Den Gangstern „auf den Füßen stehen“

Niedersachsen erstellt erstmals öffentliches Lagebild zur Clan-Kriminalität 

Clankriminalität
+
Clankriminalität

Das Land Niedersachsen will Clan-Kriminalität stärker bekämpfen. Erstmals sollen Vorfälle und Verbrechen mit Clan-Zusammenhang systematisch erfasst werden. 

  • 2019 wurden in Niedersachsen 1585 Straftaten durch kriminelle Clans verursacht
  • Landeskriminalamt will Vorfälle systematischer erfassen und auswerten
  • Polizeipräsens soll verstärkt werden

Einschüchtern, bedrohen, provozieren, eskalieren: Mitglieder krimineller Großfamilien, sogenannter Clans, missachten oft bewusst und öffentlichkeitswirksam geltende Regeln und Gesetze. 

Mit einer genaueren, systematischen Erfassung clan-typischer Ereignisse und einer deutlich höheren Polizeipräsenz an Brennpunkten will Niedersachsen nun gegensteuern.

„Wir können Sachverhalte schneller zuordnen und dadurch gezielt reagieren“, erklärte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Freitag in Hannover. Das sei gerade im dynamischen Feld der Clan-Kriminalität enorm wichtig. „Überall da, wo diese Kriminellen meinen, die Straßen gehören ihnen, sie stünden über dem Gesetz, werden wir ihnen auf den Füßen stehen“, kündigte Landespolizeipräsident Axel Brockmann an.

Clan-Kriminalität in Niedersachsen: Illegale Vermögen im Visier

Helfen sollen dabei Bereitschaftspolizei oder mobile Wachen in Stadtteilen, die von Clans dominiert werden. Und: Die Ermittler in Niedersachsen nehmen verstärkt illegal erlangte Vermögen ins Visier. 

„Ziel muss es sein, die kriminellen Sümpfe trockenzulegen“, sagte Brockmann. 2019 stellte die Polizei knapp 5,7 Millionen Euro sicher, davon etwa 3,8 Millionen als Bargeld.

Erstmals präsentierte die niedersächsische Polizei ein öffentliches Lagebild zur Clan-Kriminalität. Damit sollen Bürger sensibilisiert und zugleich ermutigt werden, sich nicht einschüchtern zu lassen. 

Clan-Kriminalität in Niedersachsen: Von Mord bis Autobahnblockaden

Die Zuordnung von Clan-Delikten in Niedersachsen erfolge nicht mehr nachträglich, sondern sofort bei der Datenerfassung mittels szenetypischer Verhaltensmuster, so Pistorius. „Nicht jede Großfamilie ist ein Clan.“ So gebe es auch beim Corona-Ausbruch in Göttingen keine Hinweise auf kriminelle Aktivitäten. 

2019 hat die Polizei laut Bericht 2630 Clan-typische Vorfälle registriert, davon 1585 echte Straftaten wie Körperverletzungen, Diebstahl, Drogenhandel bis hin zu Tötungsdelikten. Die 1646 erfassten Täter waren meist männlich (87 Prozent) und unter 30 Jahren alt (53 Prozent). Jeder Fünfte von ihnen fiel mehrmals negativ auf. 

Clan-Kriminalität in Niedersachsen: Drohungen gegen Polizeibeamte

Häufigstes Herkunftsland war Deutschland (890 Verdächtige), vor dem Libanon (167) und der Türkei (162). Zu den sonstigen Ereignissen zählen ausufernde Hochzeitskonvois mit Autobahn-Blockaden und Schusswaffengebrauch, Einschüchterung von konkurrierenden Imbissbetreibern und 59 „Tumultlagen“ – wenn rivalisierende Großfamilien feindselig aufeinander zustürmen. 

Sorgen bereiten den Behörden Drohungen gegen Polizeibeamte und Amtspersonen. In Peine hatten kürzlich mutmaßliche Clan-Mitglieder das Auto einer Polizistin beschädigt und ihren Kollegen bis nach Hause verfolgt. „Wir werden nicht zulassen, dass diejenigen, die jeden Tag unseren Rechtsstaat verteidigen, von Straftätern drangsaliert oder bedroht werden – noch dazu in ihrem Privatleben“, betonte Pistorius.

von Peter Mlodoch 

Clan-Kriminalität in Niedersachsen

Angesichts zunehmender Bedrohung durch gewaltbereite Clans hatte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) schon 2018 eine „Null-Toleranz-Strategie“ gegen kriminelle Großfamilien angekündigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.