Streit um Prostitution

China: Deutsche Flagge als Symbol für Sexarbeit

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Die Flagge Deutschlands dient in China als Symbol in einem Streit um Sexarbeit.

Peking - Mit Macht geht Chinas Polizei gegen Sexarbeit vor. Im Internet tobt ein Streit über die Aktion. Und plötzlich wird sogar die deutsche Flagge in den Konflikt gezogen.

Schwarz-Rot-Gold, die Flagge der Bundesrepublik Deutschland ist Hoheitszeichen und Staatssymbol. Aber in China ist sie plötzlich mitten in einen Streit um Sexarbeit geraten. In Sozialen Netzwerken wird das Bild der Bundesflagge millionenfach geklickt und tausendfach geteilt.

In einer neuen Kampagne organisieren Polizisten in Südchina Großrazzien gegen Bordelle. Im Internet tobt ein Streit zwischen begeisterten Befürwortern und strikten Gegnern der Aktion. Und beide Lager haben das deutsche Staatssymbol zu ihrem Logo erklärt.

Gelb ist Synonym für Sexindustrie

Das Gold der Flagge wird als gelb interpretiert. Gelb wird in China oft als Synonym für Pornografie oder die Sexindustrie verwendet.

Alles begann mit einem Bericht in Chinas Staatsfernsehen über die Sexindustrie in der Stadt Dongguan in der südchinesischen Provinz Kanton. Mit versteckter Kamera gingen die Reporter des Senders CCTV in Hotels, Wellnesscenter und Massage-Salons. Sie filmten, wie in Hinterzimmern das illegale Geschäft stattfindet.

Noch während der Bericht am Sonntag ausgestrahlt wurde, schwärmten Hunderte Polizisten zu einer Großrazzia in der Stadt aus. Dann wurde die Aktion auf die ganze Provinz ausgeweitet und bis Donnerstag mehr als 18.000 Häuser durchsucht und rund 1000 Verdächtige festgenommen, wie die Polizei mitteilte.

Im Internet gab es Zuspruch, aber auch viel Kritik am überzogenen Aktionismus und harten Vorgehen gegen die Sexarbeiterinnen statt gegen ihre Freier. Und dann kam plötzlich die deutsche Flagge ins Spiel.

Es ist nicht klar, welche Seite angefangen hat, aber beide Lager interpretierten plötzlich ihre Sicht der Dinge in das Staatssymbol: „Schwarz schlagen, rot singen und gelb wegwischen“, skandieren die Regierungsunterstützer drei Slogans, die sich frei mit „Korruption bekämpfen, Revolutionslieder singen und Sexarbeit beseitigen“ übersetzen lassen.

Zehn Millionen Sexarbeiter in China

Die Gegner der Regierungsaktion machten die deutsche Flagge auch zum Symbol für ihre Argumente. Ein Nutzer prägte die Interpretation in Anlehnung an gesellschaftliche Schichten: „Die Spitze ist korrupt (schwarz), die Mitte blutet aus (rot) und die unterste Stufe macht Sexarbeit (gelb).“

Anstatt sich an die wahren Übeltäter in den Führungsriegen der Partei und Wirtschaft zu wagen, versuche die Regierung nur mit der Kampagne abzulenken.

Die Soziologin Li Yinhe von Chinas Akademie der Sozialwissenschaften ist über den heftigen Streit um den Umgang mit der Sexarbeit nicht überrascht. „Das war überfällig. Die chinesischen Gesetze sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

Chinas Regierung beschreibt Sexarbeit als „hässliches soziales Phänomen“ und stellt Organisation, Kauf und Verkauf von Sex unter Strafe. Li fordert eine Entkriminalisierung, um die Rechte von Sexarbeiterinnen stärker zu schützen, und sie besser vor Krankheiten wie Aids bewahren zu können.

Denn trotz aller Verbote und Kontrollen sind Straßenstrichs und Bordelle weit verbreitet. In Hochrechnungen wurde die Zahl der Sexarbeiter in China auf vier bis sechs Millionen geschätzt. Eine Pekinger Bürgerinitiative für Frauenrecht ging für das Jahr 2010 sogar von zehn Millionen Sexarbeitern in China aus.

Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch prangerte vergangenes Jahr an, dass die Machenschaften in dem Gewerbe teilweise von einflussreichen Funktionären gedeckt werden, Sexarbeiterinnen gar oft Opfer von Polizeigewalt werden. Eine Gesetzesreform sei dringend nötig.

dpa

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