Tief Burglind

Sturm in der Region: Flutwelle in Kaufungen, umgestürzte Bäume, steigende Flusspegel

Kassel/Northeim. Eine Flutwelle, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, Hochwasser: Das sind die Folgen des Tiefs "Burglind" in Nordhessen und Südniedersachsen. 

Aktualisiert am 4.1. um 8.40 Uhr - Der Deutsche Wetterdienst hat die Unwetterwarnungen vor Orkan und orkanartigen Böen am Mittwochabend vorerst aufgehoben. Es könne aber noch Sturmböen geben, sagte ein DWD-Meteorologe. Die Entwarnung bezog sich allerdings nicht auf anhaltenden Regen und Tauwetter. In mehreren Bundesländern rechnete die Feuerwehr noch mit steigenden Pegelständen der Flüsse.

"Burglind" in der Region

Durch Nordhessen und Südniedersachsen war am Mittwoch das Sturmtief "Burglind" gezogen. Am frühen Morgen sprach der Deutsche Wetterdienst eine Warnung der Stufe zwei von vier aus. Vielerorts versperrten umgestürzte Bäume die Straßen, Keller liefen voll, durch Kaufungen rollte eine Flutwelle. Die Folgen in der Region im Einzelnen:

Video: Flutwelle rollte durch Kaufungen

In Kaufungen lief auf einen Schlag ein Regenrückhaltebecken aus. Dadurch wurde eine Flutwelle ausgelöst, die sich über Straßen und durch Gärten ergoss. Mindestens sechs Autos wurden mitgerissen, Mülltonnen und Gartengeräte gleich mit. Informationen über Schäden liegen uns derzeit noch nicht vor. Hier finden Sie Fotos der Auswirkungen. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.

Hier ein zweites Video der Flutwelle in Kaufungen:

Umgestürzte Bäume und Hochwasser

Im Kreisteil Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) stürzten an mehreren Orten Bäume um: In Kirchhof fiel ein Baum auf ein Hausdach, in Melsungen knickte eine Tanne neben dem Sparkassengebäude ein.

Umgestürzt: Der Tannenbaum neben dem Sparkassengebäude in Melsungen hielt dem Sturm nicht stand.

Der Sturm sorgte in der Schwalm für einige Schäden. Die Polizei Schwalmstadt zog am Nachmittag eine Zwischenbilanz: Bis dahin seien nur Kleinigkeiten passiert, Unfälle habe es durch den Sturm nicht gegeben. Allerdings seien zwischen dem Schrecksbacher Ortsteil Röllshausen und dem Neukirchener Ortsteil Wincherode Bäume auf die Straße gefallen, die von der Straßenmeisterei beseitigt wurden. Die Feuerwehr Frielendorf wurde zu einem Einsatz gerufen, weil am Silbersee ein Baum auf zwei Autos gekippt war.

Mehrere  Vorfälle infolge von umgestürzten Bäumen wurden in Waldeck-Frankenberg gemeldet, das berichtet die Polizei. Die Bundesstraße zwischen Bromskirchen und Allendorf war am Mittwochmittag in beide Richtungen voll gesperrt: Zwei Bäume hingen über der Fahrbahn fest, die Forstbehörde musste mit schwerem Gerät anrücken, um sie zu zersägen und von der Straße zu räumen. 

Bäume hingen über der B236: Mit schwerem Gerät mussten sie beseitigt werden

Eine Baumkrone stürzte zudem um 7 Uhr auf die Bundesstraße bei Battenberg-Laisa, auch auf der Landstraße zwischen Bromskirchen und Somplar sowie zwischen Rosenthal und Rosenthal-Roda lagen Bäume quer. 

Leicht verletzt wurde eine Frau, die gegen 7.25 Uhr gegen einen umgestürzten Baum zwischen Battenberg-Laisa und Battenberg Eifa gefahren war. Auf der Landstraße bei Diemelsee-Kotthausen wurden zwei Pkw aufgrund eines quer liegenden Baums beschädigt, hier kam es zu Verkehrsbehinderungen.

Am Vormittag meldeten Verkehrsteilnehmer zwölf weitere Vorfälle: immer wieder blockierten umgestürzte Bäume die Fahrbahnen. Auf mehreren Bundesstraßen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Ein Verkehrsunfall wurde bei Haina-Bockendorf gemeldet: Hier fuhr ein Auto gegen einen Baum. In Frankenberg beschädigte ein umstürzender Baum parkende Fahrzeuge.

