Brustimplantat-Skandal: Frankreich empfiehlt Entfernung - Zehntausende betroffen

Paris. Nach Berichten über potenzielle Gesundheitsrisiken hat das französische Gesundheitsministerium zehntausenden Frauen die vorsorgliche Entfernung von Brustimplantaten des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) empfohlen.

Die Kosten übernehme in Frankreich die staatliche Krankenversicherung, hieß es in einer Erklärung am Freitag. Die Silikoneinlagen von PIP stehen im Verdacht, schneller als andere Implantate zu platzen.

Gesundheitsminister Xavier Bertrand betonte, eine Entfernung solcher Implantate solle vorsorglich erfolgen, sei aber nicht dringlich. Bislang sei keine Verbindung zwischen den Silikoneinlagen und neun Krebsfällen unter betroffenen Patientinnen festgestellt worden, erklärten Gesundheitsbeamte. Allerdings hieß es in einer Erklärung Bertrands, es bestehe ein ungewöhnlich hohes Risiko, dass die Implantate platzten und ein bedenkliches Silikongel austrete.

Betroffen sind rund 30.000 Frauen in Frankreich sowie zehntausende weitere in Großbritannien, Spanien, Portugal und anderen Ländern in Europa und Südamerika. Die britischen Gesundheitsbehörden teilten am Freitag mit, es gebe gegenwärtig keinen Anlass für eine ähnliche Empfehlung wie die der französischen. Behördenangaben zufolge wurden die französischen Brustimplantate in Großbritannien womöglich bei bis zu 40.000 Frauen eingesetzt.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfahl den Frauen mit potenziell gefährlichen Brustimplantaten aus Frankreich am Freitag nicht pauschal die Entfernung des Silikonprodukts. Betroffene Frauen sollten zum Arzt oder in die Klinik gehen, in der sie operiert worden seien, und sich dort beraten lassen, sagte BfArM-Sprecher Maik Pommer am Freitag auf dapd-Anfrage. Individuell müsse dann entschieden werden, ob eine Entfernung des Implantats nötig und sinnvoll sei, erklärte Pommer, der von einer "individuellen Risikoabwägung" sprach.

Wie viele Frauen in Deutschland das Implantat der südfranzösischen Firma PIP bekommen haben, ist unklar. Nach Worten Pommers werden entsprechende Zahlen nicht erhoben.

Schätzungen zufolge könnten sich die Kosten der Herausnahme der Implantate für die französische Regierung aber auf 60 Millionen Euro belaufen. Die Entfernung der Implantate kann eine Vollnarkose voraussetzen und mit anderen Risiken eines chirurgischen Eingriffs verbunden sein. Auf Empfehlung der französischen Regierung sollen Frauen, die gegen eine Herausnahme sind, sich alle sechs Monate einer ärztlichen Untersuchung unterziehen.

Frauen, deren Implantate geplatzt waren, und führende französische Schönheitschirurgen hatten die Pariser Regierung zum Handeln aufgefordert. Im November war eine Frau gestorben, die die fraglichen Implantate trug und an einer seltenen Form von Krebs erkrankt war.

Etwa 2.000 Französinnen haben Klage gegen das Unternehmen PIP eingereicht. Ermittlern zufolge sparte die Firma jährlich eine Million Euro, indem sie für ihre Produkte Industriesilikon statt teureres medizinisches Silikon verwendete. Die Regierung in Paris untersagte im vergangenen Jahr die weitere Herstellung der Implantate, das Unternehmen wird derzeit abgewickelt. (dapd)

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