Neue Studie

Mann zweimal mit Corona infiziert: Welche Auswirkungen das auf den Impfstoff hat

Bislang gibt es fünf gemeldete Corona-Zweitinfektionen. Was heißt das für eine Immunität und einen Impfstoff? Eine neue Studie aus den USA möchte Antworten liefern.

  • In den USA hat sich ein junger Mann zum zweiten Mal mit dem Coronavirus infiziert.
  • Eine neue Fallstudie untersucht eine mögliche Corona-Immunität.
  • Mögliche Zweitinfektionen könnten Auswirkungen auf einen wirksamen Impfstoff haben.

Kassel - Offiziell gibt es weltweit derzeit fünf gemeldete Corona-Zweitinfektionen. Der neueste Fall stammt aus den USA, betroffen ist ein junger Mann aus dem Wüstenstaat Nevada. Was sagt das über eine mögliche Immunität und die Suche nach einem Impfstoff aus?

25-Jähriger innerhalb von 48 Tagen zweimal positiv auf Corona getestet - Es folgen starke Symptome

In einer neuen Fallstudie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet - Infectious Diseases“ erschienen ist, wird genau diese weltweit erst fünfte Zweitinfektion behandelt. Wie der Studie zu entnehmen ist, wurde der 25-Jährige innerhalb von nur 48 Tagen positiv auf zwei verschiedene Corona-Infektionen getestet.

Zunächst wurde der junge US-Amerikaner nach einer ersten Infektion im April wieder für genesen erklärt, ehe es im Juni zu erneuten Covid-19-Symptomen kam: Aufgrund von Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Husten, Übelkeit und Durchfall musste der Patient in ein Krankenhaus eingeliefert werden, wo er ein zweites Mal positiv getestet wurde. Inzwischen hat sich der Mann jedoch wieder erholt und wurde aus dem Krankenhaus entlassen.

Corona: Bereits Infizierte müssen sich weiter an Vorsichtsmaßnahmen halten

Dies bestätigt nicht nur, dass eine zweite Infektion mit dem Coronavirus möglich ist, sondern vor allem, das eine Zweitinfektion schwerer verlaufen kann als eine erste Erkrankung. Laut den Forschern sind allerdings weitere Untersuchungen zu Reinfektionen nötig, um abschließend beurteilen zu können, inwieweit eine Corona-Immunität überhaupt möglich ist.

Daher gelten auch für Menschen, die bereits mit Covid-19 infiziert waren, dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie für alle anderen: Abstand halten, das Tragen von einem Mund-Nase-Schutz sowie regelmäßiges Händewaschen.

Haben erneute Infektionen Auswirkungen auf die Suche nach einem Corona-Impfstoff?

Mark Pandori, Hauptautor der Studie und Mitarbeiter des Nevada State Public Health Laboratory an der Universität von Nevada, betont, dass es noch „viele Unbekannte über SARS-CoV-2-Infektionen und die Reaktion des Immunsystems“ gebe, die Studienergebnisse jedoch signalisieren, dass eine frühere Erkrankung „nicht unbedingt vor einer zukünftigen Infektion schützt“.

Auch wenn weitere Forschungen nötig seien, könne die Möglichkeit von Reinfektionen auch erhebliche Auswirkungen auf die Fertigstellung eines wirksamen Corona-Impfstoffs haben, so Pandori weiter. Der Wissenschaftler vergleicht die Situation mit dem Influenzavirus (Grippe), bei dem ein Impfschutz nur eine gewisse Zeit anhält und immer wieder erneuert werden muss.

Forscher mutmaßen: Darum könnte eine Corona-Zweitinfektion besonders heftig ausfallen

Die Forscher stellen gleich mehrere Hypothesen darüber auf, warum der Schweregrad bei einer Corona-Zweitinfektion heftiger als beim ersten Mal ausfallen könnte. So könnte der Patient noch von der ersten Infektion belastet gewesen und somit anfälliger für Symptome gewesen sein. Aber auch den Gedanken, dass der Patient mit einer virulenteren, also einer ansteckenderen, Version des Virus in Kontakt gekommen sei, bringen die Wissenschaftler rund um Mark Pandori ins Spiel.

Eine weitere mögliche Ursache basiert auf dem Prinzip des Antibody-Dependent-Enhancement (ADE). Demnach nutzen Viren das Immunsystem, um den Organismus noch effektiver und massiver zu infizieren. Dies wurde in der Vergangenheit bereits bei verschiedenen Krankheiten, wie etwa dem Dengue-Fieber, beobachtet.

Wenn Menschen sich zweimal mit Corona infizieren, hat das gravierende Auswirungen für einen Impfstoff. (Symbolbild)

Immun gegen Corona? Es benötigt weitere Untersuchungen

Zudem bestehe, zumindest theoretisch, auch die Möglichkeit, dass es sich um kontinuierliche Infektionen handelt, die sich mit der Zeit de- und wieder reaktivieren. Ein Anzeichen davon wäre jedoch eine gewisse Mutationsrate der Viren ähnlich wie bei der Grippe. Zwar mutiert das Coronavirus, allerdings längst nicht so stark.

Auch nach dieser Studie bleiben Fragen bezüglich Corona und einer Immunität offen. Es sind weitere Untersuchungen nötig, so die Forscher, die abschließend einräumen, auch nach ihrer Studie nicht ausreichend beurteilen zu können, inwiefern eine Immunität möglich sei und was es dazu benötigen würde. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.