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„Infizierte müssen zu Hause bleiben“: Lauterbach und Gassen streiten um Corona-Isolationspflicht

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Von: Diana Rissmann

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Um die Personalnot in den Kliniken zu lindern, fordert der Kassenärzte-Chef die Aufhebung aller Corona-Quarantänepflichten.

Berlin - Die Personalnot in den Krankenhäusern ist groß. Ein Problem: Viele Mitarbeiter sind wegen Corona in häuslicher Qauarantäne. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat sich deshalb jetzt für eine Aufhebung aller Corona-Isolations- und Quarantänepflichten ausgesprochen.

Diese sollten „bis auf Weiteres aufgehoben werden, dadurch würde die Personalnot vielerorts gelindert“, sagte Gassen der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wir müssen zurück zur Normalität. Wer krank ist, bleibt zu Hause. Wer sich gesund fühlt, geht zur Arbeit. So halten wir es mit anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe auch.“

Gassen: Corona-Fallzahlen sind hoch - die Verläufe aber fast immer mild

Gassen räumte ein, dass die Infektionszahlen seit Monaten sehr hoch seien und es wegen weniger Tests wohl zusätzlich Hunderttausende nicht erkannter Ansteckungen pro Tag gebe. Die Verläufe seien aber fast immer mild. „Das Problem sind also nicht die vielen Infektionen, sondern, dass positiv Getestete auch ohne Symptome mehrere Tage zu Hause bleiben, in Isolation geschickt werden. Dadurch entstehen die Personalengpässe in den Kliniken und anderswo.“

Drei Pfleger auf einer Intensivstation kümmern sich um einen Corona-Patienten.
Die Corona-Sommerwelle verschärft die Personalnot an den Kliniken. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen fordert deshalb, die Isolations- und Quarantänepflicht aufzuheben. Bundesgesundheitsminister Lauterbach kontert direkt auf Twitter. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Über Probleme durch diese Engpässe berichtete der Intensivmediziner Christian Karagiannidis vom Corona-Expertenrat bereits Ende Juni - schon da hatten fast die Hälfte der bundesweit rund 1300 Intensivstationen einen akuten Personalmangel gemeldet. „Die Personalsituation auf den Intensivstationen ist enorm angespannt“, sagte Karagiannidis. „Das System steht näher an einem Kipppunkt, als ich bisher dachte.“

Kassenärzte-Chef: Corona-Variante Omikron ist „fast ein Friedensangebot des Virus“

Gassen bezeichnete die Omikron-Virusvariante „fast als Friedensangebot des Virus“. Wer sich nach einer Dreifachimpfung anstecke, „profitiert sogar von einer Infektion, indem er oder sie eine Schleimhautimmunität erwirbt“. Niemand sollte sich deshalb aber aktiv anstecken. „Aber wir können uns nicht dauerhaft vor dem Virus verstecken. Und wir sind das letzte Land in Europa, das noch derart aufgeregt über einen Corona-Notstand diskutiert“, urteilte Gassen.

Damit widerspricht Gassen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der erst jüngst während seiner USA-Reise davor warnte, die Schutzmaßnahmen aufzuheben. Deutschland würde ansonsten laut Lauterbach in auf eine „katastrophale Corona-Lage“ in Herbst und Winter zusteuern. „Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, warnte der Gesundheitsexperte am Donnerstag (21. Juli) in Washington D.C. 

Auf Twitter reagierte der Bundesgesundheitsminister direkt auf die Forderung von Gassen, die Isolations- und Quarantänepflicht abzuschaffen: „Infizierte müssen zu Hause bleiben. Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen noch mehr, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko“, twitterte Lauterbach. Und es bleibt nicht nbur bei einem Seitenhieb auf Gassen - denn auch, dass der Kassenärztechef angekündigt hat, sich im Herbst nicht erneut boostern zu lassen, kritisiert Lauterbach deutlich auf Twitter: „... es nicht hilfreich, wenn ein wichtiger Ärztefunktionär betont, er werde sich im Herbst nicht impfen lassen. Das schafft kein Vertrauen.“(dir mit dpa)

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