Tödlicher Virus-Überträger

Gefährliche Buschmücke erobert Deutschland

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Die Asiatische Buschmücke vermehrt sich in Deutschland offenbar immer stärker.

Müncheberg - Sie ist besonders aggressiv und gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers und anderer Virenerkrankungen. Die gefährliche asiatische Buschmücke ist in Deutschland auf dem Vormarsch.

Sie ist besonders aggressiv und gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers und anderer Virenerkrankungen. Lange Zeit galt die asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in Europa als Exot, doch nun hat sie sich offenbar in Deutschland fest etabliert. „Wir haben in diesem Sommer im Norden von Rheinland-Pfalz eine größere Population der ursprünglich in Japan, Korea und Südchina beheimateten Stechmückenart nachgewiesen“, sagte am Montag eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der vorpommerschen Insel Riems.

Auf die Spur des Insekts kamen die Wissenschaftler bei der Erstellung eines sogenannten Mücken-Atlasses (www.mueckenatlas.de), den Experten von Tierviruserkrankungen in Kooperation mit dem brandenburgischen Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg entwickeln. Mehrere Einwohner aus Bonn hatten in diesem Jahr Exemplare der exotischen Mückenart eingeschickt. Bei Untersuchungen vor Ort stießen die Forscher dann in der Bonner Region auf zahlreiche Exemplare. Die Tiere vermehrten sich vor allem in Blumenvasen, Gießkannen und anderen Wasserbehältern in Gärten und auf Friedhöfen, sagte die Sprecherin.

Mittlerweile gehen die Forscher von einer stabilen Mückenpopulation aus, die sich über ein 2.000 Quadratkilometer großes Territorium zwischen Köln und Koblenz erstreckt. Nach Einschätzung der Experten befindet sich damit die Asiatische Buschmücke vermutlich im Zuge des Klimawandels in Deutschland eindeutig auf dem Vormarsch. Bislang war die Insektenart nur lokal in Belgien sowie auf größeren Flächen in der Nordschweiz und in Baden-Württemberg nachgewiesen worden. „Eine weitere Ausbreitung halten wir für sehr wahrscheinlich“, sagte der Riemser Insektenkundler Helge Kampen, der seit Juli 2011 eine Datenbank der in Deutschland lebenden Mückenarten erstellt.

Auch noch gefährlichere Tigermücke gesichtet

Mit ihren auffällig silbrig-weißen Querbinden am Körper und auf den Beinen ähnelt die Buschmückenart der Asiatischen Tigermücke (Aedes (Stegomyia) albopictus) aus Südostasien, von der auch schon in einzelne Exemplare in Deutschland gesichtet wurden und die als ungleich gefährlicher eingestuft ist. Sie war zuletzt vor einem Jahr an einer Autobahnraststätte im Oberrheintal nachgewiesen worden.

Blutrünstige Plagegeister: Kleine Mückenkunde

Je feuchter und wärmer der Sommer, desto besser vermehren sich Mücken. Eine Pfütze reicht ihnen schon. Doch nur die Weibchen stechen zu. Eine kleine Mückenkunde: © dpa
Warum stechen Mücken? Stechmücken ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Für die Reifung der Eier bei der Vermehrung braucht das Weibchen allerdings eiweißreiche Nahrung. Nur darum saugt es Blut - bei Tier und Mensch. © dpa
Ein Mückenweibchen kann nach einer Blutmahlzeit bis zu 300 Eier legen. Die Vermehrung von Mücken ist temperaturabhängig und dauert im Sommer nur wenige Tage. © dpa
Mückenweibchen besitzen für das Blutsaugen einen hochspezialisierten Rüssel. Beim Blutsaugen wird Speichelflüssigkeit abgegeben, die unter anderem die Stichstelle betäubt. Das Speichelsekret wird in der Regel erst nach dem Stich vom Immunsystem des Gestochenen erkannt. Es löst den Juckreiz und kleine Schwellungen aus. © dpa
Können Mücken Krankheiten übertragen? Für unsere Breiten ist das nicht bekannt. Vor allem in den Tropen gelten Mücken aber als Überträger zahlreicher Krankheitserreger wie Viren, Einzeller und Fadenwürmer. © dpa
Gefährliche Krankheiten, die mit Stechmücken in Zusammenhang stehen, sind die Malaria oder das Gelbfieber. Doch nicht jede Mückenart kann jeden Erreger übertragen. © dpa
Wie schützt man sich am besten vor Mücken?Wer keine Plagegeister mag, sollte auf dünne Kleidung und nackte Haut verzichten. Da viele Mückenarten die Schwüle und die Dämmerung lieben, empfiehlt es sich, im Haus zu bleiben. Dort können Fenstergitter Mücken fernhalten. Haut mit natürlichen und synthetischen Abwehrstoffe einschmieren oder auch damit die Kleidung imprägnieren.  © dpa
Oberstes Gebot ist beim Mückenstich: nicht kratzen! Durch das Kratzen verlängert sich nicht nur der Heilungsprozess, sondern es kann auch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, die sich zu bösen Entzündungen entwickeln können. Durch Einreiben mit alkoholischen Lösungen kann man die Stichwunde desinfizieren. Kühlung hilft, den Juckreiz zu unterdrücken. Nach einigen Tagen sollten Juckreiz und Quaddel verschwunden sein.   © dpa

Eine Ansiedlung der Asiatischen Tigermücke wäre aber viel dramatischer zu bewerten, warnte Kempen. Denn sie könne das tropische Dengue- oder Chikungunya-Fieber übertragen, eine gefährliche, schwere Grippe-Erkrankung, gegen die es bislang weder eine Impfung noch eine antivirale Behandlung gebe. Im schlimmsten Fall kommt es zu inneren Blutungen, die bis zum Tod führen können.

dapd

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