NDR-Podcast

Coronavirus: Drosten-Vertreterin räumt mit häufig diskutierter Theorie auf - „Da muss man ganz klar sagen ...“

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main.
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Sandra Ciesek sprach im NDR-Podcast über die Corona-Strategie, die Jens Spahn vorschlägt.

Im NDR-Podcast sprach Virologin Sandra Ciesek über die Corona-Strategie von Jens Spahn - und kritisierte ihn in einem Punkt.

  • In Folge 57 des Corona*-Podcasts des NDR sprach Drosten-Vertreterin Sandra Ciesek.
  • Den Vorschlag von sogenannten Fieberambulanzen von Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet sie.
  • Einen Aspekt der Fieberambulanzen kritisierte die Virologin im Podcast jedoch auch.

München - Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Österreich, die mit hohen Corona-Neuinfektionen zu kämpfen haben, scheint die Lage in Deutschland noch gut gemanaged. Nichtsdestotrotz steigen auch hierzulande die Fallzahlen. Zuletzt entwickelte sich in Nordrhein-Westfalen ein neuer Corona-Hotspot. Im NDR-Podcast sprach die Vertreterin von Christian Drosten, Sandra Ciesek, unter anderem über sogenannte „Fieberambulanzen“.

Coronavirus in Deutschland: Fieberambulanzen? - Virologin bemängelt einen bestimmten Aspekt

Im Hinblick auf den Herbst und Winter sowie andere Viren, die in den kommenden Monaten in Umlauf geraten werden, kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn Fieberambulanzen als Corona-Strategie an. „Generell finde ich das eine gute Idee für den Herbst und Winter“, beurteilte Virologin Sandra Ciesek im wöchentlichen NDR-Podcast den Plan, bemängelte jedoch den Namen als „nicht so gelungen“, da schließlich „nicht jeder Fieber haben muss und das suggeriert, dass nur jemand mit Fieber in diese Ambulanz gehen kann und das soll natürlich nicht so sein.“ Ein positiver Aspekt solcher Ambulanzen sei die dadurch mögliche Entlastung der Hausärzte und die Verringerung der Ansteckungsgefahr für andere Patienten im Wartezimmer.

Davon sogenannte Antigen-Tests in solchen Fieberambulanzen anzubieten, hält die Virologin, wie sie im Podcast ausführt, jedoch nichts. Zwar liefere diese Art der Tests ein Ergebnis bereits nach wenigen Minuten, „aber da bin ich nicht dafür“, betonte Ciesek. „Bei symptomatischen Patienten sollte man möglichst die richtige Diagnose mit einem sensitiven Test, also der PCR, haben.“ Dieser dauert mehrere Stunden, gilt jedoch als „Goldstandard". Wie aussagekräftig der Test, der mittels Abstrich durchgeführt wird, schließlich sei, sei von vielen Faktoren abhängig.

Coronavirus in Deutschland: Selbstabstriche, Speicheltests, Stuhl- und Abwasserproben

Auch das Thema eines „Selbstabstrichs“, um sich auf das Coronavirus* zu testen, sprach die Virologin im Podcast an. „Das hat schon enorme Vorteile und schont natürlich auch den öffentlichen Gesundheitsdienst [...] und deshalb gibt es da viele Bestrebungen, dass man da andere Materialien sucht, die jeder Mensch selber abnehmen könnte.“ Ein negativer Aspekt dessen sei jedoch, dass man nicht wisse, wie Laien damit tatsächlich klarkommen würden.

Als Mittel für sicherere Diagnosen führte die Virologin zudem den Speicheltest an. Diese seien jedoch sehr umfangreich und auch platztechnisch in Laboren sehr aufwendig. Wie Ciesek erklärte, benötige man dafür eine nicht gerade unerhebliche Menge an Speichel: 40 bis 50 Milliliter.

Coronavirus: Nachweis des Virus im Abwasser - „haben nicht gefunden, dass das infektiös wäre“

Stuhlproben seien in ihrer Aussagekraft von dem jeweiligen Abstrichzeitpunkt abhängig. „Man kann das Virus [...] im Stuhl sehr lange nachweisen. Länger als teilweise im Rachen.“ Als generelles Screening sei das jedoch nicht sehr sinnvoll. Als Diagnosesicherung sei es ein probates Mittel, im Labor sei es jedoch nicht sehr einfach zu händeln.

In einer Studie habe man außerdem herausgefunden, dass man das Virus im Abwasser nachweisen konnte. Anhand dieser Studie habe man dann gesehen, dass die Menge an Viren im Abwasser mit der Anzahl an Infektionen des Landkreises korrelierte. „Aber da muss man auch ganz klar sagen: Wir haben nicht gefunden, dass das (Abwasser, Anm.d.Red.) infektiös wäre. Dass man sich darüber infiziert, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.“ Es handele sich dabei wohl um kleine Genabschnitte, wie Ciesek erläuterte, die sich im Wasser befanden und glücklicherweise nicht infektiös gewesen seien. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Netzwerks

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