 1981 werden Zigarettenpackungen mit Warnhinweisen bedruckt: „Der Bundesgesundheitsminister: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit. (dpa)

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