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Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

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Von: Kathrin Böhmer

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Busunfall in Italien
Flammenhölle: Der Bus stand lichterloh in Flammen auf einer Autobahn nahe Verona. © dpa

Verona - Mitten in der Nacht prallt ein Bus gegen einen Pfeiler und fängt Feuer, ein Schülerausflug endet auf grausame Weise. Ein Lehrer rettet offenbar mehreren Insassen das Leben.

Drama auf dem Rückweg von einer Skifreizeit: Bei einem schweren Busunglück im Norden Italiens sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. 13 Insassen des ungarischen Reisebusses wurden schwer verletzt, 13 weitere leicht, wie Polizeikommandant Girolamo Lacquaniti am Samstag dem italienischen Sender Sky TG24 sagte. Der Bus mit 15 bis 19 Jahre alten Schülern sowie mehreren Lehrern sei aus Frankreich kommend kurz vor Mitternacht bei Verona von der Autobahn abgekommen, gegen einen Pfeiler gekracht und in Flammen aufgegangen. Deutsche Busunfallexperten sprachen von besonders „tragischen Umständen“ bei dem Unglück.

In dem Bus befanden sich Schüler und Lehrer des Budapester Szinyei-Merse-Gymnasiums, wie das Portal „index.hu“ unter Berufung auf Angehörige berichtete. An dem Gebäude wurde am Samstag eine schwarze Flagge gehisst, Menschen legten Blumen zum Gedenken an die Opfer nieder.

Opfer aus Bus geschleudert oder in Fahrzeug verbrannt

Die 14- bis 16-jährigen Schüler und ihre Begleiter waren auf dem Heimweg von einer Skireise in die französischen Berge, als ihr Bus aus noch ungeklärter Ursache auf einer Autobahn nahe Verona gegen einen Brückenpfeiler prallte. Der Bus fing Feuer und brannte aus. Einige Opfer wurden durch den Aufprall direkt aus dem Bus geschleudert und starben auf diese Weise. Andere Opfer verbrannten im Inneren des Fahrzeugs.

Dem ungarischen Außenministerium zufolge befanden sich 56 Menschen an Bord des Busses: Schüler, einige Eltern und Lehrer sowie zwei Busfahrer. Ein französischer Busfahrer war laut italienischen Medienberichten unter den Todesopfern. Veronas Polizei-Chef Lacquaniti sagte, möglicherweise hätten sich aber noch zwei weitere Menschen in dem Bus befunden. Die italienische Polizei sprach am Samstagabend von 16 Toten und 28 Verletzten.

Ein Schwerverletzter offenbar im künstlichen Koma

Laut Ungarns Generalkonsulin in Mailand, Judit Timaffy, wurden zwei erwachsene Insassen schwer verletzt, einer von ihnen sei in ein künstliches Koma versetzt worden. Die Verletzten wurden in Krankenhäusern in der Region behandelt. Zwölf Überlebende, die nicht ins Krankenhaus mussten, wurden in einem Hotel von einem Psychologen betreut. Einige Angehörige aus Ungarn waren bereits angereist.

Laut Timaffy verdanken viele Insassen einem Sportlehrer ihr Leben: Dieser habe mit seinem beherzten Eingreifen "viele Jugendliche gerettet." Er sei mehrmals in den brennenden Bus zurückgekehrt, um Mitreisende hinauszutragen, und liege nun selbst mit schweren Verbrennungen am Rücken im Krankenhaus. Viele der Schüler, die im hinteren Teil des Busses saßen, hätten sich selbst befreien können, indem sie die Scheiben zerschlugen, sagte Timaffy.

13 Insassen sollen sich aus Bus gerettet haben

Polizeichef Lacquaniti, sagte im Sender Radio Capitale, 13 Insassen seien aus dem Bus gesprungen. Zur Unglücksursache konnte der Polizeichef noch keine Angaben machen, die Polizei sammelte weiter Beweise und wertete Videoaufzeichnungen aus.

