Boris Becker als Schulsanierer auf Kabel eins

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Packt auch mal mit an: Boris Becker renovierte mit seinem Team, Schülern, Lehrern und einigen Eltern in zwölf Tagen mehrere Bereiche der Georg-Weerth-Haupt- und Realschule.

Von der Decke hängen Kabel, die Fassade ist mit Graffiti bedeckt, auf dem Hof lagert Bauschutt – eine angemessene Lernumgebung bietet die Georg-Weerth-Schule Berlin-Friedrichshain nicht. Die Haupt- und Realschule gehört zu den Problemschulen, liegt im sozialen Brennpunkt.

Die Schüler kommen aus 30 Nationen, 75 Prozent sind Ausländer.

Um das Klima an der Schule zu verbessern, will Ex-Tennisprofi Boris Becker (43) Teile der Schule renovieren. In „Boris macht Schule“ arbeitet er zwölf Tage lang mit einem dreiköpfigen Experten-Team, Lehrern, Eltern und den 340 Schülern an dem Projekt.

Im Grunde schließt sich die Dokumentation auf Kabel eins, die bei Erfolg fortgesetzt werden könnte, an bekannte Renovierungsformate à la Tine Wittler an. In kürzester Zeit wird aus alt und marode, neu und modern. Da die Zeit knapp ist, werden bestimmte Bereiche ausgewählt: zwölf Klassenzimmer, einige Flure, Schulhof, Aula und ein Schülerclub. Wände werden eingerissen und gestrichen, Bäume gepflanzt und Möbel verteilt.

Becker selbst wandelt von einer Baustelle zur nächsten und nimmt überall einmal ein Werkzeug in die Hand. Seine Hauptaufgabe scheint allerdings eine andere zu sein – glaubt man dem Kommentar aus dem Off: „Boris als Motivator und Kämpfer gegen die Null-Bock-Generation.“

Genau diese Parolen machen es schwer, der Sendung interessiert zu folgen. Jede Einstellung wird mit poppiger Musik unterlegt und mit Klischees, Herzschmerz und Dramatik überfrachtet, kommentiert. „Eine heruntergekommene Schule – Die Keimzelle für Frust und Gewalt“. Wieso ausgerechnet eine renovierungsbedürftige Schule für die Aggressionen von Jugendlichen verantwortlich sein soll, bleibt dahingestellt.

Boris Becker will trotzdem gleich beide Probleme bei der Wurzel packen und nimmt sich neben der Schule auch der Schüler an. Sie sollen ihre Aggressionen bei der Arbeit abbauen. Außerdem knöpft er sich mit Emell Gök Che, „der Frau fürs Feine“, auch noch jeden Problemschüler einzeln vor – vom schüchternen Außenseiter bis zum Dauerschulschwänzer. Becker scheint für jedes noch so schwerwiegende Problem eine Lösung parat zu haben.

Auch wenn Renovierungsformate im Fernsehen altbekannt sind, so lässt die Tatsache, dass Schüler in derart heruntergekommenen Schulen lernen müssen, aufhorchen. Und auch die persönlichen Schicksale der Schüler machen durchaus betroffen. Der ständig erhobene moralische Zeigefinger aber und die Überdramatisierung, die am Ende in der Konstruktion einer scheinbar heilen Welt gipfeln, machen die Sendung zu einer schwer verdaulichen Kost. Denn eins dürfte ja wohl klar sein: Ein paar Eimer Farbe und das ein oder andere gut gemeinte Gespräch können die Probleme dieser Kinder nicht ernsthaft und auf Dauer lösen.

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