Das sagen Zeugen nach dem Amoklauf

Bluttat an US-Grundschule: "Es ist nackte Angst"

Newtown. Ein Amokläufer tötete Dutzende Kinder und Lehrer - auch Stunden nach der Tat gab die Polizei die genaue Zahl der Opfer nicht bekannt.

"Es gibt keine Worte dafür", sagte Richard Wilford, der seinen siebenjährigen Sohn Richie vor der Sandy-Hook-Grundschule in die Arme schloss. "Es ist nackte Angst." Er habe nur noch sein Kind beschützen wollen. Sein Sohn habe erzählt, die Kinder hätten zunächst ein Geräusch wie von zu Boden fallenden Dosen gehört. Die Lehrerin habe nachgesehen. Sie sei wieder hereingekommen, habe die Tür verschlossen und die Kinder angewiesen, sich in eine Ecke zu hocken, bis die Polizei da sei.

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Ein anderer Vater sagte, sein sechsjähriger Sohn habe gesehen, wie sein Lehrer erschossen worden sei. "Dann hat mein Sohn seine Freunde geschnappt und ist zur Tür hinaus gerannt", sagte Robert Licata. "Er war sehr tapfer, er hat auf seine Freunde gewartet." Der Schütze habe kein Wort gesagt.

Auch Stephen Delgiadice erzählte erschüttert, seine achtjährige Tochter habe zwei Mal einen lauten Knall gehört. Lehrer hätten auch ihr gesagt, sie solle sich eine Ecke verkriechen. Seine Tochter blieb unverletzt. "Es ist beängstigend", sagte er. "In Newton, Connecticut, dachten wir immer, wir seien am sichersten Ort in Amerika."

Die Bluttat erschütterte die Kleinstadt und den Landkreis, einen der wohlhabendsten in den Vereinigten Staaten, sowie das ganze Land. Newton rund 100 Kilometer nordöstlich von New York ist eine ruhige Gemeinde. In der letzten Nachricht, die die örtliche Zeitung vor dem Amoklauf auf ihrer Website veröffentlichte, ging es um Risse in Grabsteinen auf dem Friedhof.

Einzelheiten der Tat erzählte der 17-jährige Mergim Bajraliu. Er habe zu Hause Schüsse gehört und sei losgelaufen, um nach seiner neun Jahre alten Schwester zu sehen. Sie habe Schreie über das Lautsprechersystem gehört. Lehrer hätten gezittert und geweint. "Jeder war traumatisiert", erklärte er. Die Schwester wurde nicht verletzt.

Dutzende Tote bei Schießerei in US-Grundschule

Es war mit wahrscheinlich fast 30 Todesopfern eine der schlimmsten Bluttaten an einer Schule in der amerikanischen Geschichte. Noch mehr Opfer gab es 2007 an der Universität Virginia Tech, wo ein 23-Jähriger 32 Menschen tötete und sich dann das Leben nahm.

Bei dem Schützen soll es sich um einen 20 Jahre alten Mann handeln. Aus Polizeikreisen verlautete, er habe Verbindungen zu der Grundschule in Newtown. Seine Leiche wurde im Inneren des Schulgebäudes gefunden. Dort werden Kinder vom Kindergarten bis zur Grundschule unterrichtet.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich erschüttert über die Bluttat. Er telefonierte mit dem Gouverneur von Connecticut und sicherte ihm die Unterstützung der Bundesregierung zu. "Als Vater lasten solche Zwischenfälle schwer auf ihm", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Auf die Frage, ob strengere Waffengesetze für den US-Präsidenten nun eine höhere Priorität erhielten, sagte Carney, es gebe sicherlich einen Tag, um dieses Thema zu diskutieren. "Aber ich glaube nicht, dass heute dieser Tag ist." (dapd)

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