Krisenstab: Fliegerbombe in Halle ist entschärft

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Umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen laufen am Donnerstag in der Innenstadt von Halle(Saale). Am Morgen war bei Schalungsarbeiten eine fünf Zentner schwere Fliegerbombe gefunden worden.

Halle - Die in Halle an der Saale gefundene Fliegerbombe ist am Donnerstagabend entschärft worden. In der Stadt herrschte am Donnerstag Ausnahmezustand: An einem Krankenhaus in der Innenstadt war die Fliegerbombe gefunden worden.

Ein Bombenfund hat am Donnerstag die Menschen in der Stadt elf Stunden lang in Angst und Schrecken versetzt. Auf dem Gelände des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara war bei Bauarbeiten am Morgen zwei Meter tief in der Erde eine fünf Zentner schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Innenstadt mussten daraufhin komplett geräumt werden.

Gespenstische Ruhe breitete sich aus, keine Straßenbahn, kein Auto, nichts fuhr mehr, alle Straßen waren wie leeregefegt, Geschäfte eiligst geschlossen worden. 20 000 Menschen, die in der City leben, arbeiten oder lernen, waren von einer der größten Evakuierungsaktionen der jüngeren Vergangenheit in Deutschland betroffen.

Das Krankenhaus, Alten- und Pflegeeinrichtungen, das Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), die große Händel-Halle, das Multimediazentrum, das Rathaus, der Marktplatz - alles war bis zum Abend wie leergefegt. Gegen 18.30 Uhr kam endlich die erlösende Nachricht vom Krisenstab: “Die Bombe ist erfolgreich entschärft. Alle Bürgerinnen und Bürger können wieder in Wohnungen zurückkehren.“ Aufatmen nach bangen Stunden der Angst. Auch dem Experten von Kampfmittelbeseitigungsdienst, Jürgen Schmidt, fiel wie immer nach solchen Einsätzen ein Stein vom Herzen. “Es war aber relativ einfach, die Bombe zu entschärfen“, sagte er.

Für Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) hatte der Tag hingegen keine Routine. “Ich kann mich nicht erinnern, dass wir so etwas schon mal hatten“, sagte sie zum Ausmaß der Evakuierung in der rund 235 000 Einwohner zählenden Stadt. Ein Großaufgebot von bis zu 700 Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen packte mit an, um die Menschen in Sicherheit zu bringen.

Teilweise spielten sich dramatische Szenen ab, nachdem die Bombe gegen 7.30 Uhr bei Bauarbeiten nahe der Notaufnahme des Krankenhauses von einem Baggerfahrer gefunden wurde. Ärzte, Pfleger, Schwestern und Rettungskräfte holten in Windeseile Schwerstkranke und Krebspatienten aus dem St. Elisabeth-Krankenhaus. Auch winzige Babys im Brutkasten einer Intensivstation werden in Sicherheit gebracht. Die gesamte Klinik mit 1000 Menschen, darunter 500 Patienten, musste geräumt werden. Unheilbar kranke Menschen aus dem Hospiz nebenan wurden ebenfalls in andere Krankenhäuser verlegt.

“Wir waren noch in der glücklichen Lage, dass der eigentlich kritische Betrieb im Krankenhaus noch nicht begonnen hatte“, sagte der Ärztliche Direktor Walter Asperger. 30 geplante Operationen sowie schwierige Untersuchungen konnten noch rechtzeitig abgesagt werden. “Wir mussten auch keine Not-OP in andere Krankenhäuser verschieben“, sagte er. Aber wäre die Alarmmeldung vom Bombenfund nur zehn Minuten später gekommen, wären Patienten bereits in Narkose versetzt gewesen. “Wir haben es auch noch geschafft, zwei Kinder zu entbinden“, sagte die stellvertretende Pflegedirektorin Cordula Rehmann.

Unentwegt heulten Sirenen in der Stadt. Eine Armada von Kranken- und Rettungswagen sowie Taxis brachte Menschen in andere Krankenhäuser und Ausweichunterkünfte wie auch Pflegeheime. Mit Bussen wurden Senioren in Begleitung von Helfern weggefahren. Auch das Sozial- und Bildungswerk der Franckeschen Stiftungen mit seinen Schulen und Kindergärten und einem Mehrgenerationenhaus samt Altenheim musste schnellstens geräumt werden.

Die Stadt richtete laut Innendezernent Bernd Wiegand (parteilos) in der großen Sporthalle Brandberge Notunterkünfte für Einwohner ein. Doch nur rund 150 Menschen nahmen dieses Angebot der Stadtverwaltung zufolge in Anspruch, die meisten wollten zu Verwandten und Freunden oder nach Hause, sofern ihre Wohnungen außerhalb des Sperrkreises lagen.

dpa

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