In China

Selbstmord für rechtzeitige Sarg-Bestattung

Peking - Um noch rechtzeitig vor einem Verbot von Sarg-Bestattungen zu sterben, haben sechs ältere Menschen im Osten Chinas einem Zeitungsbericht zufolge Selbstmord begangen.

 Wie die "Pekinger Nachrichten" am Mittwoch berichteten, hatten die Behörden der Stadt Anqing angeordnet, dass nach dem 1. Juni Verstorbenen eingeäschert werden müssen. Wie auch in anderen Teilen Chinas wird Agrar- und Bauland dort knapp, und mit der Kampagne für Einäscherungen soll wertvolles Terrain gewonnen werden. Dies widerspricht jedoch der tausende Jahre alten chinesischen Tradition der Ahnenverehrung.

Wie die Zeitung nun unter Berufung auf Familienangehörige berichtet, begannen Vertreter der Stadt bereits im Mai mit der Beschlagnahme von Särgen. Vor den Augen der 83-jährigen Zhen Shifang zersägten sie deren bereits seit langem vorbereiteten Sarg. Die alte Dame sei derart erschüttert gewesen, dass sie sich umgebracht habe, ebenso wie die 91-jährige Wu Zhengde, eine 68-jährige Frau und drei andere Greise. Der Anwalt Zheng Daoli hält dem Blatt zufolge die Beschlagnahme der Särge von ihren rechtmäßigen Besitzern für illegal.

Dagegen erklärte die Propagandaabteilung der Stadtverwaltung, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem neuen Verbot und den Selbstmorden gebe. "China ist ein großes Land, Tod und Krankheit bei alten Menschen ist völlig normal", sagte ein Vertreter der Zeitung. Zudem hätten die Leute ihre Särge freiwillig hergegeben.

Viele Einwohner von Anqing planen ihre Bestattung über Jahre im Voraus, entsprechend liebevoll bereiten sie auch ihre Särge vor. Ein Bewohner mit dem Nachnamen Shi sagte den "Pekiner Nachrichten", er habe ein hartes Leben gehabt, deshalb wolle er wenigstens nach seinem Tod gemütlich und vor Regen geschützt schlafen - "in einem Sarg". Laut dem Blatt wurden die Einwohner erst im April von dem neuen Verbot informiert.

Um wertvolles Agrar- oder Bauland zu gewinnen, versuchen die Behörden landesweit, die Menschen für die Einäscherung zu gewinnen. Immer wieder werden zudem massenhaft Gräber zerstört, so auch vor zwei Jahren in der zentralchinesischen Provinz Henan, wo 400.000 Grabstätten eingeebnet wurden. Das brutale Vorgehen der Behörden hatte damals in ganz China für Empörung gesorgt.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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