Auf jeden Fall sei kein weiteres Fahrzeug am Unfall beteiligt gewesen, sagte Lacquaniti. Daher komme als Ursache ein technisches Problem oder menschliches Versagen in Frage. "Der Bus ist mit einer recht konstanten Geschwindigkeit gefahren und wir haben keine Bremsspuren gefunden", sagte Lacquaniti.

Fotos von dem Unglück zeigen einen Feuerball, von dem Fahrzeug blieb letztlich nur ein ausgebranntes Wrack. In den Unfall seien keine weiteren Fahrzeuge verwickelt gewesen, sagte Lacquaniti. Das lasse darauf schließen, dass der Busfahrer in einen Sekundenschlaf fiel oder das Fahrzeug wegen eines technischen Defekts von der Straße abkam.

Augenzeuge will beschädigtes Rad festgestellt haben

Ein slowenischer Lastwagenfahrer war offiziellen Angaben zufolge Zeuge des Unglücks. Er sagte aus, er habe bei der Fahrt hinter dem Bus festgestellt, dass wohl ein Rad beschädigt gewesen sei. Er habe noch versucht, den Busfahrer mit Lichthupe zu warnen, dies habe aber nichts mehr genutzt.

Der internationale Bustouristik-Verband RDA sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und schickte den Verletzten Genesungswünsche. Nach ersten Erkenntnissen hätten tragische Umstände eine Rolle gespielt: Der Bus sei so unglücklich längs der Leitplanke zum Stehen gekommen, dass sich die rechts liegenden Türen nicht mehr hätten öffnen lassen. „Im sich rasch ausbreitenden Feuer mussten sich alle Insassen, teilweise auch durch den Aufprall verletzt, durch die Fenster nach draußen retten.“

Der Bus sei nach dem Aufprall wohl wegen eines Kurzschlusses im Hauptstromverteilerkasten rechts vorne in Brand geraten, sagte Johannes Hübner, Leiter der Reisebus-Sicherheitsinitiative des Verbands, der Deutschen Presse-Agentur. „Eigentlich ist es nur so zu erklären, dass sich der Brand so schnell ausgebreitet hat.“

Orbán pocht auf enge Zusammenarbeit bei Ermittlungen

Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni bekundete seine Anteilnahme für die Opfer des Unglücks in einem Telefongespräch mit seinem ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán. Nach Angaben eines ungarischen Regierungssprechers pochte Orbán auf eine möglichst enge Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden beider Länder, um die Ursachen der Tragödie zu klären. Außenminister Peter Szijjarto sagte, die Regierung in Budapest werde sämtliche Kosten für den Heimtransport der Überlebenden sowie die Reisekosten jener Eltern übernehmen, die nach Verona reisen wollten.

Orbán rief für Montag Staatstrauer aus. Er erklärte, er bete gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer "dieser Tragödie", wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI meldete. Die ungarische Regierung werde alles tun, "um das Leid der Familien zu mildern", sagte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto im Fernsehen. Vor der Szinyei-Schule im Herzen von Budapest legten Menschen Blumen nieder und stellten Kerzen auf.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit Bestürzung auf das schwere Busunglück. Die Kanzlerin habe ihren Kollegen Orbán und Gentiloni ihr Beileid übermittelt, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. „Ihre Gedanken sind bei den Familien der Opfer.“

RDA-Vize: Schwarzer Tag für Bustouristik

RDA-Vizepräsident Heinrich Marti sprach von einem schwarzen Tag für die Bustouristik. Er verwies darauf, dass es 2016 die niedrigste Zahl schwerer Reisebusunfälle in Europa seit mehr als zehn Jahren gegeben habe. Sein Verband werde sich weiter aktiv für die Verbesserung des hohen Sicherheitsniveaus von Busreisen engagieren.

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella schickte ein Kondolenzschreiben an den ungarischen Präsidenten Janos Ader. Außenminister Peter Szijjarto bekundete seine Anteilnahme für die Opfer des Unglücks: Die Regierung in Budapest werde sämtliche Kosten für den Heimtransport der Überlebenden sowie die Reisekosten jener Eltern übernehmen, die nach Verona reisen wollten.

dpa, afp

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