Möwen wollten ihm Augen auspicken

Surfer nach 28 Stunden im Meer gerettet

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Er hat im Meer überlebt: Brett Archibald.

Sydney. „Wir haben eine Nadel im Heuhaufen gefunden“, schrieben seine Retter auf Facebook. 28 Stunden war der Südafrikaner Brett Archibald im Wasser gewesen, nachdem er Mittwochnacht von einem Tourboot aus ins Wasser fiel, als er sich seekrank fühlte. Doch sein Überlebenskampf war hart.

Der Mann befand sich mit anderen Gästen auf einer Surftour und war auf dem Weg vom indonesischen Padang zu den Mentawai Inseln. Ohne Rettungsweste ließ der Surfer sich auf dem Rücken treiben, trat Wasser und schwamm zwischendurch immer wieder.

Der 50-jährige Mann war am Mittwoch gegen 3 Uhr morgens über Bord gegangen. In einem Telefon-Interview kurz nach seiner Rettung sagte er der australischen Webseite „Surfing Life“: „Wir hatten eine rauhe Überfahrt.“ Er sei an Deck gegangen, um Wasser zu trinken und merkte dann erst, wie seekrank er war. „Ich musste mich zweimal heftig übergeben und ich denke, dabei muss ich ohnmächtig geworden sein.“

Er könne sich nicht mehr daran erinnern, über Bord gegangen zu sein. „Ich wachte im Wasser auf und ohne Rettungsweste, das Boot war bereits hundert Meter weit weg.“ Inseln gab es in dem Gebiet keine, die nächste war 15 Kilometer entfernt. Er habe sich aber gedacht, dass er jetzt ruhig bleiben müsse und dass man ja nach ihm suchen werde.

Tatsächlich sei das Boot Stunden später auch zurückgekommen – nachdem ein anderer Gast auf dem Tourboot beim Frühstück bemerkte, dass Brett Archibald fehlte. „Sie kamen bis auf 250 Meter an mich heran, aber sie konnten mich nicht sehen, da die Wellen zu hoch waren, und dann sind sie an mir vorbeigefahren und ich wusste, dass ich jetzt ein echtes Problem hatte.“

Besonders schlimm sei die folgende Nacht im Wasser gewesen. „Haie schwammen an mir vorbei und ich wurde von jeder Qualle in diesem Meer gestochen.“ Möwen hätten ebenfalls versucht, seine Augen auszupicken, deswegen habe er große Löcher in der Nase. Zu einem Zeitpunkt habe er sich selbst aufgegeben und untergehen lassen. „Aber ich konnte kein Wasser schlucken“, sagte er. „Ich konnte meine Lungen nicht dazu bekommen, das Wasser aufzunehmen und ich trieb wieder nach oben.“ Danach habe er sich dann wieder zusammengerissen und mit dem Schwimmen weitergemacht.

Am nächsten Morgen habe er schließlich sogar Land gesehen, doch die starken Strömungen machten es unmöglich, das Ufer zu errreichen. Auch ein Fischerboot, das direkt auf ihn zuzusteuern schien, sah ihn nicht und drehte wieder ab. 

„Doch dann kamen die Australier – scheinbar aus dem Nirgendwo.” Der Kapitän des Charterbootes, Tony Eltherington, hatte bereits aktiv nach dem Vermissten gesucht, nachdem er die Nachricht über Funk erhalten hatte. Brett Archibald wollte pfeifen, als er das Boot sah, doch sein Mund war zu trocken und schließlich schrie er so laut er konnte. Die Crew, die das Wasser mit Ferngläsern absuchte, entdeckte ihn und brachte ihn an Bord. Er war stark dehydriert und sonnenverbrannt, aber am Leben. Schließlich hatte Brett Archibald nochmals Glück – denn an Bord befand sich ein Arzt, der ihn sofort versorgte und seine Wunden im Gesicht behandelte. Trotz der Tortur will der Südafrikaner, der wieder mit seinem Boot vereint wurde, seinen Surftrip fortsetzen. „Wir haben noch acht Tage über auf unserem Trip“, sagte er. „Ich kann nicht ins Krankenhaus gehen, wir müssen surfen.“ (yeu)

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