Gefängnis für Terroristen

Zahlte CIA Polen 11 Millionen für Geheim-Knast?

Warschau - Polen soll laut einer US-Zeitung Geld vom US-Geheimdienst erhalten haben, damit mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen im Land festgehalten und verhört werden konnten.

Nach jahrelangen Spekulationen und Gerüchten über ein geheimes CIA-Gefängnis in Polen gibt es laut „Washington Post“ neue Details über die Einrichtung. Die CIA habe im Jahr 2003 für die Nutzung des Gefängnisses 15 Millionen Dollar (11 Millionen Euro) an den polnischen Geheimdienst gezahlt, berichtete die Zeitung am Freitag.

Das Bargeld sei in zwei Pappkartons an die US-Botschaft in Warschau geschickt und dann an den Vizechef des polnischen Geheimdienstes übergeben worden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf ehemalige CIA-Mitarbeiter. In der Einrichtung sollen mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen verhört worden sein.

In Polen schlug der Bericht hohe Wellen. Dort laufen seit Jahren Ermittlungen zu den Vorwürfen geheimer CIA-Gefängnisse. „Ich hoffe, dass es zu keinen doppeldeutigen Finanzoperationen kam, die fremden Geheimdiensten auf polnischem Boden dienten“, sagte Regierungschef Donald Tusk in Warschau.

„Ich weiß nichts von diesen Geldern“, betonte dagegen der damalige Ministerpräsident Leszek Miller, der die Existenz eines geheimen CIA-Gefängnisses im Nordosten Polens stets bestritten hat. Ein Sprecher der Krakauer Staatsanwaltschaft kündigte an, der Artikel solle für die laufenden Ermittlungen ausgewertet werden.

Die Geschichte der CIA

Der amerikanische Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) sieht seine wichtigste Aufgabe heute in der Beschaffung von Auslandsinformationen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Gegründet wurde die Behörde 1947 im Kalten Krieg, um weltweit amerikanische Interessen gegen den Kommunismus zu verteidigen. © dpa
Die CIA mit Sitz in Langley (Virginia) ist technisch bestens gerüstet. Dazu gehören auch schwere Waffen und eigene militärische Kommandoeinheiten. Die Zahl der Agenten und das Budget sind geheim. Mehrere Jahre alte Schätzungen gehen von 17 000 Mitarbeitern und drei Milliarden Dollar, umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro, jährlich aus. © dpa
Der spektakulärste Misserfolg in der CIA-Geschichte war 1961 die gescheiterte Invasion von Söldnern in der kubanischen Schweinebucht, mit der Fidel Castros Sturz eingeleitet werden sollte. Das Bild zeigt die anschließende Krisensitzung mit dem damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. © dpa
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde dem Geheimdienst vorgeworfen, Informationen unterschätzt oder ignoriert zu haben, mit deren Hilfe die Terrorattacken möglicherweise hätten verhindert werden können. Das Bild zeigt die Trümmer des World Trade Centers am Ground Zero kurz nach dem Anschlag. © dpa
Leon Panetta, Chef der Behörde von 2009 bis 2011, machte die CIA zu einem wichtigen Pfeiler in den Anti-Terror-Kriegen der USA. © dpa
So verantwortete der Dienst in den vergangenen Jahren nach Angaben des britischen Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) mehr als 350 Drohnen-Angriffe auf Ziele in Pakistan, Jemen und Somalia. © dpa
Panettas größter Triumph war die Rolle des Geheimdienstes bei der Ausschaltung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Mai 2011. © dpa
Unter Panettas Nachfolger David Petraeus, dem Ex-Oberkommandierenden der internationalen Truppen in Afghanistan, stieg der Einfluss des Militärs auf den Geheimdienst. Der General trat im November 2012 wegen einer Sexaffäre als CIA-Chef zurück. © dpa
John Brennan ist - Stand Februar 2013 - der voraussichtlich neue Direktor des US-Geheimdienstes CIA. Brennan gilt als Chefstratege der geheimen Drohnen-Angriffe in Ländern wie Somalia, Pakistan und dem Jemen und ist deshalb umstritten. © dpa

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte 2005 unter anderem Polen und Rumänien beschuldigt, geheime Verhörzentren des US- Geheimdienstes CIA in ihren Ländern geduldet zu haben. Der Europarats-Sonderermittler Dick Marty veröffentlichte 2007 einen Bericht, in dem er die Existenz von CIA-Gefängnissen in Osteuropa als erwiesen sah. Alle polnischen Regierungen haben dies bisher vehement bestritten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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