Bereits mit 25 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit von Frauen ab

Brigitte Nielsen: So gefährlich ist es, mit 54 schwanger zu werden

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Muss jetzt wieder für zwei essen: Hollywood-Star Brigitte Nielsen, hier in der RTL-II-Format "Wirt sucht Liebe", ist wieder schwanger.

Mit ihrer Schwangerschaft sorgt die 54-jährige Brigitte Nielsen für Gesprächsstoff. Mediziner warnen: Promi-Mütter wie die Dänin lassen Patientinnen glauben, sie könnten in jedem Alter schwanger werden.

Mit 54 werden andere Frauen Großmütter. Die Dänin Brigitte Nielsen, als Model, Schauspielerin, Sängerin und Ex-Dschungelkönigin bekannt, erwartet nun jedoch ihr fünftes Kind. Auch in Deutschland steigt das Durchschnittsalter von werdenden Müttern seit Jahren. Wir haben mit zwei Kasseler Medizinern gesprochen und beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Phänomen.

Wie ist Brigitte Nielsen schwanger geworden?

Die Frage klingt ein bisschen blöd, aber sie ist berechtigt. "Aus eigener Kraft geht das in diesem Alter oft gar nicht mehr", sagt Gynäkologe Oswald Schmidt vom Kasseler Zentrum für Reproduktionsmedizin. Es ist davon auszugehen, dass Brigitte Nielsen von einer Eizellenspende profitiert hat, was in Deutschland verboten ist.

Nielsen freut sich nun auf ihr fünftes Kind. Ihre vier Söhne Kilian (28), Douglas (25), Raoul (23) und Julian (34) sind längst erwachsen und stammen von drei Männern. Vater diesmal ist der 15 Jahre jüngere italienische Barkeeper Mattia Dessi. Bereits vor einem Jahr sagte die Ex-Frau von Action-Star Sylvester Stallone in einem Interview: "Ein gemeinsames Baby ist unser großer Traum."

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Welche anderen prominenten Last-Minute-Mütter gibt es?

Auch die italienische Sängerin Gianna Nannini war bei der Geburt ihrer Tochter 54, ihre US-Kollegin Janet Jackson wurde mit 50 Mutter, ebenso wie die deutsche TV-Moderatorin Caroline Beil. Die älteste Frau, die in Deutschland ein Kind zur Welt gebracht hat, war die Berliner Lehrerin Annegret R., die 2013 als 65-Jährige gleich Vierlinge bekam.

Dass die Boulevardpresse über solche Rekordmütter immer wieder unkritisch berichtet, ist für Experte Schmidt ein Ärgernis: "So suggerieren die Medien Patientinnen, dass sie in jedem Alter schwanger werden können." Das stimmt jedoch nicht. Am Kasseler Zentrum für Reproduktionsmedizin werden nur Frauen bis 45 behandelt. Danach sind die Chancen, erfolgreich zu sein, zu gering, und die Gefahren zu groß.

Ab wann nimmt die Fruchtbarkeit von Frauen ab?

Laut Studien glaubt mehr als die Hälfte der Deutschen, dass es erst mit 40 bergab geht. In Wirklichkeit sinkt die Fertilität, so der Fachbegriff, bereits mit Mitte 20. "Bis 32 spielt das keine Rolle, aber ab 35 Jahren wird auch eine künstliche Befruchtung schwieriger", sagt Schmidt. Denn anders als männliche Spermien erneuern sich Eizellen nicht: "Jede Eizelle ist so alt, wie die Frau selbst ist."

Der Inhalt dieses Videos stammt nicht von hna.de, sondern von der Video-Plattform Glomex.

Welche Risiken bestehen für Ältere?

Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom auf die Welt zu bringen, steigt. Bei 40-Jährigen liegt sie laut Schmidt bei ein bis zwei Prozent, danach verdoppelt sie sich von Jahr zu Jahr. Ältere Schwangere leiden öfter unter Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen und Diabetes. Zudem kann es leichter zu Frühgeburten kommen. Es hat also mehrere Gründe, warum man bei Frauen ab 35 Jahren von Risikoschwangerschaften spricht.

Wie ist das Elternsein für Ältere?

Auch das ist eine berechtigte Frage. Ein neugeborenes Kind verändert zwar das Leben der Eltern komplett, jünger wird man dadurch allerdings auch nicht. Es kann sein, dass man bei der Einschulung des Nachwuchses für Oma und Opa gehalten wird. Für Wouter Simoens, Chefarzt für Geburtshilfe und Pränatalmedizin an den Kasseler Diakonie-Kliniken, ist es darum auch eine ethische Frage, ob man im höheren Alter noch Kinder bekommt: "Die muss jeder für sich selbst beantworten." Simoens weiß, wovon er spricht. Seine Mutter war 42, als sie ihn zur Welt brachte, und damit genauso alt wie seine Frau, als der gemeinsame Sohn geboren wurde. Heute ist Simoens 60 und sein Sohn 11. Er sagt: "Kinder halten fit, aber es hat auch seine Grenzen."

Wird das Durchschnittsalter von werdenden Müttern in Deutschland weiter steigen?

Davon ist auszugehen. Zuletzt lag es bei 31 Jahren. Reproduktionsmediziner Schmidt, selbst zweifacher Vater, macht dafür die Politik verantwortlich: "Deutschland ist nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass Frauen Karriere und Kinder unter einen Hut bekommen." Vielleicht ändert sich dafür eine andere Einstellung in der Gesellschaft. Wird ein 70-Jähriger Vater, heißt es, er sei ein toller Mann, hat der Arzt Wouters festgestellt: "Bei einer älteren Frau hält man es dagegen für eine Unverschämtheit."

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