Die Wetterlage in Waldeck-Frankenberg hat sich mittlerweile beruhigt.

Am Mittwochvormittag war das Unwetter auch in Kassel zu spüren:

Im Landkreis Kassel wurden kleinere Ausuferungen der Losse in Helsa beobachtet. In Bad Emstal stürzte ein 10 Tonnen schwerer Baum auf ein Hausdach. Es entstand ein Schaden in Höhe von 25.000 Euro.

Baum stürzt in Bad Emstal auf Dach: Haus möglicherweise unbewohnbar

Im Werra-Meißner-Kreis regnet, weht und donnert es. Bei Waldkappel-Bischhausen ist gegen 7.30 Uhr ein Baum auf die B7 gefallen. Verkehrsbehinderungen gibt es auf der B7 außerdem zwischen Wendershausen und Rückerode aufgrund von Wassermassen. Bei Sontra-Hornel stürzte ein Baum auf die Straße. 

Kurzzeitig kommt es im Kreis immer wieder zu halbseitigen Sperrungen der Straßen, Feuerwehren und Straßenmeistereien sind im Einsatz. 

In Ringgau-Netra sind gegen 7 Uhr Keller vollgelaufen, das meldet die Leitstelle beim Werra-Meißner-Kreis. 

Hann.Münden bereitet sich bereits auf Hochwasser vor: Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann.Münden geht am Mittwochmorgen von einem Pegelstand von 4,50 Meter aus. Die Hochwassergefahr ab Meldestufe 1 greift ab 4 Metern. Am Nachmittag sollen Sandsäcke gefüllt werden.

Hann. Mündener Feuerwehrleute im Einsatz: Am frühen Morgen des Mittwoch, 3. Januar, war ein Baum auf ein Auto gefallen. 

Am frühen Morgen stürzte hier außerdem ein Baum auf ein Auto.

"Burglind" in Südniedersachsen

Für den Mittwoch sind auch für den Landkreis Northeim Unwetter vorausgesagt, doch noch ist alles verhältnismäßig ruhig. Allerdings ist es sehr stürmisch.

Kritischer sieht es dagegen an der Hochwasserfront aus: In einigen Bereichen, darunter in Northeim, Berka und Greene, wurde die Hochwasser-Meldestufe 1 am Mittwochmorgen bereits überschritten. Im Bereich Kreiensen ist eine Straße inzwischen wegen Überschwemmung durch die starken Regenfälle in der Nacht und am Morgen gesperrt, laut Polizei Northeim ist es ansonsten "noch ziemlich ruhig".

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) meldet für das Hochwasserrückhaltebecken in Salzderhelden aktuell einen Abfluss von mehr als 86 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Leine. Die Prognosen sagen einen weiteren Anstieg des Abflusses und damit auch einen Anstieg der Pegelstände voraus. Noch sind aber keine Gewässer über die Ufer getreten.

Stand unter Wasser: Das Feuerwehrgerätehaus in Wiensen.

In Uslar-Wiensen stand das Feuerwehrhaus sowie der benachbarte Gruppenraum des Dorfgemeinschaftshauses unter Wasser. In Sohlingen drohte die Bleichstraße wieder überflutet zu werden, rechtzeitig konnte aber die Roste der Beeke gesäubert werden, sodass der Bach nicht über die Ufer trat.

Auswirkungen in Südniedersachsen

In Göttingen wurde der Sandweg aufgrund von starken Regenfällen gesperrt, am Göttinger Hagenberg stürzte ein Baum auf die Fahrbahn und sorgte für eine kurzzeitige Behinderung des Verkehrs. Die Leine stieg seit dem frühen Morgen an, am Mittwochmittag lag er allerdings noch unterhalb der Meldestufe 2.

In der Nacht zu Donnerstag hat das Sturmtief Polizei und Feuerwehr in Niedersachsen nur noch vereinzelt auf den Plan gerufen. In Emden, Bremen und Cuxhaven brachten die Ausläufer von "Burglind" eine leichte Sturmflut, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sagte. Der Fährverkehr zu den Ostfriesischen Inseln wurde wieder aufgenommen. 

