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Boris Becker im Sat.1-Interview: Anderer Häftling „wollte mich umbringen“

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Von: Sophia Lother

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Tennis-Star Boris Becker spricht im Interview über seine Schuld und die Zeit im Gefägnis.

München – Wenige Tage nach seiner Haftentlassung hat sich Boris Becker nun öffentlich zu seiner Schuld bekannt. „Natürlich war ich schuldig“, sagte der 55-Jährige in einem am Dienstagabend (20. Dezember) ausgestrahlten Interview beim Sender Sat.1. Der Tennis-Star zeigte sich selbstkritisch: „Vielleicht habe ich nicht genügend Reue gezeigt im Zeugenstand“, sagte er. Seine Anwälte hätten alles versucht, sein „Leben zu retten“. Er sei beraten worden, was er auszusagen habe und was nicht. „Es hätte besser laufen können – aber es hätte auch viel schlechter laufen können“, erklärte er.

Der aus dem baden-württembergischen Leimen stammende Becker war Ende April von einem Gericht in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er Teile seines Vermögens in seinem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Er war am Donnerstag - nach 231 Tagen hinter Gittern - freigekommen.

Boris Becker gibt Interview bei Sat.1: „Ich hab natürlich sehr viel Gewicht verloren“

Becker sagte, er habe in 4 Punkten – von 29, die ihm ursprünglich vorgeworfen worden waren – vor Gericht verloren. „Und gerade beim vierten Punkt – als ich Gelder von meinem Firmenkonto genommen habe – hat mich die Jury in London schuldig gesehen.“ Hinzu seien drei weitere Punkte gekommen – etwa, dass er sein Haus in Leimen, in dem seine Mutter lebt, vor seinem Insolvenzverwalter geheim gehalten habe.

Becker, der deutlich schlanker aussah als noch vor der Haft, berichtete von Hungergefühlen während seines Gefängnisaufenthalts. „Ich hab natürlich sehr viel Gewicht verloren“, sagte er in dem Gespräch mit Moderator Steven Gätjen. „Ich bin mit 97 Kilo ins Gefängnis gekommen und hatte dann mal knapp 90 Kilo.“

Im Interview zeigte sich Boris Becker sehr offen. (Symbolfoto)
Im Interview zeigte sich Boris Becker sehr offen. (Symbolfoto) © picture alliance/dpa/SAT.1 | Nadine Rupp

Boris Becker spricht bei Sat.1. über seine Haft - und versucht sich demonstrativ gefasst zu geben

Becker fügte hinzu: „Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gefühlt, also bin hungrig ins Bett gegangen. Ich dachte, dass ich mit 54 Jahren schon alles erlebt habe, aber das war neu.“ Im Gefängnis habe er keinen Alkohol getrunken, nicht geraucht und wochen- oder vielleicht auch monatelang sehr wenig gegessen.

„Also meiner Gesundheit tat der Gefängnisaufenthalt sicherlich gut.“ Mittlerweile seien aber wieder ein paar Kilo dazu gekommen. Zu einem Fotovergleich mit Aufnahmen von vor und nach der Haft sagte Becker: „Es ist der gleiche Mensch, aber es sind zwei verschiedene Leben.“

Sat.1-Interview mit Boris Becker: Ein anderer Häftling „wollte mich umbringen“

Auf die Frage des Moderators, ob Beckers Leben zu Beginn in Wantsworth in Gefahr gewesen sei, antwortet dieser. Dass ein Häftling im ersten Gefängnis an sein Geld wollte. Noch schlimmer sei es jedoch im zweiten Gefängnis gewesen. Dort „wollte mich ein Häftling umbringen“, erklärt er. Allerdings habe derjenige Beckers Stellung im Gefängnis unterschätzt, aufgrund welcher andere ihn verteidigten. Das habe ihm sehr geholfen.

„Zurückhaltung wäre angebracht“ – Während seiner Haft kritisierte Boris Becker auch seine Noch-Ehefrau Lilly.

Becker versuchte sich demonstrativ gefasst zu geben. Als die Sprache auf seine Partnerin Lilian kam, die am Rande des Studios saß, wurden seine Augen aber feucht. Der Tag seiner Verurteilung am 29. April sei ihr Geburtstag gewesen. Er habe seiner Partnerin offen gesagt: „Meine Liebe, Du musst nicht auf mich warten. Du bist eine junge Frau, du stehst auf eigenen Füßen in der Welt, du bist finanziell unabhängig, ich weiß nicht wie lange ich ins Gefängnis muss“, sagte Becker.

„Dann hat sie mich umarmt und gesagt: ‚Red nicht so einen Scheiß, wir schaffen das zusammen!‘“, berichtete Becker weiter, sichtlich um Fassung bemüht. Dann seien sie am nächsten Morgen ins Taxi gestiegen, „sind zum Gericht gefahren und waren bereit für alles.“ (slo/dpa)

Während seiner Haft war zwischenzeitlich umstritten, ob die Boris Becker International Tennis Academy ihren Namen behalten soll.

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