Wie der Internetriese uns alle benutzt

Sicherheitsabfragen: Google benutzt Nutzer als Mitarbeiter

„Captchas“: Mit solchen Abfragen will Google im Netz Menschen von Maschinen unterscheiden – und Profit schlagen. Screenshots: Google

Kassel. Durch sogenannte Captcha-Abfragen nehmen Nutzer dem Internetriesen Google unfreiwillig Arbeit ab und werden so zu unbezahlten Hilfsarbeitern.

Sind Sie ein Mensch oder ein Roboter? Um diese Frage zu beantworten, benutzen viele Internetseiten sogenannte Captcha-Abfragen. Meist müssen Internetnutzer dabei ein verzerrtes Wort oder eine unscharfe Nummer erkennen und in ein Feld eingeben, um mit dem Surfen fortfahren zu können. Das soll verhindern, dass Internetseiten, wie Foren, von schädlicher Software angegriffen und mit unseriösem Inhalt gefüllt werden.

Was viele nicht wussten: Durch diese Captcha-Abfragen nehmen Nutzer dem Internetriesen Google unfreiwillig Arbeit ab. Das will Google jetzt zwar teilweise ändern (siehe Hintergrund). Doch offensive Aufklärung der Nutzer lässt der Konzern noch immer vermissen.

Die unleserlichen Textfetzen, die bislang vom Nutzer entziffert werden mussten, stammen aus eingescannten Textdokumenten, die digitalisiert werden sollen - wie etwa für das Angebot „Google Books“, das Bücher erfasst und so am Computer lesbar und durchsuchbar macht.

Wie das Magazin Forbes berichtet, hat die New York Times auf diese Weise Millionen Zeitungsartikel und Bücher elektronisch erfassen lassen - mit Hilfe der Internetnutzer, die verzerrte Textpassagen als Teil der Captcha-Abfrage entschlüsselt haben. Seit 2012 benutzt Google die Abfragen der Konzerntochter „reCAPTCHA“, die diesen Service Betreibern von Internetseiten zur Verfügung stellt, auch dafür, Hausnummern aus dem Dienst „Street View“ zu entziffern. Dieser Dienst ermöglicht es, am Computer durch zuvor von Google abfotografierte Straßen zu wandern.

Das Vorgehen der unfreiwilligen Mitarbeit von Internetnutzern wurde erstmals vor zwei Jahren in Branchenkreisen kritisiert. Der Zweck sei zwar gut, Google habe es aber versäumt, Nutzer der Software konkret darauf hinzuweisen. Ein Großteil der Anwender habe nicht gewusst, dass es damit Texte und Adressen entziffere.

Eine neue Sicherheitsabfrage einzuführen, ist auch deshalb wichtig, weil das alte Programm ohnehin kaum gegen Spam geholfen habe, berichtet das Nachrichtenportal „techcrunch.com“. 99,8 Prozent der Abfragen hätten von Schadsoftware umgangen werden können. Dass sich das mit Einführung des neuen Systems ändert, ist nicht sicher: Der Umstieg auf das neue System ist für Betreiber von Internetseiten freiwillig.

Von Sebastian Lammel 

Hintergrund

Neue Version einfacher zu bedienen 

Künftig sollen Internetnutzer nur noch einen einzigen Haken setzen müssen, um sich gegenüber Google als Mensch auszuweisen. Nur, wenn Google das Surfverhalten des Internetnutzers verdächtig findet - es also Hinweise darauf gibt, dass es sich nicht um einen Menschen, sondern um ein unerwünschtes Computerprogramm handel - erfolgt eine Sicherheitsabfrage über das bekannte System mit den unleserlichen Wörtern. Um das Vorgehen für Menschen zu erleichtern, die mit Tabletcomputern und Smartphones im Internet surfen, sollen diesen Hunde- und Katzenbilder angezeigt werden, die die Nutzer nach Tierart unterscheiden müssen. (sal)

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