Sie verteidigt Gewalttäter und Opfer

Blinde Anwältin: Ich höre, wer lügt

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Anwältin Pamela Pabst ist blind.

Berlin. In dem kleinen Büro von Anwältin Pamela Pabst hat auch die sprechende Briefwaage ihren festen Platz. Die Papiere sind akkurat gestapelt. "Auf die Ordnung bin ich angewiesen", sagt die 34 Jahre alte Berlinerin. Sie sei bundesweit die erste von Geburt an blinde Anwältin für Strafrecht.

Ohne Helfer geht es nicht: Mit ihrer vorlesenden Assistentin ackert Pabst Prozessakten durch. Diese ist auch im Gericht ihr sehendes Auge. Die Fachanwältin für Strafrecht meint, sie spüre in Verhandlungen am Klang der Stimme, ob jemand die Wahrheit sagt. "Vielleicht ist mir schon mal ein Lügner durchgerutscht, aber oft habe ich mich nicht getäuscht."

"Ja, ich muss mir mehr merken als andere und viel Zeit für die Arbeit aufwenden - aber blinde Menschen sind keine Wunderwerke mit übersinnlichen Kräften", wehrt die junge Frau ab. Sie sei auf einer normalen Schule gewesen, wo sie aber auch die Blindenschrift lernte. Das Jurastudium  schaffte sie mit sprechendem Computer, extra Vorlesern und starkem Willen. Pabst sagt, deutschlandweit gebe es etwa 270 blinde Juristen. Sie selbst wäre gern Strafrichterin geworden. Das ist aber laut Bundesgerichtshof Sehenden vorbehalten.

Vor rund sechs Jahren wagte die arbeitslose Juristin den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie verteidigt Gewalttäter und vertritt Opfer.

Ihr erscheine alles wie hinter Milchglas, sagt die 34-Jährige. Hell und dunkel, Umrisse und Farben seien zu erkennen. "Dunkles Rot finde ich sehr schön."

Sie habe ihre Wege in der Welt der Sehenden richtig erlernt, sagt Pabst. Zuletzt kam der zu ihrer eigenen Wohnung hinzu, wo sie zusammen mit ihrem Freund, ebenfalls Anwalt, lebt.

Die Eltern der Anwältin helfen im Büro oder machen Telefondienst. Beim Berliner Anwaltsverein heißt es, das Handicap von Kollegen spiele keine Rolle. Einige seien auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie kämen wie die anderen zu Fortbildungen und Treffen.

Unterstützer von Pabst ist auch der Computer, der eingescannte Texte und Bücher vorliest oder in Blindenschrift übersetzt. Diese kann über eine extra Leiste abgetastet werden. Für Assistenz und technische Ausstattung gibt es Zuschüsse, die Blinden zustehen.

Wie viele Menschen bundesweit blind oder sehbehindert sind, ist unklar. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband sagt, es sei unglaublich, dass es keine konkrete Zahl Betroffener gebe. Nach Schätzungen lebten im Jahr 2002 in Deutschland etwa 1,2 Millionen sehbehinderte und blinde Menschen. Bildung für Blinde und andere öffentliche Ausgaben würden nach Vermutungen geplant, heißt es auf der Internetseite des Verbandes. Der Verband sprach von einem Dilemma. (dpa)

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