Guy Bourdin: Surrealist und Vorreiter der Modefotografie

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Er brach mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie: Guy Bourdin. Jetzt zeigen die Hamburger Deichtorhallen eine umfangreiche Ausstellung des französischen Fotografen.

Nackte Frauen mit Gasmasken, ein Model, das wie eine Barbie-Puppe in einem Schuhkarton liegt, oder ein Tatort, an dem nur noch ein Schuh zurückbleibt: Der französische Fotograf Guy Bourdin (1928-1991) entführt den Betrachter in abgründige Fantasiewelten und revolutionierte damit die Modefotografie. „Guy Bourdin entwickelte einen unverkennbaren Stil, der die Modefotografie auch heute noch nachhaltig prägt“, sagte Kurator Ingo Taubhorn in Hamburg. Im Haus der Photographie der Deichtorhallen ist bis zum 26. Januar 2014 die bisher umfangreichste Retrospektive des französischen Fotografen zu sehen - darunter Modestrecken, sein malerisches Werk sowie filmische Notizen.

Das Revolutionäre an Bourdins Arbeiten ist sein Bruch mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie: Sein Markenzeichen ist die surreale Bildsprache, die Verbindung einfacher Objekte mit mehrdeutigen, oft rätselhaften Subtexten, meist von starker Farbigkeit geprägt. „Guy Bourdin fegte sämtliche Schönheitsnormen, sittliche Gepflogenheiten und ordentliche Produktdarstellungen mit einem Strich respektlos weg“, sagte Taubhorn. Er habe genau gewusst, wie man die Aufmerksamkeit des Betrachters erlangt und überließ nichts dem Zufall. So kreierte er makellose Settings in seinem Studio in Paris, in gewöhnlichen Schlafzimmern, am Strand oder in der Natur.

Schon in jungen Jahren malte und zeichnete sich Bourdin in seine surrealen Fantasiewelten. Während seines Militärdienstes lernte er den Umgang mit der Kamera. Der Fotograf Man Ray wurde sein Freund und Mentor. 1955 veröffentlichte Bourdin seine erste Werbestrecke für die französische „Vogue“: In der Serie „Chapeau Choc“ lichtete er Haute-Couture-Hüte vor Kalbsköpfen und gehäuteten Kaninchen ab, was zu empörten Leserbriefen führte. Doch die künstlerische Leiterin der „Vogue“, Francine Crescent, hielt an ihm fest - und eine 30 Jahre lange Zusammenarbeit begann. Da er Interviews und Publikationen verweigerte, wurde Bourdin jedoch nie so berühmt wie seine Kollegen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl von Werken aus der Sammlung F.C. Gundlach, die sich thematisch-inhaltlich an das Werk von Bourdin anlehnen, darunter Fotografien von Man Ray, Erwin Blumenfeld, Helmut Newton, Chris von Wangenheim, William Klein, David LaChapelle, Tim Walker und Kristian Schuller. (dpa)

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