Am Mittwoch gab es vor allem an der Küste orkanartige Böen. Auf Spiekeroog wurde in der Spitze eine Windgeschwindigkeit von 112 Kilometern pro Stunde gemessen. Im Landkreis Schaumburg stürzte eine Windkraftanlage um. Menschen wurden bei dem Vorfall in Volksdorf nicht verletzt worden, berichtete die Polizei.

Auswirkungen in Hessen

Mit teils heftigen Böen ist Sturmtief "Burglind" am Mittwochmorgen über Hessen gefegt. Vielerorts stürzten Bäume um und sorgten so für Verkehrsbehinderungen im morgendlichen Berufsverkehr. Bei Limburg fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Die Route sei zwischen den Stadtteilen Eschhofen und Lindenholzhausen unterbrochen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen. 

Am Frankfurter Flughafen kam es zu Verspätungen. Das Polizeipräsidium Westhessen registrierte zahlreiche umgestürzte Bäume. Es gingen laufend Meldungen ein, vor allem für den Rheingau, Hochtaunus und Limburg, sagte ein Sprecher. Die Polizei riet auch über den Kurznachrichtendienst Twitter, vorsichtig zu sein, gerade bei Fahrten durch Waldgebiete. 

Auch in Südhessen gab es entwurzelte Bäume. Am Frankfurter Flughafen musste nach Angaben eines Sprechers das Anflugsystem wegen des Sturms verlangsamt werden. Dadurch seien nur noch 40 statt der sonst etwa 60 Starts und Landungen pro Stunde möglich. Geduld brauchten auch Bahnreisende zwischen Gießen und Frankfurt.

Die Main-Weser-Bahn konnte kurzzeitig zwischen Langgöns und Kirch-Göns einem Bahnsprecher zufolge nur eingleisig fahren. Dadurch sei es zu Verspätungen gekommen.

"Burglind" über Deutschland

Orkanartige Böen mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde sind außerdem über den Westen Deutschlands gefegt. In Nordrhein-Westfalen kam es zu vielen Verkehrsbehinderungen durch Tief "Burglind". 

Laut Polizei standen etwa Straßen in Essen und Mülheim unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Ein umgestürzter Baum blockierte die wichtige Regionalbahnlinie zwischen Aachen und Düsseldorf. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen. 

Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn. Die Polizei in NRW bat Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. "Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um", sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen in der Nacht zum Mittwoch. Vor allem in Wäldern solle man sich am Mittwoch lieber nicht aufhalten. Eine Kaltfront mit heftigen Winden, kräftigem Regen und möglichen kurzen Gewittern sollte vom Westen aus über Deutschland ziehen. Ab vier Uhr waren auch im Saarland und Rheinland-Pfalz orkanartige Böen zu erwarten. 

Aktuelle Unwetterwarnungen vom Deutschen Wetterdienst finden Sie hier.

Das Ganze sollte laut Hausen "rasend schnell" vorbeigehen. "Es gibt kurze, heftige Böen." Für den Südwesten von Nordrhein-Westfalen, das westliche Rheinland-Pfalz und große Teile des Saarlandes hatte der Deutsche Wetterdienst für den Zeitraum zwischen 4.30 Uhr und 7 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Man sollte Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten. Am Vormittag sollte die Kaltfront in Richtung südliches Hessen, Baden-Württemberg und Bayern weiterziehen. Der Wind dürfte laut Hausen Spitzengeschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern erreichen. 

Die Unwettergefahr nehme im Laufe des Vormittags vom Westen aus ab, so der Meteorologe. An der Nordseeküste könne es am späten Vormittag orkanartige Böen geben. Ganztägig wird im Alpenvorland in Höhenlagen ab 1500 Metern vor Orkanböen gewarnt. In Hochlagen im Harz und auf dem Fichtelberg im Erzgebirge gilt das bis Donnerstagmorgen. Durch Windböen umgestürzte Bäume sorgen immer wieder für Beeinträchtigungen auf den Schienen. Die Deutsche Bahn beobachtet die Wetterlage genau, wie ein Sprecher in Frankfurt am Main am Dienstag sagte. Bundesweit stünden etwa an mehreren Standorten Reparaturtrupps und -fahrzeuge bereit, um Sturmschäden an Oberleitungen zu beseitigen.

mit dpa

Rubriklistenbild: © Privat

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