Tunnel-Unglück: Wieso raste der Bus in die Notbucht?

Siders - Kurz vor dem Unglück schwärmten die Schüler noch von “Superferien“. Dann endet ihr Skiurlaub in einer Tragödie. 28 Menschen sterben, darunter 22 Kinder, als ihr Bus an eine Tunnelwand schleudert.

Die ersten Angehörigen der Opfer des Busunglücks in der Schweizsind am Mittwochnachmittag in Genf angekommen. Ein Airbus aus Brüssel landete nach Informationen der Nachrichtenagentur Belga um kurz nach 15 Uhr. An Bord der Maschine waren auch Psychologen.

In dem Unglücksbus in der Schweiz befand sich nach belgischen Angaben auch ein Deutscher. Dies teilte der belgische Regierungschef Elio Di Rupo am Mittwoch vor Journalisten mit. Im Bus seien außer den Schülern aus Belgien auch zehn Kinder aus den Niederlanden gewesen. Er sagte nicht, ob es sich bei dem Deutschen möglicherweise um den Fahrer des Busses handelte.

Die Kinder kamen nach Angaben belgischer Behörden aus der Grundschule t'Stekske in Lommel an der niederländischen Grenze und aus der Schule Sint Lambertus aus Herverlee nahe Brüssel. Wie der belgische Außenminister Didier Reynders mitteilte, gehörten zwei weitere Busse zu dem Konvoi. Sie seien jedoch nicht in das Unglück verwickelt worden.

Bus-Unfall auf Klassenfahrt: 28 Tote

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Was sich exakt am Dienstag gegen 21.15 Uhr in dem knapp 2,5 Kilometer langen Tunnel abspielte, war zunächst unklar. Ersten Ermittlungen zufolge streifte der Reisebus einen Bordstein in der Tunnelröhre und wurde gegen eine Nothaltestelle an der Wand geschleudert.

“Es war wie im Krieg“, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Christian Varone, zu den Rettungsarbeiten. “Mit einer so großen Anzahl von jungen Toten“ - das habe er noch nicht erlebt.

Der Fahrer des verunglückten Autobusses kann nach Ansicht des Staatssekretärs im belgischen Verkehrsministerium nicht übermüdet gewesen sein. “Die Fahrer sind am Vortag angekommen und haben den Tag an Ort und Stelle verbracht, bevor sie losgefahren sind“, sagte Melchior Wathelet. “Es sieht so aus, als seien die Bestimmungen über die Fahrzeiten eingehalten worden.“ Die Rückfahrt hatte am Abend begonnen. Auch auf dem Hinweg waren die Kinder nachts unterwegs.

Wathelet sagte, es habe sich um “einen Bus der neusten Generation mit allen empfohlenen Sicherheitseinrichtungen“ gehandelt. Dazu gehören auch Sicherheitsgurte. “Ich war auch in Skiferien, und damals hat man sich ganz frei im Bus bewegt. Jetzt wird einem klar, wie gefährlich das war“, sagte der Staatssekretär.

"Heute war es absolut großartig"

Belgiens König Albert II. ist unterdessen “zutiefst schockiert“ über den Unfall. “Die Gedanken des Königs sind bei den Opfern und deren Familien“, sagte ein Sprecher des Palasts am Mittwoch in Brüssel. Zunächst stand noch nicht fest, ob und wann der König ebenso wie Premierminister Elio Di Rupo in die Schweiz reisen werde.

Die Kinder, die nun verunglückten, hatten in einem Blog ihre Erlebnisse geschildert. “Heute war es absolut großartig“, schrieb ein Mädchen. “Der Abenteuerspaziergang war anstrengend aber mega cool. Wir haben den ersten Preis für das sauberste Zimmer gewonnen. Morgen wird es noch kälter. Byyyeee!“

Am fünften Tag machte ein Lehrer einen Eintrag, wohl auch, um die Eltern zu Hause zu beruhigen. “Bis jetzt gibt es kaum Heimweh“, schrieb er. “Trotzdem werden Sie von Ihren Kindern ein bisschen vermisst.“

mm/dpa/ap

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