"Rekordhalter" kommt aus Gütersloh

Blitz-Marathon beendet - Polizei zieht Bilanz

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Der überwiegende Teil der Autofahrer hielt sich  an die Geschwindigkeitslimits.

Düsseldorf. Nach 24 Stunden Jagd auf Temposünder ist der „Blitz-Marathon“ der Polizei am Freitagmorgen um 6.00 Uhr beendet worden. Fast 15.000 Beamte hatten an mehr als 8700 Stellen reihenweise Temposünder aus dem Verkehr gezogen.

Im Laufe des Tages wollen die Behörden Bilanz zu der bundesweiten Aktion ziehen. Einige Raser waren mehr als doppelt so schnell unterwegs als erlaubt. Vorläufiger „Rekordhalter“ war ein Autofahrer in Gütersloh, der nach Angaben der Polizei mit Tempo 102 durch eine Straße gerast war, in der lediglich 50 km/h erlaubt waren.

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Der überwiegende Teil der Autofahrer hielt sich aber an die Limits. „Bei 100 Autofahrern blitzte es einmal“, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht in München. Die verstärkte Kontrolle von Tempolimits war im Vorfeld großflächig angekündigt worden. „Da halten sich alle schön an die Regeln und sind vorgewarnt“, resümierte ein Berliner Kollege am frühen Freitagmorgen. Insgesamt dürfte die Geschwindigkeit von weit mehr als einer Million Autofahrern gemessen worden sein.

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

Bußgeld für Temposünder
Verwarnungsgeld, Bußgeld, Punkte oder Fahrverbot - Temposünder müssen mit einer Strafe rechnen. © dpa
Bußgeld für Temposünder
Wer in der Stadt 70 km/h zu viel auf dem Tacho zahlt 680 Euro, kassiert vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.  © dpa
Bußgeld für Temposünder
Der Bußgeld-Katalog © dpa
Bußgeld für Temposünder
Der Bußgeld-Katalog © dpa
Bußgeld für Temposünder
Das Geld liegt auf der Straße: Kritiker halten viele Radarfallen, besonders außerhalb von Gefahrenstellen, für Abzocke. „Bundesweit erwarten Kommunen für 2013 Blitzer-Einnahmen von mehr 600 Millionen Euro“, so Torsten Florian Singer, Sprecher der Initiative gemeinsam gegen Blitzerabzocke.   © Initiative gemeinsam gegen Blitzerabzocke
Uhu
Tausende Autofahrer sind 2012 auf einer Eifeler Landstraße in eine Radarfalle gerauscht und wurden bestraft. Eine Tempo-Sünderin klagte zwar erfolgreich gegen die Radarfalle, doch zum Schutz der nachtaktiven Uhus, die in Felsen an der Straße leben, gilt für Autofahrer mit Einbruch der Dämmerung und nachts Tempo 50 und tagsüber Tempo 70. © dpa
Das Warnen vor stationären Radarfallen ist nach der Straßenverkehrsordnung in Deutschland verboten. Auch bei Navigationsgeräte mit Warnfunktion droht eine saftige Strafe. Das Verbot gilt nach Angaben des ADAC für klassische Warngeräte und auch für Navigationsgeräte oder Mobiltelefone, die vor Blitzern warnen.
Das Warnen vor stationären Radarfallen ist nach der Straßenverkehrsordnung in Deutschland verboten. Auch bei Navigationsgeräte mit Warnfunktion droht eine saftige Strafe. Das Verbot gilt nach Angaben des ADAC für klassische Warngeräte und auch für Navigationsgeräte oder Mobiltelefone, die vor Blitzern warnen. © dpa
moderne Blitzer-Anlage
Wer trotz dieses Verbots ein solches Gerät betriebsbereit an Bord hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von 75 Euro und vier Punkten in Flensburg rechnen. © dpa
Lichthupe
Das Warnen anderer Verkehrsteilnehmer mittels Handzeichen oder Schildern ist grundsätzlich nicht verboten. Sollten andere Verkehrsteilnehmer aber behindert oder abgelenkt werden, kann die Polizei das Warnen untersagen. Die häufige Praxis, mit der Lichthupe auf Blitzer aufmerksam zu machen, ist allerdings nicht erlaubt und wird mit einem Bußgeld von zehn Euro bestraft. © dpa

Kaffee und Lamas am Rande der Blitzer-Aktion

- Massenhafte Kontrollen und Knöllchen

Vermutlich werden bis Freitagmorgen weit über eine Million Autofahrer beim ersten bundesweiten Blitz-Marathon kontrolliert worden sein. Und Zehntausende - das zeigen die Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen - werden trotz der intensiven Ankündigung und der Bekanntgabe der Kontrollstellen ein "Knöllchen" bekommen.

- Lieben Lamas Laser?

In Krefeld und im 70 Kilometer entfernten Hückeswagen (beides NRW) legten Lamas die Tempokontrollen kurzfristig lahm. Die Beamten mussten sich zunächst darum kümmern, die ausgebüxten Andentiere wieder einzufangen. Bußgelder drohen den Tieren nicht: Die Tempolimits gelten nur für Fahrzeuge.

-Zuspruch aus der Bevölkerung

Die Polizei "blitzt" - und dankbare Anwohner servieren Kaffee dazu. In Hamburg hat sich die Bevölkerung mit den Beamten an gleich mehreren Stellen solidarisiert.

- Crash-Demo

In Grevenbroich am Niederrhein demonstrierte die Polizei mit Crash-Tests die fatale Wirkung zu schnellen Fahrens: Dafür musste Dummy "Holger" herhalten. ADAC-Präsident Peter Meyer war auch vor Ort, der Verband unterstützt den "Blitz-Marathon".

- Wirkung - ja oder nein?

Was jahrzehntelange Tempokontrollen nicht bewirkt haben: Am Tag des "Blitz-Marathons" wird anscheinend langsamer gefahren, das legen die Erfahrungen aus NRW nahe. Sind bei normalen Kontrollen etwa acht Prozent der Auto- und Motorradfahrer zu schnell, sind es beim "Blitz-Marathon" nur drei bis vier Prozent. Fraglich bleibt, ob der Effekt nachhaltig ist.

- Beschwerden

In Karlsruhe beschwerte sich ein Autofahrer bei der Polizei: Er sei nicht geblitzt worden, obwohl er mit Tempo 65 durch die Stadt gefahren sei. In NRW hatte sich ein Autofahrer beim Innenminister beschwert, 15 Minuten vor Beginn des "Blitz-Marathons" geblitzt worden zu sein. Dabei sei er extra früh aufgebrochen, um den Kontrollen zu entgehen.

- Kritiker

Von der Piratenpartei und der FDP kam Kritik an der Aktion. Die Piraten sprachen von "Mumpitz": Die meisten Verkehrstoten gingen gar nicht auf das Konto von Geschwindigkeitsüberschreitungen. Und die Liberalen kritisierten autoritäres Volkserziehergehabe der Innenminister. (dpa)

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